Novomatic: H1-Rekordumsätze unter regulatorischem Druck

Der Glücksspielkonzern Novomatic aus dem österreichischen Gumpoldskirchen vermeldet für das erste Halbjahr 2018 Rekordumsätze. Trotzdem steht die Aktiengesellschaft derweil unter dem Druck zunehmender Regulierungsmaßnahmen, so auch in Deutschland.

Die Novomatic AG hat ihre H1-Bilanz veröffentlicht und gibt damit ein zweistelliges Rekord-Wachstum von 12,6 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 bekannt. Die Umsatz-Erlöse kletterten demnach von 1,212 auf 1,365 Mrd. Euro. Allein die Umsätze an Glücksspielgeräten, sprich Automaten, konnten im H1-Vergleich um 96,2 Prozent gesteigert werden. Für Novomatics Sportwettmarke Admiral konnte indessen ein 16,6 prozentiger Anstieg verbucht werden. Das sogenannte EBITDA der Unternehmensgruppe – eine Kennzahl für den operativen Gewinn – verbesserte sich insgesamt um 11,6 Prozent und liegt damit aktuell bei 318 Mio. Euro.

Das bereinigte Betriebsergebnis beläuft sich derweil auf 148,4 Mio. Euro, ein Plus von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unter dem Strich nimmt der Reingewinn der Novomatic-Gruppe um exorbitante 95 Prozent zu, was eine Steigerung von 56,3 Mio. auf satte 109 Mio. Euro ausmacht. Auch die Anzahl an Mitarbeitern erreichte einen neuen Höchststand, zurzeit beschäftigt die Aktiengesellschaft eigenen Angaben zufolge 26.230 Arbeitnehmer, 694 mehr, als im Vorjahr.

Laut Novomatic-CEO Harald Neumann, seien die positiven Finanzergebnisse insbesondere den „gesteigerten Synergien“ des Konzerns geschuldet, allen voran der Ainsworth Game Technology-Akquisition: Seit Anfang 2018 hält Novomatic 52 Prozent der Anteile an dem australischen Technologie-Konzern, der Standorte auf der ganzen Welt innehat, zum Beispiel auch in Nord- und Südamerika.

Außerdem hat Novomatic jüngst einen Deal mit dem osteuropäischen Land Moldawien abgeschlossen. Der weltweit führende Spiel-Automatenhersteller wird dessen staatliche Lotterien über einen Zeitraum von 15 Jahren, mit mindestens 3.500 Glücksspielgeräten ausstatten. Nach eigenen Angaben generierten derartige Lizenzverträge im Kontext von Lotterietechnik im diesjährigen H1 fast 41 Prozent. Laut Pressemitteilung läge Novomatics Hauptaugenmerk infolgedessen auf der „Konsolidierung des raschen Wachstums“. Das H1 2018 beschließt CEO Neumann weiterführend mit den Worten:

„Dieses erfreuliche Ergebnis bestätigt unsere Strategie, unsere Marktführerschaft in bestehenden Märkten zu festigen und durch Akquisitionen neue Märkte und Technologien zu erschließen. Im Fokus steht die Optimierung von internen Prozessen und Strukturen über alle Grenzen hinweg.“

Regulatorischer Zugzwang

Zwar wirken sich internationale Akquisitionen, laut Neumann, vor allem auf Novomatics Kernmärkten Deutschland, Spanien, Italien und Osteuropa positiv aus, doch aus Sicht der Finanz-Analysten von Regulus Partners (RePa) sollte Novomatic in punkto Akquisitionen darauf bedacht sein, nicht vom Regen in die Traufe zu geraten. Demzufolge sei das „makroökonomische Risiko“ vergrößert worden – in Deutschland und Italien stünde das Novomatic-Geschäft unter massivem „organischen Regulierungsdruck“, wie die Fachpresse zitiert.

Wie aus dem Halbjahresbericht des Konzerns hervorgeht, sind die E-Business-Erlöse in Deutschland um 16,5 Prozent rückläufig. Erst Anfang Januar hat Novomatic obendrein seinen gänzlichen Rückzug vom deutschen Online-Markt bekannt gegeben – nicht zuletzt auf Grund der Paradise Papers-Enthüllungen. Man fürchte den Verlust deutscher Standort-Lizenzen, heißt es hierzu laut Insidern. Zudem sieht sich Novomatic in Italien – infolge des ‚Dekrets der Würde‘ und des damit einhergehenden Glücksspiel-Werbeverbots – mit einer weitläufigen Gesetzes-Verschärfung konfrontiert. So musste der Geräteanteil auf dem ‚großen Stiefel‘ um nicht unerhebliche 35 Prozent reduziert werden.

Auch der Standort Australien wird von den RePa-Analysten doppelschneidig bewertet. Es handle sich hierbei „nach wie vor um einen Markt mit hohem regulatorischem Risiko für Maschinen“. In der Tat: Da die Glücksspielregulierung Down Under, ähnlich wie in Deutschland, Angelegenheit der einzelnen Bundesländer ist, herrscht hier eher judikatives Chaos. Seit Anfang des Jahres hat jedoch auch in Australien ein Re-Regulierungs-Prozess eingesetzt, zuletzt erließ die Hauptstadt Canberra ein nationales Werbeverbot. Eine Stellungnahme zu den Marktrisiken seitens Novomatic blieb bisher aus. Die Analysen der Londoner RePa-Financiers beleuchten die H1-Torte des Novoline-Inhabers schlussendlich auch nur unter Einbezug sämtlicher regulatorischer Risiken – diese sind zwar begründet, aber nichtsdestotrotz:

Dass internationale Expansionen (auch) Risiken bergen, dürfte dem Automaten-Riesen (natürlich) hinreichend bekannt sein. Ebenso, dass sich die glücksspiel-regulatorische Welt infolge des weiter anschwellenden Online-Booms zurzeit global im Dauer-Wandel befindet. Ob CEO-Harald Neumanns „Über alle Grenzen“-Strategie auf Dauer mehr goldene als faulige Früchte tragen wird, bleibt vorerst aber dennoch abzuwarten.

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