Crown-CEO gesteht Sicherheitslücken

Seit August 2019 werden dem australischen Casinoriesen Crown Resorts dubioso Junket Operator-Geschäfte mit China und Geldwäsche vorgeworfen. Der Chef der Rechtsabteilung, Joshua Preston, wurde erst letzten Monat von der Glücksspielaufsicht ILGA in New South Wales (NSW) verhört. In dieser Woche musste sich der Geschäftsführer Ken Barton verantworten. Erstmals seit Beginn der Ermittlungen räumte dieser nun Sicherheitslücken bei Crown Resorts ein.

Ein Casinodealer und Spieler am Roulettetisch.

Hat der chinesische Junket Operator Suncity Geld im Crown Resorts Melbourne gewaschen? ©JavonSwaby/Pexels

Mangelnde Kontrollen im Casino Melbourne

Seit Anfang der Woche weitet sich die Affäre um Crown Resorts weiter aus. In einem Verhör, durchgeführt von der zuständigen NSW-Glücksspielaufsichtsbehörde (Independent Liquor and Gaming Authority), räumte Crown-CEO Ken Barton erstmals Mängel in den Geschäftsprozessen des größten australischen Glücksspielkonzerns ein. Es geht unter anderem um den Verdacht der Geldwäsche, die der Junket-Operator Suncity im Crown Resorts Melbourne durchgeführt haben soll.

Der Geschäftsführer gestand, dass das Casino durch ungenaue Kontrollen Risiken der Geldwäsche zugelassen habe. Von dem dubiosen Junket Operator-Partner des ehemaligen Crown-Inhabers James Packer, welcher angeblich Verbindungen zum organisierten Verbrechen in China unterhalten soll, habe Barton allerdings erst in Folge der Ermittlungen erfahren. Die leitende Kommissarin Patricia Bergin bezeichnete diesen Sachverhalt folglich als beunruhigend, dem stimmte auch Barton zu.

Junket Operators sind Agenturen, die wohlhabende Casinogäste anwerben. Sie begleiten diese auf organisierten Glücksspielreisen, betreuen deren Gelder und geben Auskunft über hohe Gewinnchancen. Die Tätigkeit ist in Australien erlaubt, es dürfen jedoch keine Kunden aus Ländern angeworben werden, in den Glücksspiel verboten ist, wie zum Beispiel China. Der Skandal um Crown Resorts ist diesbezüglich auf investigative Berichte australischer Tageszeitungen zurückzuführen.

Aufgrund des Glücksspielverbots in China sollen die Agenturen mit kriminellen Gruppierungen zusammenarbeiten. So habe der Crown Partner Suncity mit einer illegalen chinesischen Vereinigung namens The Company kooperiert. Diese habe die Casinos in Melbourne und Perth infiltriert und dort Geldwäsche betrieben. Sogar das australische Konsulat, zuständig für die Ausstellung von Einreisegenehmigungen, soll in die kriminellen Aktivitäten involviert gewesen sein.

Wurden Crown-Aktionäre bewusst getäuscht?

So wie auch der Chef der Rechtsabteilung, Joshua Preston, bekundete CEO Ken Barton von den besagten Verbindungen nichts geahnt zu haben. Der Geschäftsführer konnte jedoch neue Erkenntnisse über die Hintergründe eines womöglich rechtswidrigen geplanten Aktiengeschäfts zwischen Mehrheitsaktionär James Packer und Lawrence Ho, dem Inhaber des in Honkong stationierten Glücksspielkonzerns Melco liefern.

Packer wollte 20 Prozent seiner Aktien an Ho verkaufen, obwohl Hos Vater, der Ex-Melco-CEO Stanley Ho, mit organisierten Verbrechersyndikaten in China kooperiert haben soll. Die 2014 erlassenen Lizenzvereinbarungen schreiben eindeutig vor, dass Crown in keinerlei Geschäftsbeziehungen mit Personen oder Unternehmen treten darf, die mit dem Ex-Melco-CEO in Verbindung stehen. Auch Melco befindet sich vor diesem Hintergrund im Clinch mit der ILGA.

Wie aus dem Verhör mit Barton hervorgeht, hatte Packer zur Umsetzung seines Plans eine Sonderbehandlung erhalten. Ab Februar 2019 verlangte Packer von Barton regelmäßige Tagesupdates und Finanzberichte, diese wurden von Barton auch geliefert. Der CEO versäumte es aber, die anderen Aktionäre darüber zu informieren. Sogar als er auf der letztjährigen Jahreshauptversammlung danach gefragt wurde, erteilte er keinerlei Auskünfte.

Trotz der gesetzlichen Auflagen soll Packer im März 2019 versucht haben, Aktiengeschäfte mit Stanley Hos Sohn, Lawrence Ho, abzuwickeln. Diesem soll Packer 20 Prozent Aktienanteile zu einem Kaufpreis von 1,8 Mrd. US-Dollar (~ 1,04 Mrd. Euro) in Aussicht gestellt haben. Eine erste Transaktion über rund 900 Mio. US-Dollar soll laut ILGA bereits im Juni erfolgt sein. Der Restbetrag sollte bis Ende September überwiesen werden.

Crown Resorts-Lizenz steht auf dem Spiel

Ob Packers Aktienverkauf tatsächlich gegen die Lizenzvereinbarungen verstößt, wird im Laufe der aktuellen Ermittlungen untersucht. Innerhalb der nächsten Woche soll der frühere Inhaber James Packer, der zum Zeitpunkt der Vorgänge 46 Prozent an Crown hielt, zu den Vorgängen befragt werden. Im Fokus steht die Frage, ob Crown ein geeignetes Unternehmen ist, um die Lizenz für ein neues Casino zu erhalten.

Die inzwischen dritte Crown Resorts-Lizenz ist durch den Skandal in Gefahr. Gebraucht wird sie für ein Casino in Barangaroo, Sydney, NSW. Das betroffene Etablissement befindet sich bereits in der Bauphase und soll eigentlich 2021 eröffnen. Die Pläne hatte Packer 2012 angekündigt, doch schon einmal verzögerten sich die Bauarbeiten um zwei Jahre infolge einer Klage der gemeinnützigen Organisation Millers Point Fund.

Laut ILGA versuche man nun zu bestimmen, ob es sich bei Crown um einen geeigneten Lizenznehmer handelt. Crown müsse diesbezüglich einige Überzeugungsarbeit leisten, um wieder als geeigneter Lizenznehmer eingestuft zu werden. Laut Aussagen des ILGA-Mitglieds Justin Field sei es bedenklich und nur schwer zu akzeptieren, dass ein australisches Glücksspielunternehmen mit kriminellen Individuen und Unternehmen in Verbindung steht.

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