Wettsponsoring: Bundesligaklubs in der Kritik

Aufgrund vermeintlich illegaler Glücksspielwerbung blinken zurzeit die Namen mehrerer Bundesligavereine auf dem Radar der deutschen Behörden. Laut ARD seien sogar mehrere Verfahren eröffnet worden, unter anderem gegen Borussia Dortmund. Während Glücksspielkritiker vor den zunehmenden Partnerschaften zwischen Wettanbietern und deutschen Fußballvereinen warnen, profitiert der Fiskus von immer höheren Steuereinnahmen aus Sportwetten. Hier ein Überblick zur Entwicklung.

Der BVB präsentiert seinen Wettpartner Bwin.

Unter anderem sieht sich der BVB mit einem Verfahren aufgrund seiner Bwin-Partnerschaft konfrontiert. (©Presseportal)

Tipico, Bwin und Betway am Pranger

Laut aktuellen Berichten der ARD sind eine ganze Reihe an Bundeligaklubs aufgrund womöglich illegaler Glücksspielwerbung ins Visier der Behörden geraten. Unter anderem sollen die Vereine Werder Bremen, Borussia Dortmund, 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf von offiziellen Verfahren betroffen sein. Die Vorwürfe resultieren aus den Wettpartnerschaften der Klubs. Demnach würden die Vereine – sofern sie die Logos von Buchmachern auf ihren Trikots tragen, deren Banner in den heimischen Stadien präsentieren oder auf damit ihren Homepages werben – gleichzeitig auch für bis dato nicht erlaubte Online Glücksspielangebote wie Spielautomaten und Roulette werben.

Im Fadenkreuz stehen in dem Zusammenhang besonders die Sportwettmarken Tipico, Bwin und Betway. Alle Anbieter sind in der Bundesliga als offizielle Sportwettpartner aktiv, für Tipico wirbt bekannterweise sogar die Torwartikone Oliver Kahn. Allerdings bieten die Marken in ihrem Portfolio üblicherweise auch diverse Online Casino-Angebote an. Die Unternehmen sind dafür allesamt auf EU-Ebene lizenziert und agieren im Rahmen der europäischen Dienstleistungsfreiheit. Aufgrund der immer noch uneinheitlichen Rechtslage in Deutschland – über ein zeitgemäßes Lizenzsystem verfügt hier bislang nur das Bundesland Schleswig-Holstein – sorgt das breitgefächerte Angebot der Unternehmen nun jedoch für negative Publicity.

Werbeverstöße nicht absichtlich

Die Bezirksregierung Düsseldorf teilte hierzu auf Anfrage der ARD mit, dass „den Fußballvereinen kein absichtliches rechtswidriges Handeln“ vorgeworfen wird. Den Vereinen sei es demnach „häufig nicht bewusst“, dass sie durch ihre Werbeaktionen auch die anderweitigen Glücksspielprodukte der Buchmacher mitbewerben. Im Rahmen der Verfahren sollen die Vereine daher über die „Verstöße informiert“ und dazu angehalten werden, ihre Werbemaßnahmen künftig „abzustellen“.

Fortan sollen die Vereine, die Partnerschaften mit Wettanbietern unterhalten, klar und deutlich deklarieren, dass sie lediglich für Sportwetten werben. Außerdem sollen Internetlinks in Zukunft nicht mehr von der Seite des Vereins auf die Seite des Buchmachers führen, sofern dort für andere Online Glücksspiele geworben wird. Sollten die Klubs den Forderungen der Regierung nicht nachkommen, droht ihnen eine sogenannte Untersagungsverfügung, dies bedeutet, dass sämtliche Werbung umgehend eingestellt werden muss.

Mit einem derartigen Verfahren gegen Glücksspiel-Werbung wird zurzeit der achtfache deutsche Fußballmeister Borussia Dortmund konfrontiert. Der Verein unterhält eine Partnerschaft mit Bwin, würde seine Werbeslogans in diesem Zusammenhang jedoch nicht hinreichend differenzieren. Im schlimmsten Fall droht dem Verein hierdurch ein Bußgeld plus Werbeverbot. Die Entwicklungen bleiben in dem Fall vorerst abzuwarten.

Kinder-und Jugendschutz im Fokus

Was den Kinder- und Jugendschutz anbelangt, schlagen Glücksspielkritiker und Suchtexperten in punkto Wettsponsoring schon lange Alarm. Die zunehmende Kritik resultiert aus der immer größeren Präsenz der Buchmacher im Sportsektor. Laut Tobias Hayer, Glücksspielexperte an der Universität Bremen, liegt die Gefahr von Sportwetten vor allem an der immer höheren Spielgeschwindigkeit.

Der Wissenschaftler bezieht sich im Wortlaut auf die sogenannte „Ereignis-Frequenz“ bei Live-Wetten. Dadurch, dass Wettkunden in Zeiten des Internets tagtäglich 24 Stunden am Stück tippen können, erhöhe sich der „Kick“, was wiederum das Gefahrenpotenzial von Sportwetten erhöhen würde. Laut Hayer sei der prozentuale Anteil an Online Sportwetten unter problematischen Spielern binnen letzter Jahre „eindeutig gestiegen“.

Ein weiterer Grund für die zunehmenden Risiken von Sportwetten ist wie bereits angedeutet die „ausufernde“ Sportwett-Werbung der Vereine. Derzeitig würden die deutschen Profiklubs knapp 60 Mio. Euro pro Jahr durch die Wettindustrie einnehmen. Kritiker argumentieren in diesem Kontext, dass inzwischen fast jeder Bundesligaklub von einem privaten Wettanbieter gefördert würde. Zudem wird kritisiert, dass selbst der DFB (Deutscher Fußball-Bund) eine Kooperation mit Bwin eingegangen ist. Die Gefahren würden durch derartige Schritte „verharmlost“, so die Vorwürfe.

Immer höhere Steuereinnahmen

Parallel zur wachsenden Kritik profitiert der deutsche Fiskus von immer höheren Steuereinnahmen durch Sportwetten. Die Einnahmen haben sich innerhalb der letzten fünf Jahre fast verdoppelt, so das Fazit eines im Mai veröffentlichten Berichts des Bundesfinanzministeriums. Zwischen 2014 und 2018 sind die Steuereinnahmen demnach von 225 Mio. Euro auf satte 384 Mio. gestiegen.

Trotz der unklaren Rechtslage werden alle in der Bundesrepublik platzierten Wetten mit einem Steuersatz von 5 Prozent betraut. Aufgrund der hohen Steuergewinne soll die Sportwettbranche laut Ministerium künftig in einen offiziellen Wirtschaftssektor des Landes verwandelt werden. Dies soll unter anderem durch den nunmehr dritten Glücksspielstaatsvertrag geschehen. Vorbild ist das Modell Schleswig-Holstein, dies jedoch erneut nur mit Abstrichen im Bereich des Online Glücksspiels.

Industrieverbände wie die Deutsche Automatenwirtschaft e. V. haben den Schritt der Regierung vorerst begrüßt, allerdings wird vonseiten der Betreiber nach wie vor die Freigabe, sprich, gesetzliche Regulierung von Online Casinos gefordert. Eine entsprechende Gesetzesnovelle würde an dieser Stelle nicht nur bessere Kontrollen ermöglichen, sondern auch den Missmut gegenüber den Wettpartnerschaften im Sport eindämmen. Ob es dazu kommt, bleibt ebenfalls abzuwarten.

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