Konkurrenzkampf um UKs Nationallotterie

Das Glücksspielunternehmen Camelot, derzeitiger Betreiber der britischen National Lotterie, sieht sich ab nächstem Jahr mit wachsender Konkurrenz um die Lotterielizenz konfrontiert. Nach einer zwischenzeitlichen Verlängerung läuft die Betriebserlaubnis für Camelot im Jahr 2023 aus. Eine ganze Riege an Anbietern steht bereits in den Startlöchern.

Ein Blick auf den Londoner Regierungssitz.

Auch am Londoner Regierungssitz wird das Rennen um die Lizenz verfolgt. ©derwiki/Pixabay

Lizenzprüfungen beginnen 2020

Die von Camelot betriebene National Lotterie feierte erst am 19. November 2019 ihr 25-jähriges Jubiläum. Für Camelot könnte dies jedoch der letzte runde Geburtstag als Lotteriebetreiber gewesen sein, denn die mehrfach verlängerte Betriebslizenz läuft 2023 aus. Beim Rennen um die Lizenzvergabe könnte es Camelot nun mit starker Konkurrenz zu tun bekommen. Die Entscheidung liegt letzten Endes bei der National Lottery Commission, die 2013 aus der Verschmelzung der UK Gambling Commission (UKGC) mit der National Lotterie hervorging.

Wie es vonseiten der Commission heißt, werden die Prüfungen der Lizenzanträge bereits 2020 beginnen. Das Interesse unter den Anbietern ist entsprechend groß, denn der Lizenznehmer wird sich für mehrere Jahre fest am britischen Glücksspielmarkt etablieren dürfen.

Einer der einflussreichsten Kandidaten für den Erhalt ist der britische Verleger Richard Desmond (68), Inhaber der Express-Zeitungen. Dieser ist im Lotteriegeschäft bereits erfahren – neben seinen Medienunternehmen betreibt er eine bekannte Gesundheitslotterie. Erst am letzte Wochenende bekundete Desmond daher erneut, sich um die Lotterielizenz bemühen zu wollen. Außerdem kritisierte er den momentanen Zustand der Lotterie sowie ihren Betreiber, es hieß:

“Die National Lotterie ist unter Camelot von ihrem Weg abgekommen und sollte zurück in britische Hände gelangen.”

Weitere Interessenten erwartet

Desmond ist jedoch nicht der einzige Unternehmer, der um den Erhalt der Lizenz kämpfen möchte. Auch die Virgin Group soll laut Berichten der Zeitung The Telegraph interessiert sein. Für Milliardär Richard Branson wäre es die bereits dritte Bewerbung um den Lizenzerhalt nach 1994 und 2000. Im Jahr 2000 hatte es für den 69-jährigen Geschäftsmann sogar gut ausgesehen, nur durch ein gerichtliches Vorgehen gegen die Entscheidung, blieb die Lizenz im Hause Camelot.

Neben Desmond und Branson nehmen obendrein drei europäische Glücksspielkonzerne am Renne teil: Erstens der niederländische Betreiber Novamedia, der auf seinem Heimatmarkt bereits die Post Lotterie betreibt. Zweitens die Sazka Gruppe, Inhaber des tschechischen Lotteriemonopols und zudem größter Anteilseigner an Casinos Austria AG. Und drittens die frisch-privatisierte französische FDJ, die erst kürzlich als Volksaktie an der Börse eingestiegen ist.

Der jetzige Betreiber Camelot gehört im Übrigen einem kanadischen Pensionsfund an, weshalb er für diverse Branchenexperten als eher suboptimaler Verwalter der National Lotterie gilt. In der Vergangenheit kam es an dieser Stelle immer wieder zu kritischen Äußerungen in Bezug auf Camelots Geschäftsmodelle.

Wiederholt wurde dem Unternehmen unzureichende Transparenz vorgeworfen. Konkret sollen vermehrt Gelder, die eigentlich dem Wohl der Allgemeinheit zugutekommen sollten, nach Kanada transferiert. 2018 wurde Camelot von der UKGC aufgrund von ähnlichen Unzulänglichkeiten zu einer Bußgeldzahlung von 1,15 Mio. GBP (~ 1,3 Mio. EUR) verurteilt.

Commission sucht Vielfalt

Die Frage, wer neuer National Lotterie-Verwalter wird, beschäftigt die UKGC schon seit November 2018. Damals hatte CEO Neil McArthur bekundet, eine möglichst breite Auswahl unterschiedlicher Betreiber anzusprechen. Aufgrund der sich schnell wandelnden Branche, wolle man sehen, „was möglich ist“ und das Netz „soweit wie möglich auswerfen“. Großes Interesse zeigten folglich der auf Gibraltar-lizenzierte Anbieter Lottoland, die in Las Vegas ansässige Scientific Games Corporation, der englische Health Lottery-Betreiber Northern sowie die Shell Group. Eine kunterbunte Palette wird von UKGC nach wie vor befürwortet.

Robuste Umsatzzahlen bei Camelot

Bei aller Kritik sprechen die Umsatzzahlen von Camelot für ein Weiterbestehen als Lotteriebetreiber. Allein 2018 präsentierte das Unternehmen eine Umsatzsteigerung von 5,4 Prozent gemessen am Vorjahr. Der Gesamtumsatz stieg damit auf 3,5 Mrd. GBP (~ 4 Mrd. EUR). Eine „starke Performance“, lautete das selbstbewusste Statement eines Unternehmenssprechers.

Während der Einzelhandel immer noch 75 Prozent aller Camelot-Verkäufe ausmacht, wuchs der Umsatz im Digitalbereich auf 831,4 Mio. GBP (~ 935 Mio. EUR). Konkret sind die Umsätze im Bereich Smartphone um 30 Prozent auf 431,6 Millionen GBP (~ 484 Mio. EUR) gestiegen. Summa summarum generierte die Digital-Sparte bei Camelot inzwischen etwa 50 Prozent der Gesamteinnahmen, was somit einen Unternehmensrekord für 2018 markierte.

Die beachtlichen Zuwachsraten waren vor allem auf das „breite Angebot an Spielen und die Einführung einer mobilen App für Android-Geräte“ zurückzuführen. Vorstandsvorsitzender Nigel Railton betonte im Rahmen der Bekanntgabe, dass ein Rückgang der Ziehungsverkäufe per Los zu erkennen sei, weshalb gerade im Onlinebereich „unbedingt weitere Anstrengungen unternommen werden“ müssten. In diesem Sinne wird sich Camelot auch ein weiteres Mal auf die Lizenz der National Lotterie bewerben. Wer am Ende das Rennen machen wird, bleibt abzuwarten.

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