Camelot für Erhöhung des Mindestalters

Der britische Glücksspielriese und Lotteriebetreiber Camelot unterstützt die Ankündigung der Regierung, das Mindestalter für die Teilnahme an der National Lottery von 16 auf 18 zu erhöhen. Momentan befindet sich der britische Glücksspielmarkt in einer umfassenden Reform, zudem hat die UKGC (UK Gambling Commission) das Ausschreibungsverfahren für einen neuen Verwalter der Lotterie gestartet. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Der britische Regierungssitz im Londoner Stadtzentrum.

Der neue britische Gambling Act setzt auf erhöhten Spielerschutz und mehr soziale Verantwortung. ©liushuquan/Pixabay

Umsetzung noch vor Gesetztesreform

Kurz nach der Bekanntgabe eines Rekordumsatzes bei der UK-Lotterie hat der Betreiber Camelot Stellung zu den geplanten Änderungen am britischen Glücksspielgesetzes bezogen. Im Zentrum steht die geplante Anhebung des Mindestalters von 16 auf 18 Jahre. Das Unternehmen, das die Nationallotterie bereits seit ihrer Gründung 1994 im Rahmen eines Franchise-Vertrags verwaltet, bekundete den Schritt zu unterstützen und alle nötigen Änderungen bis April 2021 umzusetzen.

Camelot begründete seinen Zuspruch damit, dass sich der britische Glückspielmarkt durch eine Zunahme an Online Glücksspielangeboten und Softgewinnspielen stark verändert habe. Aus diesem Grund wolle man die Maßnahme noch deutlich vor dem geplanten Startdatum Oktober 2021 umsetzen. Man habe, so ein Unternehmenssprecher, schon seit längerem betont, dass Camelot alle angestrebten Änderungen der Regierung vorbehaltlos unterstützen werde.

Jetzt, da die Entscheidung im Zuge der britischen Glücksspielreform gefallen ist, werde man alle notwendigen Schritte einleiten, um die Anhebung des Mindestalters schnellstmöglich umzusetzen. Gleichzeitig wolle man sicherzustellen, dass die hohen Sicherheitsstandards der Nationallotterie vollständig beibehalten werden. Man habe bereits mit den Vorbereitungen begonnen. Schon bis zum April, lange vor der Gesetzesänderung, würden alle Onlinekanäle und Einzelhandelsgeschäfte umgestellt sein.

Die National Lottery ist die größte Lottoagentur Großbritanniens und wird seit 1994 von Camelot betrieben. Kontrolliert werden die Ziehungen, welche dem deutschen 6 aus 49 entsprechen, durch die National Lottery Commission. 25 Prozent der Einnahmen kommen der Allgemeinheit zugute, 12 Prozent werden direkt an die Regierung abgeführt, Camelot selbst erhält 4,5 Prozent. Die Lizenz für die Verwaltung der Lotterie wurde bisher alle sechs Jahre erneuert, weshalb immer wieder Konkurrenzkämpfe um die Lotterie entstanden. Bisher konnte Camelot das Rennen aber jedes Mal für sich entscheiden.

Neues Ausschreibungsverfahren eröffnet

Parallel zur Reform hat die britische Glücksspielbehörde in diesem Jahr das nächste Ausschreibungsverfahren für die Lotterieverwaltung eingeleitet. Dieses wird anders als in den Vorjahren ablaufen. Die UKGC erklärte, dass einige neue Vorgaben gelten. Die Lizenz wird fortan für eine Laufzeit von zehn Jahren vergeben. Dies, so die Behörde, würde dem Lizenznehmer einen klaren Zeitraum für seine Investitionsplanung geben.

Das Verfahren begann Mitte November mit einer formellen Interessensbekundung. Im Rennen ist unter anderem tschechische Sazka Group, die bereits die Verwaltung der tschechischen Nationallotterie innehat. Jetzt hat die Unternehmensgruppe, die zudem als Hauptaktionär der Casinos Austria fungiert, auch die britische Lotterie fokussiert. Laut eigenen Aussagen könne man ein enormes Knowhow in die Unternehmung einfließen lassen.

Lotterie genießt hohes Ansehen

Mit von der Partie ist (natürlich) auch Camelot sowie der indische Lotterie- und Technologieanbieter Sugal & Damani. Infolge der Interessensbekundungen haben die Unternehmen eine Einladung zur Bewerbung und unterstützende Dokumente erhalten, die nun bearbeitet und ausgewertet werden müssen. Die Ausschreibung wird über ein Jahr, bis zum September 2021 laufen. Dem künftigen Lizenznehmer soll mehr Flexibilität in der Art und Weise eingeräumt werden, wie er die Lotterie betreibt.

Laut Aussagen des britischen Ministers für Sport, Tourismus und Kultur, Nigel Huddleston, ist die Nationallotterie ein nationaler Schatz. Sie genieße den Ruf, unterhaltsame Spiele sowie ein hohes Maß an Verbraucherschutz zu bieten, weshalb ihre Verwaltung nur in verantwortungsvolle Hände abzugeben sei. Bisher habe die Lotterie stets einen positiven Einfluss auf die Gemeinden des Landes ausgeübt. Um diesen Ruf zu wahren, habe die Einhaltung aller Vorschriften bei der Ausschreibung eine besonders hohe Priorität. Der Lizenzierungsprozess müsse die Zukunft und Integrität der Lotterie sichern, so der Minister.

Glücksspielnovelle in den Startlöchern

Die Erhöhung des Mindestalters für die Nationallotterie ist im Kontext des neuen britischen Glücksspielgesetzes zu betrachten, welches gegen Ende 2021 in Kraft tritt. Die Novelle setzt auf ein erhöhtes Maß an Spielerschutz und sozialer Verantwortung. Vorgesehen sind unter anderem neue Einsatzlimits sowie Werbe- und Bonusbeschränkungen. Mittlerweile befindet sich die Novelle in einer konkreten Überprüfungsphase.

Mehrere führende Glücksspielanbieter haben den Erlass des Gesetzes begrüßt: So zum Beispiel William Hill oder der Marktriese Flutter, der erst kürzlich Tom Watson als Berater eingestellt hat. Der frühere Labour-Abgeordnete gilt als einer der schärfsten Glücksspielkritiker Großbritanniens und hatte den neuen Gesetzentwurf maßgeblich mitvorangetrieben. Man unterstütze die Änderungen und freue sich auf die politische Zusammenarbeit, so Flutter.

Der Vorstandsvorsitzende von William Hill, Ulrik Bengtsson, meldete sich ebenfalls zu Wort und bekundete seinen Zuspruch. Als Wettanbieter habe man sich ohnehin bereits verpflichtet, höhere Sicherheitsstandards einzuhalten. Man wolle gemeinsam eine Kultur des sicheren Glücksspiels aufbauen, Minderjährige und gefährdete Personen sollten nicht mit Glücksspielen konfrontiert werden, so das Kredo des Londoner Traditionsbuchmachers. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten.

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