Neue Glücksspielbehörde in Frankreich

Die französische Regierung hat ihre Pläne zur Etablierung einer neuen Glücksspielbehörde konkretisiert, bereits ab Frühjahr soll die neue Instanz ihre Arbeit aufnehmen. Unter dem Titel ANJ (L’autorité nationale des jeux) tritt die neue Behörde damit in die Fußstapfen der ehemaligen Regulierungsbehörde ARJEL (L’Autorité de régulation des jeux en ligne). Mit welchen Neuerungen ist zu rechnen?

Ein Smartphone zeigt verschiedene Social-Media-Apps.

Ganz oben auf der ANJ-Agenda steht der Spielerschutz im digitalen Zeitalter. ©MagnusMueller/Pexels

Erfassung aller Marktaktivitäten

Seit Oktober 2019 steht die Eröffnung einer neuen Glücksspielaufsichtsbehörde auf der Agenda der französischen Regierung. Jetzt haben die Verantwortlichen ihre Pläne konkretisiert, die Behörde soll schon im Frühjahr die Pforten öffnen. Unter dem Dach der neuen ANJ sollen erstmals sämtliche Bereiche des legalen Glücksspiels erfasst werden. Bisher wurde die Beaufsichtigung der einzelnen Vertikalen auf unterschiedliche Behörden und Ministerien verteilt.

Die Glücksspielbehörde ARJEL kontrollierte das legale Online Glücksspiel, während die Staatskammer den landbasierten Glücksspielsektor, das heißt, Casinos, Spielhallen, Lottospiele und Rubbellose überwachte. Zudem unterstand dem Landschaftsministerium die Sparte Pferdewetten. Mit Ausnahme der staatlichen Spielbanken, wird der gesamte Markt zukünftig von der ANJ kontrolliert. Die Rede ist von einem „kombinierten Regelwerk“. In einem Statement des Ministerrats heißt es:

“Die nationale Glücksspielbehörde ANJ wird zum Hauptakteur bei der Regulierung des Glücksspiels in Frankreich werden. Diese neue unabhängige Verwaltungsbehörde wird mit verstärkten Befugnissen in einem viel breiteren Kompetenzbereich ausgestattet sein.”

Die Pläne zur Eröffnung der ANJ stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Privatisierung der französischen Nationallotterie. Mit großem Erfolg ist die FDJ (Française des Jeux) Ende letzten November als Volksaktie an der Börse eingestiegen. Der Kurs schoss um mehr als 15 Prozent in die Höhe. Gleichsam war der Börsengang der Startschuss für eine grundlegende Reform des nationalen Glücksspielmarktes.

Spielerschutz im Fokus

Die Leitung der neuen Behörde wird Isabelle Falque-Pierrotin übernehmen. Die Staatsrätin und Ex-Präsidentin der Nationalen Kommission für Informationstechnologie und Bürgerrechte (CNIL) hat ihre Tätigkeit bereits aufgenommen. Erste Aufgaben, die bisher ARJEL unterstanden, wurden bearbeitet, wobei vor allem der Spielerschutz im Vordergrund stand. Mit Blick auf die künftigen Pflichten der Politikerin heißt es in einer offiziellen Bekanntgabe:

“Die Behörde wird sich darum kümmern müssen, Jugendschutz zu garantieren, Spielsucht sowie betrügerischen und kriminellen Aktivitäten vorzubeugen, gegen Geldwäsche vorzugehen und für ein wirtschaftliches Gleichgewicht zwischen den einzelnen Sektoren des Glücksspiels zu sorgen.”

Ein bedeutsamer Aspekt des Spielerschutzes ist die Eindämmung von offensiver Glücksspielwerbung, was sich insbesondere auf den Sportwettmarkt bezieht. Ab Frühjahr wird die ANJ in diesem Zusammenhang mit der Ausstellung von Lizenzen betraut. Die Aufsichtsbefugnisse sollen gestärkt werden, so soll die Behörde dazu in der Lage sein, einem „Betreiber die Aussetzung jeglicher kommerzieller Kommunikation, die zu übermäßigem Spiel auffordert, vorzuschreiben“.

Auch im Casinosektor wird sich die ANJ vor allem auf den „Kampf gegen übermäßiges Glücksspiel konzentrieren“. An dieser Stelle wolle man eng mit dem Innenministerium zusammenarbeiten. Aufgrund des letztjährigen Regulierungschaos, verursacht durch zu viele beteiligte Instanzen, sei diese Sparte in der Vergangenheit häufig „zu kurz“ gekommen.

Digitalisierung des Marktes

Vorrangiges Ziel der Reformen am französischen Glücksspielmarkt ist die Anpassung an das digitale Zeitalter. Dies zeigt sich vor allem an der Entwicklung der französischen Nationallotterie FDJ. Um die digitale Transformation von FDJ voranzutreiben wurde eigens ein Fonds über 500 Mio. Euro für etwaige Investitionen in digitale Umstrukturierungen bereitgestellt.

Ein bereits 2015 präsentierter Strategieplan namens „FDJ 2020“ sieht vor, die Digitalisierung des Portfolios „Stück für Stück“ umzusetzen. Bislang wurden über 400 Mio. Euro in die Maßnahmen investiert. Zudem wurde eine Überarbeitung der hauseigenen Homepage FDJ.fr vorgenommen. Darüber hinaus wurden Investitionen in Innovationsfonds wie Partech Partners, Raise Investment, Level Up und Trust-E-Sport getätigt.

Im Jahr 2018 wurde das digitale Wachstum des Unternehmens bereits maßgeblich durch die Einführung einer neuen Mobile-App unter dem Titel „Mission Patrimoine“ gefördert. Spieler können über die Anwendungen auf sämtliche Draw- und Instant-Spiele der FDJ zugreifen. Die digitalen Instant-Game-Einsätze stiegen folglich um 3,2 Prozent und kletterten damit auf 7,7 Mrd. Euro.

Fiskus profitiert von Steuereinnahmen

Im vierten Quartal 2018 konnte der Anbieter bereits einen 15,8 Mrd. Euro-Umsatz durch Online-Verkäufe erzielen. Gemessen am Vorjahr markiert dies einen Anstieg der Einnahmen von satten 45,5 Prozent (2,4 Mrd. Euro). Schon jetzt generiert das digitale Geschäft damit über 15 Prozent der Gesamtumsätze am französischen Glücksspielmarkt. Die Zielsetzung für 2020 sieht vor, dass mindestens 20 Prozent der Umsätze über den Onlinemarkt eingefahren werden.

Die Privatisierung und Digitalisierung von FDJ sowie auch die Einführung der neuen Glücksspielbehörde wurden maßgeblich von Finanzminister Bruno Le Maire und Präsident Emmanuel Macron vorangetrieben. Der Staat soll von dem boomenden Online Glücksspielmarkt profitieren. Allein durch die Einnahmen der Lotterie könne der französische Fiskus mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von rund 2 Mrd. Euro rechnen. Die weiteren Entwicklungen bleiben abzuwarten.

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