Football Index zahlt Guthaben aus

Nachdem die britische Sportwettplattform Football Index im März überraschend Insolvenz angemeldet hatte, sprach die Abgeordnetengruppe APPG (All-Party Parliamentary Group) von einem Skandal und leitete eine Untersuchung ein. Das Ergebnis: Die Betreiberfirma BetIndex muss umgerechnet 5,1 Millionen Euro an die Spieler zurückzahlen. Jetzt hat das Unternehmen auf seiner Webseite bekanntgegeben, dass ab sofort wieder Guthaben von den Accounts abgebucht werden können. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Die leeren Ränge eines Fußballstadions.

Etliche Tipper hatten durch die Insolvenz unerwartet Tausende Pfund verloren. ©ViennaReyes/Unsplash

Auszahlungen binnen 10 Werktage

Die plötzliche Insolvenz von Football Index hatte in ganz Großbritannien für Aufsehen gesorgt. Kurz vor der Pleite war die Fußballbörse noch offensiv beworben worden. Der Bankrott führte unmittelbar zu einer Untersuchung, veranlasst durch die APPG, einer parteiübergreifende Abgeordnetengruppe, die sich in UK mit den Risiken und Schäden von Glücksspielaktivitäten befasst.

Nach einem ersten Urteil im Mai – die Dachgesellschaft BetIndex muss umgerechnet 5,1 Millionen Euro an die Spieler zurückzahlen – kommt nun weitere Bewegung in den Fall. Die Entwicklungen verlaufen dabei weiterhin zugunsten der Spieler: Seit neuestem ist bekannt, dass Football Index wieder Guthaben auszahlt. Laut einer Meldung auf der Webseite können die Kunden wieder auf ihre Accounts zugreifen, um sich ihre Guthaben auszahlen zu lassen.

Der Prozess zum Abheben von Geldern habe sich nicht geändert. Kunden müssten sich lediglich einloggen und zum Kontobereich gehen. Dort könne ausgewählt werden, ob Gelder abgebucht werden sollen. Die Dauer der Auszahlung beträgt zwischen 2 und 10 Werktagen. Sollten zusätzliche Infos benötigt werden, meldet sich der Kundenservice. Es wird ferner darauf hingewiesen, dass die Lizenz zum Betrieb von Football Index weiterhin erloschen ist.

Die Plattform Football Index war dem Börsenhandel ähnlich: Spieler hatten die Möglichkeit, Anteile zu erwerben und sowohl auf die zukünftigen Leistungen von Fußballspielern als auch auf die Entwicklung der Plattform selbst zu wetten. Zuletzt hatten die Spieler über 90 Millionen Pfund in das Unternehmen investiert. Dies aufgrund des offensiven Marketings von Inhaber Adam Cole, der sein Vermögen einst mit dem ersten VHS-Porno-Unternehmen der Welt generierte. Cole hatte die Spieler immer wieder dazu aufgefordert, ihre Kreditkarten voll auszuschöpfen, um maximale Renditen zu kassieren. Dies sorgte dafür, dass Football Index regelmäßig in Konflikten mit der britischen Werbeaufsicht (ASA) stand.

Alles zu den Hintergründen der Pleite

Aufgrund der im Vorfeld geschalteten offensiven Reklamen verbreitete sich die Meldung über den Bankrott von Football Index in UK wie ein Lauffeuer. Kurz vor der Insolvenz hatte Adam Coles Fußballbörse plötzlich signifikante Verluste gemeldet. Diese sollten mit einer Senkung der Dividenden um bis zu 82 Prozent und massiver Neukundenwerbung behoben werden. Die Glücksspiellizenz wurde direkt danach entzogen.

Sofort schaltete sich die APPG ein, sprach gegenüber BBC von einem Skandal und erhob harte Vorwürfe gegen die UKGC (UK Gambling Commission), welche Football Index nicht hinreichend reguliert haben soll. Die APPG-Vorsitzende Carolyn Harris verfasste einen Brief an Kulturminister Oliver Dowden und untermauerte die Notwendigkeit einer Reform des Glücksspielgesetzes in Großbritannien.

Folglich stellte die APPG die Verluste der Spieler ins Zentrum der Untersuchung. Jeder Spieler habe durchschnittlich 3.000 Pfund verloren. Dies aufgrund von Fahrlässigkeit, denn die Glücksspielkommission habe Football Index nicht überwacht. Die Pleite werfe erhebliche Fragen in Bezug auf die Arbeitsweise der Regulierungsbehörde auf. Ein Ombudsmann musste folglich zwischen den Lagern vermitteln.

In der Zwischenzeit hatte eine Gruppe von Spielern die Anwaltskanzlei Leigh Day kontaktiert, um im Namen Tausender Spieler alle rechtlichen Schritte in Bezug auf potenzielle Schadensersatzforderungen überprüfen zu lassen. Die Untersuchungen derweil auch gegen die UKGC. Die Arbeitsweise der Glücksspielkommission würde nun auf den Prüfstand gestellt, hieß es von Nichola Marshall, einer Partnerin von Leigh Day. Es müsse überprüft werden, was die UKGC von dem Geschäftsmodell der Fußballbörse verstanden hat und welche Rolle sie bei der Insolvenz gespielt hat.

Matt Zarb-Cousin von der Clean Up Gambling-Kampagne, die zurzeit mit enttäuschten Football Index-Kunden und Leigh Day zusammenarbeitet, ergänzte, dass Football Index auf eine völlig inakzeptable Weise geführt wurde. Das Unternehmen habe sich in einer Situation befunden, in der Neukunden notwendig waren, um die Dividenden an bestehende Kunden auszuzahlen. Von einem lizenzierten Betreiber sei dies normalerweise nicht zu erwarten.

Spieler beklagen vierstellige Verluste

Erste Beschlüsse wurden im Rahmen des Insolvenzverfahren getroffen: Auf dem Konto von BetIndex befanden sich zuletzt 4,5 Millionen Pfund – die Haftung von BetIndex gegenüber Football Index beläuft sich auf 3,2 Millionen Pfund, sodass ein Überschuss von 1,3 Millionen Pfund verbleibt. Dieser soll nun unter den Kunden verteilt werden, die noch Guthaben auf ihren Konten haben oder deren Wetten noch aktiv sind.

Mehrere Spieler kontaktierten nach der Insolvenz BBC mit Berichten über ihre finanziellen Verluste und forderten Maßnahmen gegen das Unternehmen sowie die UKGC. So beklagte ein 22 Jahre alter Kunde namens Ben Verluste in Höhe von rund 6.500 Pfund. Ein weiterer Kunde, der 24-jährige Jack, erklärte, dass er sich vor allem von dem Börsenelement bei Football Index angesprochen gefühlt habe, nun habe er allerdings über 7.500 Pfund verloren.

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