BGC fordert Ombudsmann

Der britische Glücksspielverband BGC (Betting and Gaming Council) fordert von der Regierung die Einführung eines Ombudsmanns fürs Glücksspiel. Dieser soll sich um Kundenbeschwerden kümmern und gleichzeitig als Vermittler zwischen Industrie, Politik und Gesellschaft fungieren. Nicht zum ersten Mal wird in UK ein Ombudsmann für den Sektor gefordert. Kommt es im Rahmen der laufenden Reform zur Umsetzung?

Die Dächer von London am Abend.

Die Labour Party hatte bereits im Juni 2019 einen Ombudsmann fürs Glücksspiel gefordert. ©diego_torres/Pixabay

Ombudsmann: Ein weiterer Schritt nach vorne?

Der Glücksspielverband BGC hat erneut die Einführung eines Ombudsmannes für den britischen Glücksspielsektor gefordert. Diese solle sich vorwiegend mit Kundenbeschwerden befassen. Die Forderung steht in Verbindung mit der laufenden Überarbeitung des Gambling Acts von 2005. Laut BGC-Chef Michael Dugher wolle man durch einen Ombudsmann für eine weitere Erhöhung des Verbraucherschutzes eintreten.

Laut Dugher sollen alle lizenzierten Wett- und Glücksspielanbieter im Rahmen der Reform dazu verpflichtet werden, sich einer entsprechenden Instanz anzuschließen. Zur Aufgabe des Ombudsmanns würde auch die neutrale Vermittlung zwischen Industrie, Politik und Gesellschaft gehören. Man unterstütze die derzeitige Überarbeitung des Gambling Acts maßgeblich und hoffe, dass die Regierung der Forderung nach einem Ombudsmann nachkommen wird.

Wie Dugher weiter ausführte, würden alle Mitglieder des BGC – unter anderem William Hill, Betway, Flutter Entertainment, Playtech, Kindred, LeoVegas und Bet365 – die Notwendigkeit der Reform anerkennen. Ein Ombudsmann für Glücksspiele wäre ein weiterer Schritt nach vorne, so die Unternehmen. Auch das größte BGC-Mitglied, Flutter Entertainment, hat unlängst seine Unterstützung in der Angelegenheit bekundet. Die Branche und die Labour Party hatten bereits 2019 die Einführung eines Mittelsmanns gefordert.

Die Überprüfung des britischen Gambling Acts wird vom Ministerium für Digitales, Kultur, Medien und Sport (DCMS) vorangetrieben. Da das Gesetz seit 2005 nicht mehr modernisiert wurde, stellen sich Fragen in Bezug auf Werbung, Boni, Einsatzlimits, Tierschutz und anderweitige Verbraucherschutzmaßnahmen. Die Überprüfung umfasst laut DCMS drei Kernziele: Ersten eine Untersuchung der Frage, ob Änderungen an dem Gesetz notwendig sind. Zweitens die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen Verbraucherfreiheit und Schadensprävention. Und drittens eine Modernisierung des Spielerschutzes in landbasierten und digitalen Spielstätten.

Geplante Reformen des Gambling Acts

UK-lizenzierte Betreiber müssen mit härteren Beschränkungen angesichts einer neuen Gesetzeslage rechnen: Vorgesehen wird unter anderem eine Erhöhung des Mindestalters von 16 auf 18 bei Lotteriespielen. Zudem ist damit zu rechnen, dass bei Online Spielautomaten wie auch bei FOBT’s (Fixed-Odds-Betting-Terminals) eine 2-Euro-pro-Spin-Grenze gilt. Darüber hinaus wird geplant, die Spiele zu verlangsamen und mehr Pausen zwischen den Spielrunden einzubauen.

Ein weiterer Punkt, der seit Jahren Thema ist, ist ein verbesserter Tierschutz im Pferderennsport und bei Hunderennen. In Großbritannien ist der Reitsport stark mit dem Glücksspiel verknüpft, häufig stehen die Tiere unter hohem Leistungsdruck. Schon 2019 hatte die Labour Party in einer Erklärung einen stärkeren Tierschutz in der Rennbranche gefordert. Zum Beispiel ging es um ein Verbot der Peitsche bei Pferden.

Der wohl populärste Aspekt ist die Beschränkung von Glücksspielwerbung, die sich vor allem auf die Partnerschaften zwischen Wettanbietern und Sportvereinen beziehen wird: Wahrscheinlich ist ein Verbot von Trikotwerbung, die Diskussion dreht sich aber auch um ein generelles Sponsoring- und Werbeverbot. Außerdem laufen Untersuchungen über ein potenzielles Verbot von Lootboxen in Videospielen wie Fifa oder Star Wars: Battlefront II.

Das Thema Wettsponsoring steht ganz oben auf der Agenda der britischen Glücksspielreform. Ausgelöst wurde die Debatte 2018 durch einen Skandal: Auf den Juniorenseiten von 15 britischen Profifußballklubs waren Wettreklamen abrufbar. Folglich wurde das Thema in Großbritannien immer relevanter: Da inzwischen über 70 Prozent der Premier League-Vereine Wettpartner haben, hatten im April mehrere christliche Gruppen ein Wett-Werbeverbot gefordert. Um die Kampagne voranzutreiben, wurde sogar eine eigene Webseite gegründet.

Reform: Druck auf BGC und UKGC wächst

Mit der Überarbeitung des Gambling Acts wächst nicht nur der Druck auf das BGC, sondern auch auf die Regulierungsbehörde UKGC (UK Gambling Commission), welche einst aus dem bahnbrechenden Glückspielgesetz von 2005 hervorgegangen war. Die Instanz wird seit längerem von der APPG (All-Party Parliamentary Group) kritisiert. Die parteiübergreifende Abgeordnetengruppe hatte der Behörde mehrfach vorgeworfen, nicht stringent genug gegen Regelverstöße vorzugehen.

Für weiteres Öl im Feuer sorgte die kürzliche Insolvenz der Fußballbörse Football Index: Die Abgeordnetengruppe sprach gegenüber BBC von einem Skandal und leitete eine umfassende Untersuchung auch gegen die UKGC ein. Die Behörde soll das umstrittene Unternehmen von Adam Cole (70) nicht hinreichend kontrolliert und reguliert haben. Welche Rolle die UKGC bei dem Bankrott spielte ist jedoch noch nicht klar.

Dennoch war UKGC-Chef Neil McArthur kurz vor der Pleite zurückgetreten. Klar ist auch, dass durch den Bankrott viele Spieler Tausende Pfund verloren haben. Im Vorfeld hatte Cole das Unternehmen offensiv beworben, doch dann konnten Dividenden nicht mehr ausgezahlt werden. Es bleibt abzuwarten, welche Reformen tatsächlich umgesetzt werden und welche Rolle die UKGC in Zukunft spielen wird.

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