Australien verbietet Online-Lotteriewetten

Im Rahmen der voranschreitenden Regulierungskampagne des nationalen Glücksspielsektors hat das australische Parlament jüngst eine Gesetzesnovelle genehmigt, die ein Verbot von Onlinewetten auf nationale Lotterien vorsieht. Unternehmen wie Lottoland sind folglich dazu angewiesen ihren Betrieb innerhalb von sechs Monaten einzustellen.

Ein Foto des australischen Parlamentsgebäudes in Canberra, Australien

Im Parlament in Canberra wird seit Monaten über neue Regulierungsansätze debattiert – über Jahrzehnte galt der Glücksspielmarkt Down Under als einer der Liberalsten der Welt. Das soll sich nun ändern. (Bildquelle)

Der in der Hauptstadt Canberra (Australian Capital Territory, ACT) ansässige australische Senat hat aktuell eine Änderung des australischen Glücksspielgesetzes zum Jahresbeginn 2019 bewilligt, womit ein nationales Verbot sogenannter Zweitlotterien wie Lottoland, Multilotto & Co. einhergeht. Die Betreiber werden dazu aufgefordert sämtliche Online-Geschäfte binnen sechs Monaten einzustellen, alternativ droht eine Sperrung der jeweiligen Webseite.

Dem Verbot geht eine Initiative australischer Zeitungsläden, Kneipen und Clubs voraus, die sich angesichts des zunehmenden Online-Verkaufs von Lotterielosen in ihrem Lotto-Geschäft bedroht sahen.

Bei den besagten Zweit- oder Sekundärlotterien wie Lottoland handelt es sich um Online-Buchmacher – zumeist in europäischen Steuerparadiesen wie Malta oder Gibraltar ansässig und lizensiert – die das Wetten auf den Ausgang staatlicher Lotterieziehungen ermöglichen. Tippt ein Spieler die richtigen Zahlen, wird der Gewinn über eine Versicherung des jeweiligen Wettanbieters ausgezahlt, während dabei der ‚eigentliche Jackpot‘ jedoch vom Wettgeschäft der Online-Anbieter unberührt bleibt.

Den staatlich lizensierten Nationallotterien sind die digitalen Wettbüros daher seit eh und je ein Dorn im Auge und werden, wie zum Beispiel vom deutschen Lottochef Torsten Meinberg, als „Schwarzlotterien“ bezeichnet. Eine Haltung der sich ‚Down Under‘ mit seiner neuen Gesetzgebung anschließt.

Für den australischen Online-Sektor ist das Verbot ein weiterer „schwerer Schlag“, nachdem erst Anfang letzten Juni bekannt wurde, dass die hiesige Onlinewett-Industrie des ‚fünften Kontinents‘ ab Januar 2019 mit einer ortsgebunden, sogenannten Point of Consumption-Steuer von 15% belastet werden soll.

Verbot zum Verbraucherschutz

Einer der maßgeblichen Stimmführer zur Durchsetzung des Verbots, Adam Joy, Geschäftsführer der australischen Nationallotterie (The Australian Lottery), lobt aktuell den Schritt des ACT-Senats und verweist auf den dadurch verbesserten Verbraucherschutz. Im Gespräch mit der australischen Zeitung Sydney Morning Herald betont der CEO:

„Das Verbot wird Australien vor synthetischen Lotterien schützen und wichtige neue Verbraucherschutzmaßnahmen erbringen, indem es eine Lücke schließt, wie von den Lotto-Wettbörsen gefordert. Wir fordern hiermit alle Anbieter von synthetischen Lotterien auf, das Richtige zu tun und ihre Produkte nicht mehr anzubieten.“

Unterstützt wird Adam Joy hierbei durch den australischen Kommunikationsminister Mitch Fifield. Auch der 51-jährige Politiker der australischen Liberalen erklärt, dass die Regierung sich mit dem Verbot insbesondere für den Schutz der Verbraucher sowie nationaler Unternehmen einsetze:

„Diese Gesetzgebung wird auch mehr als 4000 kleine Unternehmen schützen, einschließlich Zeitschriftenläden, Apotheken und Gemeinschaftsclubs und Kneipen im ganzen Land, die langjährige, auf Freizeitwetten spezialisierte Dienstleistungen betreiben.“

Hauptziel: Lottoland Australia

Als ‚Hauptangriffsziel‘ des Verbots kann insbesondere das Australien-Geschäft des auf Gibraltar sitzenden Online-Buchmachers Lottoland betrachtet werden – über 700.000 Australier seien mittlerweile auf der Webseite „Lottoland Australia“ registriert, heißt es. Jedoch gibt sich die Firma trotzig und will ungeachtet des Verbots weiterhin in Australien aktiv bleiben:

Es ist sehr schade, dass der Senat die unbeabsichtigten Konsequenzen der neuen Gesetze nicht berücksichtigt hat – nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für Wettbewerb und Innovation. Aber diese Entscheidung bedeutet nicht das Ende von Lottoland in Australien – weit gefehlt.Luke Brill, Lottoland Australia CEO

Mit den vermeintlichen „Konsequenzen“ verweist der CEO darauf, dass australische Kunden durch das Verbot nun einem „riesigen geldgierigen Monopol in Form der Tabcorp-Gruppe“ ausgeliefert seien. Lottoland habe deshalb mehrfach versucht die australische Regierung zum Umdenken zu animieren.

Am australischen Markt sei Lottoland zudem längst weit genug fortgeschritten, dass dem australische Verbraucher ausreichende, alternative Lottoland-Dienstleistungen angeboten werden könnten. Schlussendlich heißt es von Seiten des Lottoland-Chefs:

„Wir sind hier, um zu bleiben, und wir werden auch weiterhin innovativ sein und uns anpassen, damit wir unseren Kunden auch weiterhin die Art von aufregenden und innovativen Produkten bieten können, die sie in den letzten zwei Jahren von uns erhalten haben. Unsere Lotteriewetten-Produkte werden gemäß den gesetzlichen Bestimmungen noch mindestens sechs Monate verfügbar sein.“

Zurechtweisung durch Tabcorp

Der australische Gambling-Riese Tabcorp – Anbieter des staatlich lizensierten, sogenannten viktorianischen Lotteriebetriebs – reagierte unlängst auf die Anfeindungen des Lottolandchefs Brill. Dieser erfuhr durch Tabcorp-CEO David Attenborough in diesem Kontext jüngst eine harte Zurechtweisung:

„Die Nationallotterie liefert über 400 Millionen AUD für die Finanzierung von Krankenhäusern und über 100 Millionen AUD an die Zeitungshändler, die Lotterielose verkaufen, und darum geht es in der Lotterie. Die Lotterie ist nicht da, um Unmengen an Geld für den Betreiber zu verdienen, sie ist auch da, um die Gemeinschaft voranzutreiben. Aber Lottoland zahlt null Steuern und gibt der Gemeinschaft überhaupt nichts zurück.“

Überdeutliche Worte also am australischen Lotteriemarkt. Dass sich Lottoland dieses Gegenwindes erfolgreich erwehren kann, erscheint fraglich.

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