BRD: Neue Lizenzen für Sportwetten

Nach einigen Verzögerungen kommt wieder Bewegung in das Lizenzverfahren für deutsche Sportwetten – das Regierungspräsidium Darmstadt (Hessen) hat die Vergabe an seriöse Wettanbieter fortgesetzt. Inzwischen liegt die Anzahl der Lizenznehmer bei 23, jüngst kamen die Marken Betkick und Betago dazu. Parallel übt der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) Kritik: Der Prozess würde sich zu lange hinziehen. Was steckt hinter dem Vorwurf?

Jubelnde Fans in der Commerzbank Arena von Eintracht Frankfurt.

Die Umsätze zeigen: Sportwetten in Deutschland sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. ©Valentin B. Kremer/Unsplash

Langsame Fortschritte am deutschen Wettmarkt

Im Oktober 2020 wurden die ersten deutschen Wettlizenzen nach Standards des neuen GlüStV vergeben. Neben Online Sportwetten sieht das Gesetz ab Juli die Legalisierung von Online Casinos und Online Poker vor. Die Anzahl der Lizenznehmer für Sportwetten ist inzwischen von 15 auf 23 gestiegen. 33 weitere Bewerbungen stehen zurzeit noch aus.

Die neusten Anbieter am deutschen Markt heißen Betkick und Betago. Der österreichische Betreiber Betkick wurde ursprünglich in Österreich gegründet und befindet sich seit 2018 im Besitz von Stoiximan, einem griechischen Anbieter, der wiederum zu Kaizen Gaming gehört. Die Lizenz von Betkick gilt für Online Sportwetten, während sich das Malta lizenzierte Unternehmen Betago sowohl eine Online- als auch eine Einzelhandelslizenz gesichert hat.

Von den 23 vergebenen Lizenzen – neben Betkick und Betago sind bet-at-home, IBA Entertainment, Interwetten, NetXBetting, Tipster und Trinity Bet dazugekommen – decken 22 den Bereich Online Sportwetten ab. Das staatliche Unternehmen Oddset ist bisher der einzige Lizenznehmer, der keine Onlinelizenz beantragt hat. Weitere zehn Betreiber, darunter die österreichische Novomatic und die deutsche Gauselmann Gruppe, haben sich neben Oddset auch Einzelhandelslizenzen gesichert.

Die Zunahme der Wettlizenzen ist ein Fortschritt für das künftig regulierte Online Glücksspiel in Deutschland. Allerdings bleibt die Zahl der Genehmigungen weit hinter der Zahl der Antragsteller zurück – 33 weitere Anträge sind noch offen. Laut Aussagen des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt hätten weitere 20 Firmen signalisiert, sich zu bewerben. Unterbrochen wurde das Verfahren durch eine Klage des österreichischen Betreibers Vierklee. Die Firma erklärte, dass der Prozess nicht fair und transparent durchgeführt werde. Die Klage wurde später zurückgezogen.

Kritik vom Deutschen Sportwettenverband

Der Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV) Mathias Dahms hat die nur langsam vorangehende Lizenzvergabe scharf kritisiert: Eine jahrelange politische und rechtliche Hängepartie würde zunehmend ins Stocken geraten. Durch die am 15. Oktober erlassenen Übergangsregeln erlebe man eine Wettbewerbsverzerrung in hohem Ausmaß. Die Nachteile würden vor allem die lizenzierten Unternehmen treffen, für die strenge Vorgaben gelten.

Da das Verfahren zu lange dauert, würden sich immer mehr nicht-lizenzierte Anbieter am Markt ansammeln, die die Regeln des GlüStV nicht einhalten. Diese könnten, ungebunden von gesetzlichen Vorgaben, bessere Konditionen als die Lizenznehmer bieten. Momentan sei daher eine massive Abwanderung der Kundschaft in den Schwarzmarkt zu beobachten. Laut Umfragen unter den DSWV-Mitgliedern läge der Kundenrückgang bei durchschnittlich 54 Prozent.

Darüber hinaus bezeichnete der DSWV-Präsident das zuständige Gremium in Darmstadt als zerstritten. Das Antragsverfahren würde seit Monaten unnötig in der Schwebe gehalten, außerdem würden keine weiteren Entscheidungen gefällt. In einem dringenden Appell forderte Dahms das Gremium dazu auf, alle noch offenen Lizenzanträge unverzüglich zu bearbeiten. Die Leidtragenden dürften nicht die lizenzierten Anbieter sein, so das Kredo.

Im selben Atemzug verkündete der DSWV einen 20-prozentigen Verlust bei Sportwetten im Jahr 2020, verursacht durch die Coronakrise. Nicht nur die Aussetzung des Spitzensports, sondern auch die Schließungen der Wettbüros haben zu Einbußen geführt. Keineswegs sei die Glücksspielbranche daher ein Profiteur der Krise, so Dahms, der die Berichterstattungen diesbezüglich als unwahr deklarierte. Mindestens 25.000 Mitarbeiter der Branche würden derweil um ihre berufliche Existenz bangen. Erst seit den zahlreichen Nachholspielen im Spätsommer hätten sich die Umsätze langsam wieder erholt.

Chancen der deutschen Glücksspielreform

Die Legalisierung des boomenden Online Glücksspiels birgt für Deutschland viele wirtschaftliche und soziale Chancen. Experten rechnen mit besseren Kontrollmöglichkeiten, mehr Arbeitsplätzen und hohen Steuereinnahmen. Die Finanzministerien der Bundesrepublik rechnen derweil damit, dass der Sektor zusätzliche Einnahmen von etwa 1,365 Milliarden Euro generieren wird. Dieser Wert basiert auf den Umsätzen, die der Markt im Jahr 2018 erzielte.

Was Sportwetten angeht, so ist der Bereich längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Im Jahr 2019 wurden Rekorde am deutschen Wettmarkt erzielt. Die Spieleinsätze lagen bei 9,3 Milliarden Euro. 90 Prozent der Wetten wurden auf Fußballspiele abgeschlossen. Der Staat kassierte im Umkehrschluss rund 500 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen, bei einem Steuersatz von fünf Prozent auf die Bruttospieleinsätze.

Steuerdebatte ist die nächste Hürde

Unterdessen planen die Landesregierungen eine Einsatzsteuer von 8 Prozent auf Spielautomaten zu erheben, was für allerhand Furore sorgt. Auf den regulierten Märkten Europas ist es üblich die Bruttospielerträge zu besteuern und nicht die Spieleinsätze. Die Universitäten von Bochum und Düsseldorf haben bereits vor dem Modell gewarnt, da die lizenzierten Online Casinos hierdurch dazu gezwungen wären, ihre Auszahlungsquoten herabzusetzen.

Neben den Universitäten kritisierte auch DSWV-Präsident Dahms, dass die Online Casinos unter dieser Steuerlast unmöglich gegen die nicht-lizenzierte Konkurrenz bestehen können. Das oberste Ziel des GlüStV, die Kanalisierung der Kundschaft in den legalen Markt, würde gefährdet, da die lizenzierten Angebote nicht mehr attraktiv genug seien. Die Entwicklungen bleiben in dieser Sache vorerst abzuwarten.

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