Millionen Chinesen spielen online

Trotz drastischer Verbote von Glücksspielen, mit Ausnahme der staatlichen Lotterie, spielen über 11 Millionen Chinesen in Online Casinos. Dies geht aus einem Bericht des Ministeriums für öffentliche Sicherheit hervor, der vergangene Woche veröffentlicht wurde. Die Regierung des Landes ist 2020 scharf gegen den Boom des Online Glücksspiels vorgegangen, rund 7.500 Verdächtige sollen festgenommen worden sein. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Die Casino-Skyline von Macau.

Für die chinesischer Sonderverwaltungszone Macau war und ist die Coronakrise eine Katastrophe. ©MacauPhotoAgency/Unsplash

Drastische Maßnahmen gegen Onlinebranche

In China, wo eines der strengsten Glücksspielverbote der Welt gilt, sorgt zurzeit ein Boom des Online Glücksspiels für Furore. Durchschnittlich sollen 11 Mio. Chinesen in Online Casinos spielen oder an Online Poker teilnehmen. Die meisten davon in der über 108 Millionen Einwohner zählenden Region Guangdong und der Hauptstadt Peking. Allein 2020 habe man mehr als 3.500 Fälle von illegalem Glücksspiel identifiziert und etwa 7.500 Verdächtige verhaftet.

Aus einem Bericht des chinesischen Ministeriums für öffentliche Sicherheit geht zudem hervor, dass über 1.100 Internetseiten, auf denen Casinospiele vermarktet wurden, gesperrt worden sind. In diesem Kontext seien auch über 900 IT-Abteilungen aufgelöst und über 1.900 Zahlungsdienste, welche Glücksspieltransaktionen durchgeführt hatten, abgeschaltet worden. Dabei sollen umgerechnet über 126 Mrd. Euro beschlagnahmt worden sein.

Obwohl die chinesische Regierung in drastischer Weise gegen das illegale Glücksspiel vorgeht, sollen den Kunden rund 9.000 unterschiedliche Apps zur Verfügung stehen, um an Casinospielen teilzunehmen. Die Transaktionen sollen über 14 verschiedene Zahlungsangebote erfolgen, darunter zum Beispiel Kryptowährungsdienste wie Tether, aber auch gängige Applikationen wie UnionPay oder Alipay.

Das Glücksspielverbot in China stellt nicht nur die weltweit boomende Online Glücksspielindustrie vor Probleme, sondern auch Suchmaschinen wie Google oder den iPhone-Giganten Apple. 2018 kam es unter anderem zu einem Rundumschlag der Regierung, woraufhin Apple 25.000 Gambling-Apps aus dem China-App-Store löschen musste. Im Vorfeld war es zu scharfer Kritik vonseiten des chinesischen Staatsfernsehens gekommen, insbesondere des TV-Senders CCTV (China Central Television), zugehörig dem chinesischen Ministerium für Film, Fernsehen und Radio. 4.000 Apps seien in diesem Kontext explizit durch das Keyword Glücksspiel gekennzeichnet gewesen, weitere 500 über das Keyword Lotto.

Harte Debatte um Zahlungsdienste

Ein großes Hindernis für Glückspielkunden in China besteht in den begrenzten Möglichkeiten der Transaktionen. Doch wie bereits angedeutet, sollen die chinesischen Spieler dennoch verschiedene Zahlungsmethoden verwenden, um Geldtransfers durchzuführen. Diese werden häufig über E-Commerce-Plattformen abgeschlossen. Die Transaktionen sind dabei häufig als legale Onlineshopping-Verkäufe getarnt. Nikkei Asia spricht von einer dunklen Ecke der Cyberwelt.

Inmitten der Pandemie sei die Sparte E-Commerce rapide in die Höhe geschossen, dabei habe das in China illegale Online Glücksspiel einen Großteil ausgemacht. Wissentlich oder unwissentlich sei die Branche in der Vergangenheit immer öfter zu einigen führenden Tech-Giganten des Landes durchgedrungen, welche den Marktzugang ermöglicht hätten. Die internationalen Betreiber seien auf Suchmaschinen und Social Media-Plattformen zu finden.

Dazu gehören Chinas größte Suchmaschine Baidu, die Messagerapps QQ und WeChat der Tencent Holdings und der Zahlungsdienst Alipay der Ant Group. Die E-Commerce-Seite Pinduoduo scheint besonders anfällig gewesen zu sein. Die Ermittler haben auch Verwicklungen mit großen Kurierdiensten nachgewiesen, darunter der an der Wallstreet notierte ZTO Express, die in Shanghai notierten YTO Express und STO Express, sowie eine Reihe von Logistikunternehmen.

Mangelnde Kontrollen bei Tech-Riesen?

Viele große Internetfirmen seien in die Ermittlungen verwickelt, heißt es derweil vonseiten der Polizei. Das Auftauchen derartig großer Namen im Zusammenhang mit Glücksspielbetreibern werfe die Frage auf, ob die Internetriesen angemessene interne Aufsichtskontrollen durchgeführt haben. Es stehe außer Frage, dass viele der Unternehmen von ihren Beteiligungen an den Geschäftsprozessen der Glücksspielbranche profitiert haben.

Parallel zum Wachstum des Online Glücksspiels sinkt die Teilnahme an der chinesischen Nationallotterie. Zuletzt meldete diese im November Umsatzverluste von 4,6 Prozent. Der Rücklauf soll vor allem auf den Wegfall der Videolotterien innerhalb der Coronakrise zurückzuführen sein. Die Umsätze sanken hierdurch auf umgerechnet 4,5 Mrd. Euro. Die Wohlfahrtslotterie und die Sportlotterie machten den Großteil der Summe aus. Ob sich der bis dato illegale Online Glücksspieltrend auch nach Corona fortsetzt – und welche der Maßnahmen der als totalitär geltende Staat dagegen ergreift, bleibt abzuwarten.

Ist Stillstand von Macau der Grund?

Es stellt sich die Frage, ob die Coronakrise in Macau für das Wachstum des Online Glücksspiels mitverantwortlich ist. Die chinesische Sonderverwaltungszone – das größte Glücksspieldelta Asiens – generiert jährlich eigentlich Milliarden durch chinesische Glücksspielkunden, bei denen Casinospiele und Poker äußerst beliebt sind. Durch Corona mussten die Grenzen jedoch dicht gemacht werden, Macaus Casinos wurden lahmgelegt.

Folglich kam es in Macau zu einem Umsatzeinbruch von über 93 Prozent. Regierungschef Ho Iat Seng begann die übermäßige Abhängigkeit Macaus von Casinos zu kritisieren. Macau würde daher besonders hart von der Covid-19-Pandemie getroffen. Es könnte Jahrzehnte dauern, bis sich Macau von dem wirtschaftlichen Supergau erholt. Bis heute laufen die Geschäfte von Macau wegen Reisebeschränkungen nur schleppend.

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