UK: Glücksspielgesetz droht Reform

Das britische Glücksspielgesetz soll wieder einmal reformiert werden. Im Fokus steht dabei vor allem das Sponsoring von Sportvereinen. Aber nicht nur das. Wie britische Medien berichteten, wollen die Beamten des Ministeriums für Digitales, Kultur, Medien und Sport zeitnah damit beginnen, das geltende Glücksspielgesetz umfassend zu überprüfen. Das dürfte für Nervosität in der Branche sorgen.

Stadion des FC Chelsea.

Glücksspielwerbung gehört fest zum Sport in England dazu – aber wie lange noch? ©ahundt/Pixabay

Bereits seit geraumer Zeit ist klar, dass eine derartige Überprüfung durchgeführt wird. Experten erwarten, dass diese zu massiven Änderungen der geltenden Gesetze führen könnte. Diese wurden bereits im Jahr 2005 unter Tony Blair verabschiedet, könnten nun aber revidiert oder zumindest verändert werden. Zuständig für die Überprüfung sind demnach der britische Premierminister Boris Johnson und der Sportminister Nigel Huddleston.

Große Änderungen stehen möglicherweise bevor

Mit Reformen und Änderungen kennt sich die Glücksspielindustrie in Großbritannien bestens aus. Kaum ein Jahr vergeht, in dem das Glücksspielgesetz nicht überarbeitet wird. Quasi pünktlich zum Jahreswechsel bahnen sich nun allerdings enorm weitreichende Änderungen an. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, sollen sich schon ab kommenden Montag Beamte des Ministeriums für Digitales, Kultur, Medien und Sport mit einer Überprüfung des Glücksspielgesetzes beschäftigen. Diese Überprüfung wurde bereits lange angekündigt und könnte schwerwiegende Folgen haben. Experten erwarten, dass einige Teile des Glücksspielgesetzes aus 2005 durch die neue Reform geändert oder sogar gestrichen werden könnten.

Bereits in den kommenden Wochen ist laut der Zeitung mit verschiedenen Erlassen zu rechnen, mit denen sich eine Prognose für die Zukunft herleiten lassen könnte. Geplant sind demnach zahlreiche Änderungen, zum Beispiel beim Maximaleinsatz in den Online-Casinos. Aktuell können die Spieler in Großbritannien bis zu 100 Pfund pro Runde einsetzen. Künftig soll dieser Einsatz auf nur noch zwei Pfund pro Runde begrenzt werden.

Strengere Tests, strengere Überprüfungen und weniger Werbung

Längst nicht die einzige drohende Reform. Strenger überprüft werden sollen im Rahmen des Spielerschutzes künftig auch die Spieler. Insbesondere die Bonität soll genauer geprüft werden, um zu analysieren, ob die Spieler im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten unterwegs sind oder sich für ihre Einsätze möglicherweise verschulden müssen. Strenger kontrolliert werden sollen zudem auch neue Glücksspiel-Produkte. Schon jetzt werden diese vor einer Veröffentlichung umfangreichen Testmaßnahmen unterzogen. Jene Maßnahmen sollen künftig durch die Einführung eines neuen Systems intensiviert werden. Sämtliche Angebote in der Grauzone des Gesetzes sollen zudem ebenfalls stärker überprüft und notfalls ausgeschlossen werden.

Eine ganz wesentliche Einschränkung droht zudem im Bereich des Marketings. Überprüft werden sollen laut der Zeitung zum Beispiel die Werbeangebote der Online Casinos. So müssten sich diese eine Überprüfung von Bonusangeboten, Freispielen oder der VIP-Programme gefallen lassen. Das Sport-Sponsoring steht ebenfalls auf dem Prüfstand. In der jüngeren Vergangenheit wurde kritisiert, dass insbesondere Fußballvereine immer stärker „gamblifiziert“ werden. Dieser Entwicklung soll durch ein Verbot des Sport-Sponsorings entgegengewirkt werden. Unter anderem sieht dieses dann vor, dass Glücksspielunternehmen nicht mehr mit ihren Logos auf den Fußballtrikots der Mannschaften werben dürfen.

Studie warnt vor Auswirkungen der Glücksspielwerbung

Dass die neuen Bemühungen der Politik ausgerechnet jetzt deutlich werden, ist vermutlich kein Zufall. Erst jüngst veröffentlichte die renommierte Oxford Academy eine Studie, in der junge Erwachsene nach ihrer Wahrnehmung der Präsenz von Glücksspiel-Werbung befragt wurden. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass die Werbung im „Grunde überall“ sein würde. Herausgekommen ist zudem, dass offenbar viele junge Menschen eine verstärkte Regulierung der Glücksspielwerbung befürworten würden.

Erfahrungsgemäß anderer Meinung ist man beim Branchenverband der britischen Glücksspielbranche, dem Gambling and Gaming Council (BGC). Dieses warnte jüngst davor, den Markt zu stark zu regulieren. Das würde dazu führen, dass der attraktive Markt immer unattraktiver werden würde und Verbraucher vermehrt auf Angebote in der Grauzone oder dem Schwarzmarkt zurückgreifen würden.

Änderungen kommen auf mehrere Märkte zu

Nicht nur in Großbritannien steht das Glücksspiel wieder einmal vor Änderungen. Auch in den USA droht der stationären Casino-Branche ein massiver Einschnitt. Zumindest dann, wenn es nach der Organisation „American Nonsmokers Rights Foundation“ geht. Diese setzt sich bereits seit vielen Jahren für den Schutz von Nichtrauchern in geschlossenen Räumen ein. Nun hat die Organisation die Casinos ins Visier genommen. Konkret fordert diese, dass die Casinos ein Rauchverbot in ihren Räumen einführen oder andernfalls auf die Finanzhilfen im Zuge der Corona-Pandemie verzichten sollten.

Mit ihrer Forderung ist die Organisation jüngst an den amerikanischen Glücksspielverband, die American Gaming Association (AGA) herangetreten. In einem zweiseitigen Brief wies sie darauf hin, dass sich durch das Rauchen in den geschlossenen Räumen auch die Ansteckungsgefahr in den Casinos erhöhen würde. Betroffen sein würden davon vor allem die Angestellten der Casinos, die dem Passivrauch der Spieler über Stunden hinweg ausgeliefert sein würden. Ob sich die AGA hierzu in den kommenden Tagen äußern wird, bleibt abzuwarten.

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