Australien: Skandal um Crown Resorts

Der australische Casinokonzern Crown Resorts Limited steht zurzeit wegen illegalen Geschäftspraktiken in der Kritik. Tausende geheime E-Mails und Aussagen von ehemaligen Angestellten deuten darauf hin, dass das Unternehmen mit kriminellen Gruppierungen aus China zusammenarbeitet, um superreiche VIP-Spieler für sich zu gewinnen. Die Vorwürfe basieren auf den einjährigen Investigationen der drei australischen Zeitungen The Sydney Morning Herald, The Age und 60 Minutes. Hier ein Überblick zum Geschehen.

Ein Blick auf das Crown Casino in Melbourne.

Ein Blick auf das Crown Casino in Melbourne, wo die Junket Operators zum Einsatz kamen. (©Wikipedia)

Kundenwerbung durch Mittelsmänner

Am Sonntag (28.07.) veröffentlichten die drei Zeitungen The Sydney Morning Herald, The Age und 60 Minutes die Ergebnisse einer einjährigen gemeinsamen Recherche in Bezug auf die womöglich illegalen Geschäftsaktivitäten des australischen Casino-Marktführers Crown Resorts. Die Vorwürfe gegen das Unternehmen sind schwerwiegend: Mit Hilfe eines höchst dubiosen Geschäftsmodells soll Crown reiche VIP-Spieler aus China angeworben haben, die innerhalb kurzer Zeit millionenschwere Summen im Crown Casino Melbourne umgesetzt haben.

Die Zeitungen beziehen sich dabei in erster Linie auf tausende geheime E-Mails sowie Insider-Informationen von ehemaligen Angestellten, die allesamt auf die Vergehen hinweisen. Um die Geschäfte zu planen und umzusetzen, sollen demnach sogenannte Junket Operators (Mittelsmänner) eingesetzt worden sein. Junket Operators werden von Casinos in der Regel zum Anwerben wohlhabender Kunden eingesetzt. Sie begleiten die potenziellen Kunden auf organisierten Glücksspielreisen und betreuen währenddessen auch deren Gelder.

Zum Verständnis: Die Tätigkeit ist in Australien prinzipiell erlaubt. Es dürfen jedoch keine Kunden aus Ländern angeworben werden, in den Glücksspiel verboten ist, wie zum Beispiel in China, wo nur staatliche Lotterieanbieter geduldet werden. Die meisten der chinesischen Junket Operator arbeiten jedoch mit kriminellen Gruppierungen zusammen, so auch im Fall Crown. Wie aus den Berichten der Zeitungen hervorgeht, soll das Unternehmen in diesem Kontext mit einer illegalen chinesischen Vereinigung namens „The Company“ kooperiert haben. Die Gruppierung habe das Crown Casino Melbourne demnach unter dem Vorwand der Kundenwerbung infiltriert.

Geldwäsche in Millionenhöhe

Folglich habe die Gruppierung innerhalb des Resorts unbemerkt Geldwäsche in Millionenhöhe betrieben. Zu diesem Zweck seien sowohl die Bankkonten des Casinos als auch die High-Roller-Räume der integrierten Spielbank verwendet worden. Laut australischen Medien habe der Betreiber in diesem Zusammenhang „alle Risiken in Kauf genommen“ und zudem „keine Skrupel“ gezeigt.

Doch damit nicht genug: Auch das australische Konsulat – zuständig für die Ausstellung von Einreisegenehmigungen (Visa) – soll in die kriminellen Aktivitäten des Casinokonzerns involviert gewesen sein. Demnach habe das Konsulat die Ausstellung von Visa für die reichen chinesischen Spieler erleichtert und beschleunigt. Zudem habe das Konsulat dafür gesorgt, dass die Spieler standardisierte Sicherheitskontrollen umgehen konnten.

Informationen von Insidern

Eines der bedeutsamstem Interviews mit den Journalisten führte die frühere Crown-Angestellte Jenny Jiang. Jiang wurde bereits im Oktober 2016 mit 18 weiteren Angestellten verhaften, nachdem Crown Resorts bereits seit Monaten von chinesischen Behörden observiert worden war. Die Mitarbeiter wurden auf Grund von illegaler Glücksspielwerbung angeklagt und saßen jeweils einen Monat in einem chinesischen Gefängnis. In China gilt dies als ernstzunehmende Vorstrafe. Die langfristigen Folgen für die Beteiligten sind kaum abzusehen.

Wie Jiang gegenüber der australischen Presse ausführte, habe ihr das Unternehmen Crown Resorts zu diesem Zeitpunkt versichert, in keinerlei illegale Aktivitäten verwickelt zu sein. Man habe lediglich für Luxusaufenthalte in australischen Crown Resorts geworben, so die Unternehmensführung. Dass es bei den besagten Luxusurlauben auch – oder vor allem um Glücksspiel ging, sei Jiang erst später klar geworden. Diesbezüglich heißt es im Zitat:

“Kunden verloren in nur 15 bis 20 Minuten über 10 Mio. Dollar. Erst da habe ich bemerkt auf was für eine Job ich mich da wirklich eingelassen habe. Sie haben keine australische Lizenz verdient. Sie haben uns als Angestellte benutzt und uns dann wie gebrauchte Servietten weggeworfen.”

Infolge von Jiangs Freilassung habe ihr Crown Resorts laut eigene Aussagen einen Scheck über 60.000 Dollar Schweigegeld angeboten. Das Angebot hat Jiang allerdings ausgeschlagen und sich stattdessen der Öffentlichkeit zugewendet. Heute sorgt sie sich deshalb sogar um ihre persönliche Sicherheit.

Crown schweigt zu den Vorwürfen

Ein konkretes Statement von Seiten des milliardenschweren Casinokonzerns blieb bislang aus. Hauptanteilseigner James Packer habe laut aktuellen Meldungen ein 60 Minutes-Interview verweigert. Über seinen Anwalt ließ Packer zudem verlauten, keine Kenntnisse über derartigen Verfahrensweisen zu besitzen. Allerdings äußerte sich ein Crown-Sprecher gegenüber Daily Mail Australia zum Thema Geldwäsche und wies die Vorwürfe ab. Man verfüge demnach über „umfangreiche Anti-Geldwäsche-Maßnahmen“. Im Wortlaut hieß es:

“Es gibt derzeitig eine Sammelklage, gegen die wir uns verteidigen. Wir können daher keine Kommentare zu bestimmten Themen abgeben. Zum Thema Junket Operators, wird Crown sich nicht äußern. Allerdings führt Crown umfangreiche Anti-Geldwäsche-Maßnahmen durch, die von der Regulierungsbehörde AUSTRAC überwacht werden.”

Ob es zu einem Prozess kommt und inwieweit das börsennotierte Unternehmen Crown Resorts Schaden durch die Veröffentlichung davontragen wird, bleibt vorerst abzuwarten. Im Übrigens sorgte Crown erst im Juli letzten Jahres durch einen Rechtsstreit gegen Sportsbet für Schlagzeilen.

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