Erste deutsche Wettlizenzen vergeben

Im Zuge der Regulation des deutschen Online Glücksspiels hat das Regierungspräsidium Darmstadt (Hessen) die ersten 15 deutschen Sportwettlizenzen vergeben. Zu den Unternehmen, die fortan am Markt aktiv sein dürfen, gehören GVC, Tipwin und Gauselmann. Es gelten allerdings die strengen Regeln des Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrags (GlüNeuRStV), welcher ab Juli 2021 in Kraft tritt. Vonseiten der Branche und Politik wurde die Vergabe als Durchbruch begrüßt.

Das Spielfeld und die Ränge des Berliner Olympiastadions.

2019 erzielte der deutsche Sportwettmarkt bereits Rekordumsätze von 9,3 Mrd. Euro. ©3093594/Pixabay

Bundesweite Lizenzen mit sofortiger Wirkung

Erst vor einer Woche hatten die Staatskanzleien der BRD eine Reihe von Übergangsregeln beschlossen, die einen weichen Übergang in die neue Glücksspielgesetzgebung gewährleisten sollen. Im Sinne des GlüNeuRStV hat das Bundesland Hessen nun erste Wettlizenzen mit sofortiger Wirkung vergeben. Zu den Empfängern zählen unter anderem der Glücksspielkonzern GVC (UK), die Gauselmann-Marke Cashpoint und der Online Buchmacher Tipwin (Malta).

Fortan ist es den Unternehmen erlaubt, Sportwetten bundesweit, zum Beispiel auf Bundesligaspiele oder die Formel 1 anzubieten. Dies sowohl in Wettbüros als auch im Internet. Hessen wurde im Vorfeld von den deutschen Staatskanzleien zur Vergabe von Online Sportwettlizenzen ermächtigt. Anders als in den Bereichen Online Casino und Poker befinden sich die Wettanbieter allerdings schon seit 2019 in einer Duldungsphase.

Wie im Juli von den Staatskanzleien gefordert wurde die Duldungsphase nun auch auf seriöse Online Casino- und Online Pokeranbieter ausgeweitet. Ein Beschluss der 16 Ministerpräsidenten sieht vor, dass diejenigen Betreiber, die sich schon jetzt an die künftigen Regeln halten, ihre Produkte ab 15. Oktober bundesweit anbieten dürfen. Eine strafrechtliche Verfolgung bleibt aus, sofern Spielschutzvorgaben wie Einsatzlimits eingehalten werden. Zudem gilt ein Verbot von Live-Wetten und Tischspielen.

Gauselmann und Co. begrüßen Lizenzerhalt

Trotz der strengen Vorgaben wurde der Lizenzerhalt von den besagten Unternehmen als Durchbruch begrüßt. Der GVC-Geschäftsführer Shay Segev sprach von einer großartigen Nachricht, die dem Unternehmen Klarheit und Sicherheit geben würde. Schon seit längerem habe sich GVC für die deutsche Glücksspielreform eingesetzt. Ende August hatte der Konzern den deutschen Staatskanzleien sogar einen eigenen Korpus an möglichen Übergangsregeln vorgelegt.

Auch der Merkur-Inhaber und deutsche Glücksspielmarktführer Gauselmann meldete sich Wort, man freue sich darüber zu den ersten Anbietern mit offizieller Genehmigung zu gehören. Nach vielen Jahren in einem Regulationsmarathon blicke man nun auf einen zukunftsträchtigen Markt mit einheitlichen Regeln. Dies käme vor allem dem Verbraucher- und Spielerschutz zugute, endlich würden die Gesetzgeber und Politiker zwischen illegalen und legalen Anbietern unterscheiden.

Um den deutschen Markt ins Visier zu nehmen, hatte Gauselmann erst kürzlich eine Partnerschaft mit Eyas Gaming begründet. Wie auch die Marke Cashpoint sitzt das Unternehmen zurzeit auf Malta. Laut Aussagen des Geschäftsführers Paul Gauselmann stehe eine aufregende Zeit bevor, man wolle sich schnellstmöglich um eine Online Casinolizenz bewerben. Sowohl die Merkur Online Spielautomaten aus der Blueprint-Serie als auch die Spiele der Edict-Abteilung sollen in Deutschland angeboten werden.

Der Online Buchmacher Tipwin wies indessen darauf hin, bereits seit 2014 alle künftigen deutschen Lizenzbedingungen erfüllt zu haben. Geschäftsführer Ivica Batinic erklärte, darüber erleichtert zu sein, dass die langjährige Rechtsunsicherheit in Deutschland beendet sei. Der Erhalt der Lizenz verspreche großartige Chancen für alle Beteiligten, inklusive aller Spieler, Politiker und Behörden.

Zuspruch vonseiten des Innenministers

Auch der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) hat die Vergabe der ersten Sportwettlizenzen als Durchbruch begrüßt, die jahrelange Unsicherheit sei beendet. Der 52-jährigen Politiker erklärte, mit den Lizenzen eine erfolgreiche Kanalisierung in den legalen Markt anzustreben. Ziel sei nicht, dass möglichst viele Menschen Wettscheine ausfüllen, sondern dass die Kunden in einem staatlich regulierten Umfeld spielen. Man wolle daher schnell mit dem Lizenzierungsprozess fortfahren.

46 Unternehmen hatten sich um Lizenzen beworben, 15 wurden bisher vergeben. Zu den Unternehmen, die künftig am deutschen Markt agieren dürfen, zählen (neben Gauselmanns Cashpoint und Tipwin) die vier GVC-Marken Ladbrokes, Sportingbet, bwin und Gamebookers. Dazu kommen Novomatics Admiral Sportwetten sowie Tipico und Bet365. Playtechs deutschsprachige Sportwettmarke HPYBET und BetVictor gehören ebenfalls dazu, ebenso wie I.B.C. Sportwetten, Greenvest Betting, Jaxx und Tipin.

DSWV rückt Mitglieder in den Fokus

Natürlich meldete sich auch der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) zu Wort und begrüßte die ersten deutschen Lizenznehmer und -bewerber, zu denen auch etliche Mitgliedsunternehmen zählen. Präsident Mathias Dahms sprach von einem historischen Schritt, mit dem viele rechtliche Kontroversen aufgehoben würden. Durch wiederholte Verfahrensfehler zwischen den Bundesländern sei die Lizenzvergabe bis zuletzt immer wieder gescheitert. 

Laut Dahms sei die Sportwette längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Allein 2019 wurden Wetteinsätze von rund 9,3 Mrd. Euro platziert. Der Staat kassierte im Umkehrschluss zusätzliche Steuereinnahmen von rund 500 Mio. Euro. Neben besseren Kontrollmöglichkeiten bietet die einheitliche Regulierung von Sportwetten und Online Glücksspielen auch viele wirtschaftliche Vorteile. Es bleibt abzuwarten, welche Betreiber weitere Lizenzen erhalten werden.

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