Ontario beendet Glücksspielmonopol

Seit April 2019 steht die Beendigung des Online Glücksspielmonopols in der kanadischen Provinz Ontario auf der politischen Agenda. Bisher liegt der iGaming-Markt einzig in den Händen der nationalen Lotterie, nun sollen Kunden Zugang zu einem umfangreicheren und legalen Angebot erhalten. Parallel könnte es in Kanada zu einer Reform des Wettgesetzes kommen. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Die Skyline von Toronto, Kanada, am Abend.

Wie viele Lizenzen vergeben werden und unter welchen Bedingungen, ist bislang noch unklar. ©Alex/Unsplash

Bisher nur 12 Spielbanken und Lotterie

Wie in ihrer Budgetplanung 2019 angekündigt, treibt die Regierung Ontarios die Liberlisierung des Online Glücksspielmarktes weiter voran. Zurzeit wird eine neue Gesetzgebung zur Beendigung des derzeitigen iGaming-Monopols vorbereitet, damit einhergehen wird die Marktöffnung für private Betreiber. Gegenwärtig ist die Ontario Lottery and Gaming Corporation (OLG) das einzige Unternehmen, das Online Glücksspiele über seine Webseite PlayOGA.ca anbieten darf.

Grundlage für die weiteren Schritte ist ein kürzlich vorgelegter Haushaltsplan 2020, welcher die Pläne aus letztem Jahr fortschreibt. Hierin wird ein Gesetz zur Schaffung eines offeneren Online Glücksspielmarktes angestrebt. Sollte die Gesetzgebung in Kraft treten, würde die Alcohol and Gaming Commission of Ontario (AGCO) künftig offizielle Lizenzen vergeben und gleichzeitig als Regulierungsbehörde für den Markt fungieren.

Eine spezialisierte Tochtergesellschaft unter der AGCO würde ebenfalls eingerichtet, um einen engen Austausch zwischen der Regierung und den lizenzierten Privatanbietern zu ermöglichen. In diesem Sinne wollen sich die Regierung und die AGCO in den kommenden Wochen über die Neugestaltung und Modernisierung des Marktes beraten. Dieser müsse die Präferenzen der Verbraucher widerspiegeln, so das Kredo aus Regierungskreisen.

Mit rund 14,7 Millionen Einwohnern ist Ontario die mit Abstand bevölkerungsreichste und nach Québec die flächenmäßig zweitgrößte Provinz Kanadas. Hauptstadt Ontarios und gleichzeitig größte Stadt des Landes ist Toronto. Obgleich Kanada zu den fortschrittlichsten Ländern der Welt zählt, wurde das Glücksspielsystem des Landes bereits seit den 1980er Jahren nicht mehr aktualisiert. Den Kunden stehen lediglich zwölf Spielbanken und ein veraltetes staatliches Lotteriemonopol zur Verfügung. Erst der globale Boom des Online Glücksspiels sorgte für ein Umdenken.

Zuspruch vonseiten der CGA

Obwohl zurzeit noch keine Details über das Lizenzverfahren und die Regularien vorliegen, begrüßte der kanadische Glücksspielverband CGA (Canadian Gaming Association) die Maßnahmen: Mit dem neuen Regelwerk würde sichergestellt, dass die Bürger der Provinz Zugang zu sicheren und legalen Online Glücksspielangeboten erhalten. Außerdem könnten auch die landgestützten Casinos die Möglichkeiten des Internets nutzen, womit eine Diversifizierung des Sortiments sowie des Kundenstammes erfolge.

Der Verband verwies außerdem darauf, dass ein legalisierter Markt zur Erholung der Wirtschaft infolge der Corona-Krise beitragen könnte. Für Ontario würde es hilfreich sein, Einnahmen aus der Lizenzierung und Besteuerung ausländischer Betreiber zu erzielen, so Paul Burns, Präsident und Geschäftsführer der CGA. Gleichzeitig würde die Provinz mehr Investoren anziehen und neue Arbeitsplätze schaffen.

Ontarios Investitionen in neue Technologien, Digitalisierung, lebendige Gemeinden und hochqualifizierte Arbeitskräfte würden sich, so der Verband, als attraktive Kombination für internationale Online Glücksspielbetreiber erweisen.

AGCO spielt wichtige Rolle

Die staatliche Beaufsichtigung des Marktes durch eine Behörde wie AGCO ist laut CGA von wesentlicher Bedeutung zum nachhaltigen Erfolg des Plans. Die Behörde übernehme eine wichtige regulatorische Rolle bei der Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen und in Bezug auf den Spielerschutz. Dies habe bei allen künftigen Anpassungen oberste Priorität – den Bürgern müsse ein sicheres Spielumfeld zur Verfügung stehen.

Laut CGA-Präsident Burns sei die Verfassung verantwortungsvoller iGaming-Regeln umfangreich, dank modernster Technologien, zum Beispiel Verifizierungssysteme und Selbstausschlussregister, ließen sich jedoch strenge Kontrollen durchführen. Vor allem müsse man sicherstellen, dass Kinder- und Jugendliche sowie gefährdete Personen nicht spielen können. Als gemeinnützige Organisation setze sich die CGA nicht nur für die Weiterentwicklung der Glücksspielindustrie ein, sondern auch für die Spielsicherheit und Risikominimierung. Forschung und Innovation soll dazu genutzt werden, um die Branche voranzubringen.

Wettreform ebenfalls in Planung

Die Liberalisierung des iGamings in Ontario ist nicht die einzige Reform, die in Kanada voranschreitet: Momentan setzt sich die CGA auch für ein neues Wettgesetz auf Bundesebene ein. Konkret geht es um den Entwurf C-218, der auch als Safe and Regulated Sports Betting Act bekannt ist. Erstmals wurde das Dekret von dem konservativen Parlamentsabgeordneten Kevin Waugh im Februar vorgestellt.

Kanadische Bürger sollen, so der Entwurf, künftig auf Einzelereignisse im Sport wetten dürfen. Der Paragraf 207(4)(b) des kanadischen Strafgesetzbuches, der bisher nur Wetten auf mindestens drei Spiele und Parlay-Wetten erlaubt, soll dafür aufgehoben werden. Die Umsetzung wird nicht nur von der CGA unterstützt, sondern auch durch den Lotteriebetreiber British Columbia Lottery Corporation (BCLC) und das Medienunternehmen Score Media and Gaming.

Auch große amerikanische Sportligen fordern die Wettreform, allen voran die NHL, NBA und die MLB. Laut NHL-Sprecher Gary Bettman stehe die Reform im besten Interesse des Sportverbandes. Für die NHL sei vor allem Ontario bedeutsam, da dort zwei NHL-Franchiseunternehmen stationiert sind. Es bleibt abzuwarten, ob die Reform noch dieses Jahr vorgenommen wird, das Parlament stimmt zeitnah darüber ab.

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