Norsk Tipping drohen Beschränkungen

Norwegen gehört zu den letzten Ländern Europas, die noch an einem staatlichen Glücksspielmonopol festhalten. Zugleich geht das Land massiv gegen ausländischen Online Glücksspielfirmen vor, deren Werbung ab Januar 2021 komplett unterbunden wird. Doch auch die staatlichen Betreiber Norsk Tipping und Norsk Rikstoto müssen im kommenden Jahr mit drastischen Beschränkungen rechnen. Wie sehen die Pläne des Gesetzgebers aus?

Eine Spielerin vor einem herkömmlichen Spielautomaten.

Anfang Dezember führte Norsk Tipping neue Verlustlimits ein und verlängerte obligatorische Spielpausen. ©AidanHowe/Pixabay

Werbung wird auf Minimum reduziert

Das kontroversdiskutierte Glücksspielmonopol Norwegens wird ab 2021 im Bereich des Marketings eingeschränkt. Im Zuge der Überarbeitung der Werbevorschriften für Offshore-Anbieter plant das Kulturministerium auch die Richtlinien für Norsk Tipping und Norsk Rikstoto zu verschärfen. Die Reklamen sollen auf das Nötigste begrenzt werden, um Kunden von nicht-lizenzierten privaten Anbietern abzuziehen und in den legalen Markt zu lenken.

Die neuen Richtlinien sehen unter anderem vor, dass der Einsatz von Hilfsmitteln bei der Vermarktung von Lotterie- und Gewinnspielen, deren Erlöse oft für gute Zwecke eingesetzt werden, abgeschwächt wird. Parallel werden die Anforderungen für verantwortungsvolles Marketing erhöht, wobei jede Art von Werbung ab Januar Kontaktinformationen für einen Glücksspiel-Helpline-Service enthalten muss.

Die Einführung des neuen Instruments ist Teil der norwegischen Präventivarbeit gegen Glücksspielprobleme. Die Regierung erklärte, dass die Entscheidung auf eine Studie der Universität Bergen zurückzuführen ist, welche das Ausmaß von Glücksspiel- und Computerspielproblemen in Norwegen im Jahr 2019 untersuchte. Demnach sei eine Zunahme von Problemen im Vergleich zu 2015 festzustellen, größtenteils verursacht durch den Einfluss von Werbung.

Mit drastischen Werbeverboten und Zahlungssperren geht Norwegen immer stringenter gegen Glücksspielbetreiber vor. Laut Aussagen von Abid Raja, Minister für Kultur, sei die Lage ernst, da problematische Spielweisen zunehmen würden. Die Unterbindung von TV-Werbung für ausländische Anbieter sei eine wichtige Maßnahme. Ebenso sei es notwendig, die Richtlinien für Norsk Tipping zu verschärfen, um den Trend umzukehren. Die Bekanntgabe der Pläne erfolgte unmittelbar nachdem Norsk Tipping eine Reihe von temporären Maßnahmen einführte, welche das übermäßige Spielen während der Coronakrise unterbinden sollen.

Neue Richtlinien durch Coronakrise

Anfang des Monats, kurz vor dem Abschluss eines Deals mit Playtech, erklärte Norsk Tipping, seine monatlichen Verlustlimits bei Spielen mit hohem Risiko um 25 Prozent zu senken. Die vorübergehenden Maßnahmen sollen den gesamten Dezember und Januar hindurch gelten. Außerdem dürfen Kunden beim Spielen im KongKasino, eFlax, Bingoria und Yezz monatlich nur noch bis zu 7.500 NOK (~ 637 Euro) verlieren.

Das tägliche Verlustlimit wurden an dieser Stelle sogar um 50 Prozent reduziert. Darüber hinaus hat Norsk Tipping die obligatorischen Pausenzeiten erhöht, welche die Spieler nach einer Stunde des ununterbrochenen Spielens einlegen müssen. Die Pausen lagen ursprünglich bei 90 Sekunden, nun werden 15 Minuten vorgeschrieben.

Zu den weiteren Maßnahmen gehört die Entfernung des Beliebtheits-Etiketts auf einigen Online Casinospielen, obendrein hat Norsk Tipping den Versand von Marketing-E-Mails an Kunden zwischen 18 und 25 Jahren eingestellt. Im Januar will das Unternehmen die Maßnahmen evaluieren und entscheiden, ob diese fortgesetzt werden. Laut Norsk Tipping-Chef Åsne Havnelid sei vor allem der Dezember ein Risikomonat. Die Probleme würden innerhalb dieses Monats erheblich zunehmen. Außerdem würde in der Coronakrise sowieso mehr gespielt, da die Menschen mehr Zeit alleine verbringen.

Zur gleichen Zeit kündigte die norwegische Regierung an, zusätzliche 15 Millionen NOK für die Bekämpfung problematischer Spielweisen bereitzustellen. Im Vorfeld war ein Gesetz verabschiedet worden, welches das bestehende Lotteriegesetz, das Glücksspielgesetz sowie das Totalisatorgesetz vereinheitlicht, wodurch die Monopole von Norsk Tipping und Norsk Rikstoto weiter bestärkt werden.

NBO fordert Umdenken

Die norwegische Regulierung wird seit längerem vonseiten des Branchenverbandes für Online Glücksspiele, NBO (Norsk Bransjeforening for Onlinespill), kritisiert. Laut NBO zähle das Land zu den letzten in Europa, die ein derart veraltetes Regulierungsmodell aufrechterhalten. Dies gehe zulasten des Verbraucherschutzes, der Anstieg problematischer Spielweisen sei auf politisches Versagen zurückzuführen.

Gefordert wird stattdessen, den Markt für ausländische Anbieter zu öffnen, Lizenzen zu vergeben und von drastischen Werbeverboten und Zahlungssperren abzusehen. Eine erfolgreiche Kanalisierung in den legalen Markt könne es nur geben, wenn seriöse Anbieter auf ihre Produkte aufmerksam machen dürfen und diese konkurrenzfähig sind. Auf dem Schwarzmarkt würde der Spielerschutz hingegen wenig Bedeutung haben.

Diese Ansicht teilte zuletzt auch der schwedische Marktriese LeoVegas, der sich dem NBO im August anschloss. Inzwischen zählen auch die renommierten Branchengrößen Betsson Group, ComeOn, Kindred Group und GiG dazu. In Zukunft wolle man sich gemeinsam für eine Liberalisierung des norwegischen Marktes stark machen und das Monopol von Norsk Tipping kippen. Die norwegische Regierung nahm zu der Kritik bislang keine Stellung.

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