Crown für weitere Lizenz ungeeignet?

Die Geldwäsche-Untersuchungen gegen den australischen Casinoriesen Crown Resorts spitzen sich weiter zu. Nach 48 Sitzungen, in denen Zeugen und Führungskräfte verhört wurden, gelangen einige Politvertreter und Ermittler zu dem Schluss, dass Crown für eine weitere Casinolizenz ungeeignet ist. Der Betreiber plant die Eröffnung eines dritten Casinos in Barangaroo, Sydney, welches sich bereits in der Bauphase befindet. Hat das Etablissement noch Zukunft?

Die Skyline von Barangaroo, Sydney, am Abend.

Das Gebiet Barangaroo im Zentrum von Sydney, wo das dritte Crown Resort seine Pforten öffnen soll. ©EduardoFilgueiras/Unsplash

Ehemaliger ILGA-Leiter fordert Aussetzung

Der größte australische Glücksspielkonzern Crown Resorts gerät nach 48 Sitzungen und Verhören, durchgeführt von der zuständigen Glücksspielaufsichtsbehörde (Independent Liquor and Gaming Authority, ILGA) immer mehr unter Druck. Der ehemalige ILGA-Leiter, Chris Sidoti, der von 2008 bis 2016 den Vorsitz der Behörde innehatte, ist der Meinung, dass Crown für den Erhalt einer weiteren, nunmehr dritten Casinolizenz ungeeignet ist.

Zumindest sollte die Lizenz, so Sidoti, ausgesetzt werden, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Hintergrund sind kriminelle Infiltrationen durch einen chinesischen Junket Operator (Suncity) und Versäumnisse bei der Verhinderung von Geldwäsche im Crown Resorts Melbourne und Perth. Das Unternehmen hatte demnach keine Überprüfung seiner Partnerschaft durchgeführt, obwohl bereits 2014 erste Berichte über etwaige kriminelle Verbindungen auftauchten.

Crown hatte die erstmals im August 2019 erhobenen Vorwürfe bis zuletzt abgestritten. Erst Ende September räumte Crown-CEO Ken Barton Sicherheitslücken und Mängel in den Geschäftsprozessen des Konzerns ein. Obwohl der Junket Operator-Partner des ehemaligen Firmenchefs James Packer Verbindungen zum organisierten Verbrechen in China haben soll, konnte dieser ungehindert mit Crown zusammenarbeiten und in den Casinos angeblich Geldwäsche betreiben.

Sogenannte Junket Operators sind Agenturen, die besonders wohlhabende Gäste für Casinos anwerben und diese auf Glücksspielreisen begleiten. Hierbei werden die Gelder der Kunden betreut und Auskünfte über hohe Gewinnmöglichkeiten geliefert. In Australien ist dieses umstrittene Geschäftsmodell gesetzlich erlaubt, allerdings nur, wenn die Gäste nicht aus Ländern wie China stammen, wo Glücksspiel verboten ist. In die Affäre um Crown soll sogar das australische Konsulat involviert gewesen sein, dieses ist zuständig für die Ausstellung von Visa.

Politiker gegen Lizenzerhalt

Im Zentrum der Ermittlungen steht nun die Frage, ob Crown eine bereits 2014 bewilligte dritte Casinolizenz erhalten sollte. Das 2,4 Mrd. australische Dollar schwere Resort in Barangaroo, Sydney, hatte James Packer schon 2012 angekündigt. Es befindet sich bereits in der Bauphase und sollte eigentlich 2021 eröffnen. Durch die Ermittlungen könnte sich der Bau verzögern, sogar die komplette Lizenz steht auf dem Spiel.

Grund ist, dass nicht nur der ehemalige ILGA-Leiter Sidoti eine erneute Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Lizenz fordert, sondern auch etwaige Abgeordnete und Juristen. So meldete sich unter anderem der Grünen-Politiker und Parteisprecher für Korruptionsbekämpfung Jamie Parker zu Wort. Die Tatsache, dass die Lizenz von Crown nicht bereits zurückgezogen wurde, verdeutliche, wie effektiv der Milliardenkonzern die Regierung eingeschüchtert habe.

Crown sei nachweislich ungeeignet, eine Glücksspiellizenz in New South Wales (NSW) zu besitzen, so der Abgeordnete. Die Lizenz sei auszusetzen, bis alle offenen Fragen geklärt sind. Es läge nun an der ILGA, alle Fragen zu klären und zu veröffentlichen. Darüber hinaus bekundete auch die Glücksspielsprecherin der NSW-Labor-Opposition, Sophie Cotsis, ihre Bedenken, man sei über die Vorgänge bei Crown schockiert und erwarte Aufklärung.

Jurist verweist auf Lizenzverstöße

Gegenüber der australischen Tageszeitung SMH erklärte jüngst auch der Anwalt und Unterstützer des ILGA-Untersuchungsausschusses Adam Bell seine Einwände gegen den Lizenzerhalt. Das Unternehmen sei kein geeigneter Lizenznehmer für ein Casino in Barangaroo, es würde zurzeit mit eskalierenden Problemen konfrontiert, so das deutliche Fazit des Juristen.

Bell verweist hierbei nicht nur auf die fragwürdigen Junket Operator-Geschäfte von Crown, sondern auch auf die dubiosen Aktiendeals, die Ex-Firmenchef und Hauptanteilseigner James Packer mit Lawrence Ho tätigen wollte, dem Inhaber des in Honkong stationierten Glücksspielkonzerns Melco. Hos Vater, der Ex-Melco-CEO Stanley Ho, soll ebenfalls mit organisierten Verbrechersyndikaten in China kooperiert haben.

Die 2014 erlassenen Lizenzvereinbarungen mit der ILGA schreiben eindeutig vor, dass Crown in keinerlei Geschäftsbeziehungen mit Personen oder Unternehmen treten darf, die mit dem Ex-Melco-CEO in Verbindung stehen. Trotzdem soll Packer versucht haben, Aktiengeschäfte mit Hos Sohn abzuwickeln. 20 Prozent seiner Anteile wurden Ho zu einem Preis von rund 2,5 Mrd. Dollar angeboten. Erste Transaktionen im Wert von 1,2 Mrd. Dollar wurden seit Juni 2019 durchgeführt. Das Geschäft sollte im September 2019 abgeschlossen werden.

Laut Bell habe dieses Verhalten dazu geführt, dass Regulierungsvereinbarungen mit der ILGA missachtet wurden. Es handle sich um eine rücksichtslose Herangehensweise an das Risikomanagement, was gleichsam auf erhöhte Probleme bei der Bekämpfung von Geldwäsche hinweise. Die Untersuchung der ILGA wird nächste Woche fortgesetzt. Die weiteren Entwicklungen bleiben vorerst abzuwarten.

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