Deutscher Sportwettmarkt bricht Rekorde

Laut einem Bericht des DSWV (Deutscher Sportwettenverband) wurde im Jahr 2019 ein Umsatzrekord auf dem deutschen Sportwettmarkt erzielt. Parallel profitierte der Staat von hohen Steuereinnahmen. Aufgrund der voranschreitenden Liberalisierung dieses Marktes und der von Online Casinos werden weitere Wachstumsschübe erwartet. Hier ein Überblick zur Entwicklung.

Ein Blick den Signal Iduna Park von Borussia Dortmund.

Borussia Dortmund war 2019 wegen seiner bwin-Partnerschaft in die Kritik geraten. ©MarvinRonsdorf/Unsplash

21 Prozent Wachstum in 2019

Sportwetten werden in Deutschland immer beliebter. Dies geht aus einem Bericht des DSWV hervor, der sich auf aktuelle Daten des Bundesfinanzministeriums stützt. Hiernach verzeichnete die Branche 2019 erneut starke Wachstumsschübe. Deutsche Wettkunden platzierten Wetteinsätze im Gesamtwert von 9,3 Mrd. Euro, was einen Anstieg um ganze 21 Prozent gemessen am Vorjahr markiert.

Obgleich die Zuwachsrate in einem Jahr ohne Fußball-EM oder -WM erzielt wurde, wurden etwa 90 Prozent der Wetten auf Fußballspiele abgeschlossen. Der Präsident des DSWV, Mathias Dahms, unterstreicht damit die positive Entwicklung und betont gleichsam die Vorteile, die sich für den deutschen Staat ergeben. Im Wortlaut heißt es:

“Die Sportwette ist in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft angekommen und zur beliebten Freizeitbeschäftigung avanciert. Auch das Gemeinwohl profitiert davon: Im letzten Jahr haben die Sportwettanbieter rund eine halbe Milliarde Euro Sportwettsteuer abgeführt.”

Deutscher Fiskus profitiert

Spätestens seit der Vorlage des neuen Glücksspielstaatsvertrags im Mai 2019 ist klar, dass der deutsche Sportwettmarkt liberalisiert wird. Vorerst werden 20 Anbieter aus der gesetzlichen Grauzone geholt, dies allerdings nur gegen den Erhalt von Lizenzen und unter Einhaltung strenger Richtlinien. Ein weiterer Faktor ist die Zahlung einer fünf Prozent-Steuer auf die Bruttospieleinsätze an den deutschen Fiskus.

Obgleich sich die Sportwettanbieter bis zur bundesweiten Regulierung in einer Grauzone bewegten, kassiert der Staat schon seit Jahren immer höhere Steuereinnahmen durch Sportwetten. Laut Finanzministerium stiegen die Einnahmen zwischen 2014 und 2018 von 225 Mio. Euro auf satte 384 Mio. Euro. Die Gesamtumsätze der Branche beliefen sich dabei auf über 40 Mrd. Euro.

Obwohl offiziell nur der staatliche Anbieter Oddset Sportwetten vertreiben durfte, kam es im Februar 2019 zu einem Ausbau der Partnerschaft zwischen dem DFB und bwin. Im darauffolgenden Oktober standen paradoxerweise verschiedene Bundeligaklubs, zum Beispiel Borussia Dortmund und der 1. FC Köln, aufgrund von Wettsponsoring in der Kritik. Unter diesen Aspekten erscheint eine offizielle Regulierung des Marktes ebenso notwendig wie logisch.

Seit Anfang des Jahres laufen nun die Lizenzverfahren auf bundesweiter Ebene, die jahrelangen Debatten scheinen beendet. Laut Aussagen des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt (Hessen) werden mindestens 45 Bewerbungen internationaler Anbieter erwartet. Die ersten Lizenzen sollen laut DSWV schon im kommenden Frühjahr vergeben werden. Der Vorsitzende Dahms kommentiert:

“Die Bundesländer sind jetzt in der Pflicht zu zeigen, dass ihr Regulierungsrahmen funktioniert und sie effektiv gegen unlizenzierte Angebote vorgehen können. Teils sind Nachbesserungen erforderlich, damit es nicht zur Verdrängung von Spielern in den Schwarzmarkt und zu Wettbewerbsverzerrungen kommt.”

DSWV baut Vorstand aus

Aufgrund der Marktöffnung rechnet der DSWV mit weiteren Wachstumsschüben. Um sich den neuen Kapazitäten anzupassen, wurden zwei neue Führungspersönlichkeiten integriert. Erstens wurde der Tipico-Vertreter Jochen Weiner von der Mitgliederversammlung zum Nachfolger des bisherigen Vizepräsidenten Dr. Günter Schmid gewählt. Weiner ist schon seit längerem in dem Verband aktiv.

Zweitens wurde Christoph Nestelberger, Vertreter der britischen GVC Group (bwin, Ladbrokes Coral, Sportingbet), neu in den Verband aufgenommen. In einer „Phase entscheidender regulatorischer Weichenstellung für die Branche“ wolle man den Verband durch einen „erfahrenen Industrieexperten“ verstärken, so die Begründung.

Legale Wetten in den USA

Wie positiv sich die Sportwett-Legalisierung auf die Wirtschaftsleistung eines Landes auswirken kann, zeigt sich aktuell an den Entwicklungen in den USA. Im Mai 2017 wurde das bundesweite Sportwettverbot aufgehoben. Mittlerweile hat sich ein milliardenschwerer Markt entwickelt. Sportwetten gehören zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten der US-Bürger, was sich an aktuellen Kennzahlen der American Gaming Association (AGA) zeigt.

Laut AGA platzierten die Verbraucher in den USA im Jahr 2019 legale Sportwetten im Wert von insgesamt 13 Mrd. US-Dollar (~ 11,8 Mrd. Euro), gemessen am Vorjahr (6,6 Mrd. US-Dollar) ist dies fast eine Verdopplung. Insgesamt 14 Bundesstaaten boten in den 12 Monaten bis zum 31. Dezember 2019 Sportwetten an, wobei einige Bundesstaaten zum ersten Mal auf dem Markt aktiv waren, so zum Beispiel Colorado und Iowa.

Die Spieler in Nevada gaben am meisten für Wetten aus. Auf Platz zwei liegt New Jersey, dicht gefolgt von Pennsylvania. Genau 17 Sportwettgesetze sind derzeitig in den USA aktiv. Die AGA erwartet jedoch, dass weitere sechs Bundesstaaten, inklusive Washington D.C. im Jahr 2020 regulierte Sportwetten einführen werden. Dies werde das Wachstum weiter in die Höhe treiben, so die Prognose des Verbands.

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