Football Index meldet Insolvenz an

Die im britischen Jersey stationierte Sportwettplattform Football Index ist Pleite und hat Insolvenz angemeldet. Die Abgeordnetengruppe APPG (All-Party Parliamentary Group) spricht von einem Skandal und fordert eine Untersuchung. In diesem Zusammenhang wird die Arbeitsweise der Glücksspielkommission scharf kritisiert. Hat der kürzliche Rücktritt des UKGC-Chefs Neil McArthur etwas mit dem Bankrott von Football Index zu tun?

Das Old Trafford von Manchester United im Flutlicht.

Hat die britische Glücksspielkommission (UKGC) Football Index nicht hinreichend kontrolliert? ©MulaMiszczu/Pixabay

Spieler fahren schwere Verluste ein

Die 2015 gegründete Sportwettplattform Football Index ist zusammengebrochen und hat Insolvenz angemeldet. Kurz zuvor hatte die Fußballbörse des Porno-Moguls Adam Cole (70) signifikante Verluste gemeldet, die mit einer Senkung der Dividendenausschüttung um 82 Prozent behoben werden sollten. Unmittelbar nach der Insolvenz wurde die Lizenz des Unternehmens entzogen, zudem cancelte der Glücksspielverband BGC die Mitgliedschaft der Firma.

Die Meldung des Bankrotts sorgte für einen Aufschrei der APPG, einer parteiübergreifenden Abgeordnetengruppe, die sich mit den Risiken und Schäden von Glücksspiel befasst. In einem Brief an Kulturminister Oliver Dowden spricht die Vorsitzende Carolyn Harris von einem Skandal. Die Hintergründe der Insolvenz sollten näher untersucht werden. Außerdem unterstreiche der Vorfall die Notwendigkeit einer Reform der Glücksspielgesetze.

Die APPG stellte die Verluste der Spieler ins Zentrum der Diskussion – diese hätten über 90 Millionen Pfund in das Unternehmen investiert. Teils aufgrund offensiver Reklamen, in denen die Fußballbörse als lukrative Investition beworben wurde. Jeder Spieler habe durchschnittlich 3.000 Pfund verloren, so die Abgeordneten, die der Plattform Football Index Fahrlässigkeit und der Glücksspielkommission unzureichende Kontrollen vorwarf.

Die Plattform Football Index ist dem Börsenhandel sehr ähnlich: Spielern wird es ermöglicht, Anteile zu erwerben und sowohl Wetten auf die zukünftigen Erfolge und Leistungen von Fußballspielern als auch auf die Plattform selbst zu platzieren. Inhaber Adam Cole, der sein Vermögen mit dem ersten VHS-Porno-Unternehmen der Welt generierte, hatte sein Geschäftsmodell regelmäßig offensiv beworben, in dem er die Spieler (u. a.) dazu aufforderte, ihre Kreditkarten voll auszuschöpfen, um maximale Renditen zu kassieren. Dies sorgte dafür, dass Football Index regelmäßig in Konflikten mit der britischen Werbeaufsicht stand.

Glücksspielkommission im Kreuzfeuer

Ferner hatte Cole seine Fußballbörse als eine Investition sicherer als die Finanzmärkte beschrieben. Vor diesem Hintergrund könne nur von einem Skandal gesprochen werden, so APPG-Chefin Harris. Die Pleite werfe erhebliche Fragen an die Glücksspielkommission auf, welche die Plattform lizenzierte und es versäumt habe, sie angemessen zu kontrollieren. Ein Ombudsmann für Glücksspiele müsse eingesetzt werden, um zwischen den Lagern zu vermitteln.

Unterdessen hat eine Gruppe von Spielern die Anwaltskanzlei Leigh Day kontaktiert, um im Namen Tausender Spieler alle rechtlichen Schritte in Bezug auf potenzielle Schadensersatzforderungen überprüfen zu lassen. Die Untersuchungen laufen sowohl gegen Football Index und die Muttergesellschaft BetIndex als auch gegen die UKGC.

Disput zwischen APPG und UKGC

Die Arbeitsweise der Glücksspielkommission werde nun auf den Prüfstand gestellt, hieß es von Nichola Marshall, einer Partnerin von Leigh Day. Es müsse untersucht werden, was die UKGC überhaupt von dem Geschäftsmodell bei Football Index verstanden hat und welche Rolle sie bei der Pleite spielte.

Matt Zarb-Cousin von der Clean Up Gambling-Kampagne, die ebenfalls mit enttäuschten Football Index-Kunden und Leigh Day zusammenarbeitet, fügte hinzu, dass die Geschäfte auf eine völlig inakzeptable Art und Weise geführt wurden. Football Index habe in einer Situation gesteckt, in der Neukunden nötig waren, um die Dividendenzahlungen an bestehende Kunden zu erfüllen. Dies würde man von einem lizenzierten Betreiber in einem regulierten Sektor nicht erwarten.

Die britische Glücksspielkommission musste sich schon mehrfach gegen schwere Vorwürfe der APPG wehren. In einem APPG-Bericht aus Juni 2020 wurde der Behörde erstmals die Kompetenz zur Überwachung des britischen Glücksspielsektors abgesprochen. Die Insolvenz von Football Index markiert nun einen nie dagewesenen Höhepunkt des Disputs. Brisant ist, dass UKGC-Chef Neil McArthur unmittelbar vor der Insolvenz seinen sofortigen Rücktritt erklärt hatte. Ob hier ein Zusammenhang besteht, ist bisher unklar. Zeitnah soll überprüft werden, ob McArthur von dem sich anbahnenden Skandal Kenntnis besessen hat.

Spieler enttäuscht und verärgert

Mehrere Spieler kontaktierten BBC mit Berichten über ihre finanziellen Verluste und forderten Maßnahmen gegen das Unternehmen sowie die zuständige Regulierungsbehörde. So beklagte ein 22 Jahre alter Nutzer namens Ben Verluste in Höhe von rund 6.500 Pfund. Er fühle sich peinlich berührt und betrogen, kommentierte er, der Absturz habe ihn psychisch stark beeinträchtigt.

Ein weiterer Nutzer, der 24-jährige Jack, erklärte, dass er sich vor allem von dem Börsenelement bei Football Index angesprochen gefühlt habe, nun habe er jedoch über 7.500 Pfund verloren. Er verdiene monatlich ein eher bescheidenes Gehalt im öffentlichen Dienst, weshalb 7.500 Pfund eine Menge Geld wären. Im Nachhinein sehe er viele Anzeichen dafür, dass es bei Football Index schon seit längerer Zeit bergab ging.

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