Deutschland plant reguliertes Online Glücksspiel

Die Bundesrepublik Deutschland plant die Eröffnung eines regulierten Markets für Online Glücksspiel ab Mitte 2021. Auf Basis des Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrags (GlüNeuRStV) sollen Online Casinos, Online Sportwetten und Online Poker legalisiert werden. Allerdings ist mit strengen Auflagen in punkto Spielerschutz zu rechnen. Hier ein Überblick zur Entwicklung.

in Smartphone zeigt verschiedene Apps.

Schon bald könnten Online Casino-Apps auch in Deutschland offiziell erlaubt sein. ©RamiAl-Zayat/Unsplash

Attraktive legale Angebote im Fokus

Nach jahrelangen Debatten um die Regulierung des Online Glücksspiels in Deutschland haben sich die Bundesländer auf eine grundlegende Gesetzesreform verständigt. Der fast 70 Seiten dicke Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag sieht die Legalisierung von Online Casinos, Online Sportwetten und Online Poker ab 01. Juli 2021 vor. Ziel ist es, den milliardenschweren Markt in EU-konforme Bahnen zu lenken und gleichzeitig besser zu kontrollieren.

Bisher waren Online Glücksspiele in Deutschland offiziell illegal. Der Staat hielt ein Monopol auf Lotto und Sportwetten. Die zumeist EU-lizenzierten Anbieter bewegten sich innerhalb einer gesetzlichen Grauzone. Eine Ausnahme bildete lediglich Schleswig-Holstein. Als einziges Bundesland klinkte es sich 2011 aus den Schranken des ursprünglichen Glücksspielstaatsvertrags aus und begann 2012 mit der Lizenzvergabe an die Betreiber seriöser Online Casinos.

Der Chef der Staatskanzlei Schleswig-Holsteins, Dirk Schrödter, begrüßte die jüngsten Entwicklungen daher als Durchbruch. Der neue Staatsvertrag werde die „Grundlage für ein ausreichend attraktives Online Glücksspielangebot“ bilden, man wolle „die Kanalisierung des Glücksspiels in den legalen Markt sichern“. Eine geeignete Alternative zum nicht erlaubten Glücksspiel sei bedeutsam, um die „Entwicklung und Ausbreitung des unerlaubten Glücksspiels in Schwarzmärkten“ einzudämmen.

Bessere Kontrolle durch Regulation

Auch vonseiten der deutschen Glücksspielbranche dürfte die gesetzliche Regulierung von Online Casinos befürwortet werden. Verbände wie die Deutsche Automatenwirtschaft e. V., der Fachverband Spielhallen e. V. oder der Bundesverband Automatenunternehmer e. V. hatten schon seit längerem entsprechende Maßnahmen gefordert. Gründe dafür sind zum Beispiel bessere Kontrollmöglichkeiten, mehr Arbeitsplätze und ein erhöhter Kinder- und Jugendschutz.

Unterstützt wird die Legalisierung auch von Wolfgang Kursawe, Leiter der Fachstelle Glücksspielsucht bei der Drogenhilfe Köln. Es sei besser, Online Glücksspiele zu erlauben, diese aber gleichzeitig zu kontrollieren. „Ich denke, es ist nicht zeitgemäß, bestimmte Dinge online verbieten zu wollen, jeden Tag kommen da Angebote aus Malta oder Österreich“, so der Experte im Gespräch mit Tagesschau.

Zur Wahrung höchster Sicherheitsstandards sieht die Bundesrepublik die Vergabe offizieller Glücksspiellizenzen vor. Die Anzahl der Lizenzen ist nach jetzigem Stand unbegrenzt, allerdings sollen strenge Regeln im Bereich des Spielerschutzes gelten. Damit deren Einhaltung gewährleistet werden kann, wird die Einrichtung einer zentralen Glücksspielbehörde, voraussichtlich in Schleswig-Holstein, geplant. Doch wie sehen die Richtlinien im Detail aus?

Einsatzlimits und Frühwarnsysteme

Wie auch in anderen Märkten Europas üblich, setzen sich die Regularien in Deutschland aus Einsatzlimits, Frühwarnsystemen, Sperrdateien, Selbstausschlusssystemen und Werbebeschränkungen zusammen. Um maximalen Spielerschutz zu garantieren, soll zum Beispiel ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Spieler gelten. Das Limit gilt jedoch voraussichtlich nicht für den Wiedereinsatz von Gewinnen.

Dazu wird ein „automatisiertes System“ zur Früherkennung von problematischen Spielweisen vorgeschrieben, ebenso wie ein Selbstausschlusssystem für die Spieler. Als Beispiel für Letzteres könnte das Selbstausschlusssystem GAMSTOP aus Großbritannien herangezogen werden, welches erst im vergangenen September zur britischen Lizenzbedingung erklärt wurde.

Des Weiteren sollen auffällige Spieler in einer bundesweiten Sperrdatei erfasst werden, was bedeutet, dass die lizenzierten Anbieter alle Spieldaten ihrer Kunden abrufbereit halten müssen, sollte es zu Kontrollmaßnahmen durch Behörden kommen. In diesem Sinne zählt auch die Erstellung von individuellen Spielerkonten zu den Pflichtvorgaben. Paralleles Spielen über verschiedene Konten bei verschiedenen Anbietern soll damit unterbunden werden.

Weitere Regulierungen sind im Bereich des Marketings geplant. Laut Aussagen von Der Spiegel dürfe im Internet nur „unter bestimmten Voraussetzungen“ für Glücksspiele geworben werden. Genauere Infos liegen hierzu noch nicht vor, klar ist jedoch, dass für Sportwetten sowohl im Rundfunk als auch im Internet ein Werbeverbot zwischen 6 und 23 Uhr gelten soll.

Wachstum durch Online Glücksspiel

Die Umsätze des seit Jahren boomenden Marktes sprechen für sich. So wurden allein 2017 weltweit Bruttospielerträge von umgerechnet 42 Mrd. Euro generiert. Für Deutschland waren die Zahlen bisher schwer ermittelbar. Die Behörden der Bundesländer gehen jedoch von einem Umsatz in Höhe von rund 1,8 Mrd. Euro aus, was einem Zuwachs von 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Dass sich die Regulation des deutschen Online Glücksspielmarktes aus wirtschaftlicher Sicht lohnen wird, ist daher wahrscheinlich. Die Einschätzung wird durch die Entwicklung des deutschen Sportwettsektors bestätigt. In diesem Punkt hatten sich die Bundesländer, unter Federführung der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalens, bereits im Frühjahr 2019 auf eine Übergangslösung geeinigt.

Auch in diesem Fall ging es um die Legalisierung privater Anbieter, um diese aus der gesetzlichen Grauzone zu befreien. Die unzeitgemäße Gesetzeslage sorgte immer wieder dafür, dass sowohl Anbieter als auch Sportvereine aufgrund von Wettsponsoring in die Kritik gerieten.

Ein kürzlich erschienener Bericht des Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV) zeigte, dass noch im selben Jahr ein Rekordumsatz am deutschen Sportwettmarkt erzielt wurde. Die Spieleinsätze beliefen sich auf 9,3 Mrd. Euro, der Staat generierte im Umkehrschluss Steuereinnahmen von über 500 Mio. Euro. Im Zuge der Liberalisierung können weitere Wachstumsschübe erwartet werden.

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