Macau zu abhängig von Casinos?

Der Regierungschef von Macau, Ho Iat Seng, hat die „übermäßige Abhängigkeit“ des Landes von der Casinoindustrie kritisiert. Macau werde aus diesem Grund besonders hart von der Covid-19-Pandemie getroffen. Es könnte Jahre dauern, bis sich das asiatische Glücksspieldelta von den wirtschaftlichen Schäden erholt. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Ein Casino in der Glücksspielmetropole Macau.

Macau generiert 60 Prozent seines BIPs aus der Glücksspielindustrie. ©Falco/Pixabay

Diversifizierung der Wirtschaft

Die chinesische Sonderverwaltungszone und Casinohochburg Macau wird von den Auswirkungen der Corona-Krise schwer getroffen. In seinem jährlichen Politikbericht kritisiere Regierungschef Ho nun die Abhängigkeit von der Glücksspielindustrie und forderte mehr „wirtschaftliche Diversifizierung“. Die Maßnahmen früherer Regierungen hätten zu „keinen nennenswerten Ergebnissen“ geführt – immer noch mache das Glücksspiel mehr als die Hälfte Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Im Wortlaut hieß es:

“Mit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus verzeichnete die Glücksspiel- und Tourismusindustrie erhebliche Rückgänge, mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die mit diesen Bereichen verbundenen Industrien. Dies zeigt einmal mehr die Anfälligkeit und die enormen Risiken der übermäßigen Abhängigkeit der Wirtschaft Macaus von der Glücksspiel- und Tourismusindustrie.”

Darüber hinaus erklärte der 62-jährige Politiker, dass der Glücksspiel- und Tourismussektor noch längere Zeit eine stabile Grundlage für Macaus Wirtschaft bilden wird. Wenn jedoch die „Monotonie der Industriestruktur“ unverändert bleibt, würde eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft behindert. Derweil werden in Macau rund 60 Prozent des BIPs von der Glücksspielbranche generiert.

Rettungsfonds in Planung

Um Einwohnern, Arbeitern und Unternehmen zu helfen, plant Ho im nächsten Schritt die Einführung eines Rettungsfonds in Höhe von 10 Mrd. MOP (~ 1,2 Mrd. EUR). Ziel sei es, die Casinos schnellstmöglich wieder hochzufahren. In diesem Sinne wolle man Peking bitten, mit der Ausstellung von Visa für Macau zu beginnen, sobald sich die Coronavirus-Situation wieder stabilisiert hat. Laut GGRasia hieß es:

“Im Hinblick auf die Erholung des Tourismussektors werden wir die Zentralregierung Chinas zu gegebener Zeit bitten, die Ausstellung von Touristenvisa wieder aufzunehmen, die für Einwohner des chinesischen Festlands gelten und zur Einreise nach Macau ermächtigen.”

Das Ausbleiben chinesischer Touristen ist der Hauptgrund für den Zusammenbruch. Bedingt wird die Situation von den Reisestopps zwischen China, Hong Kong und Macau. Da Glücksspiele in China mit Ausnahme der staatlichen Lotterien verboten sind, reisen jährlich Millionen chinesischer Touristen zum Spielen nach Macau. Inzwischen ist das Coronavirus in China angeblich unter Kontrolle. Die Lockerungen vollziehen sich dennoch nur schrittweise.

Spielen unter Auflagen

Obwohl Macaus Casinos wieder geöffnet haben, bleiben die chinesischen Kunden daher weiterhin aus. Doch auch einheimische Spieler meiden Casinobesuche. Die Enklave gleicht momentan eher einer Geisterstadt als einem Glücksspieldelta. Infolge des Shutdowns am 04. Februar brachen die Spielumsätze um knapp 88 Prozent ein. Experten glauben, dass es bis 2023 dauern könnte, bis sich der Zustand wieder normalisiert.

Mittlerweile sind rund 46 Prozent aller Spieltische wieder in Betrieb. Die wenigen Gäste, die spielen, müssen sich an strenge Hygienevorschriften wie Händedesinfektion und das Tragen von Atemschutzmasken halten. Zudem gelten Sicherheitsabstände zwischen den Spieltischen, Gästen und dem Personal. Laut Aussagen der Tageszeitung Macau Daily Times halten sich die Casinos stringent an die Maßnahmen, seien allerdings auch „frei von Gästen“.

Laut Spiegel sei Macau aber nicht von Armut bedroht. Die Finanzreserven lägen umgerechnet bei über 55 Mrd. Euro, was rund 90.000 Euro pro Einwohner entspricht. Es bleibt daher abzuwarten, wie schnell sich Macaus Wirtschaft von der Krise erholt und ob die Industriestruktur tatsächlich eine Modifizierung erfahren wird.

Glücksspiel-Befragung geplant

Aus lokalen Medienberichten geht hervor, dass Macau zur Umgestaltung seiner Glücksspielgesetze noch in diesem Jahr eine öffentliche Konsultation zum Thema Casino-Konzessionen durchführen will. Die derzeitigen Vereinbarungen mit den sechs Konzessionären – SJM, Galaxy, Sands, MGM, Melco und Wynn – laufen im Juni 2022 aus.

Die von Ho gestellte Forderung nach mehr wirtschaftlicher Vielfalt soll hierbei aufgegriffen werden. In diesem Sinne werden die Verträge mit festgeschriebenen Diversifizierungs-Klauseln aufwarten. Abgesehen davon wurden bisher nur sehr wenige Informationen von der Regierung bestätigt. Ho betonte jedoch das öffentliche Interesse an dem Thema und erklärte:

“Die öffentliche Konsultation wird als Teil der neuen Gesetzgebung organisiert werden. Dies ist ein langwieriges Verfahren, das in diesem Jahr nicht abgeschlossen sein wird.”

Im selben Zug soll auch über ein neues Steuersystem sowie über eine Liberalisierung des Online Glücksspiels debattiert werden. Letzteres sei durch den Zusammenbruch des landbasierten Casinogeschäfts zum öffentlichen Diskussionsthema geworden. Zurzeit seien die Casinos von Macau allerdings noch „hart genug“, um durchzuhalten.

Bisher sei nur das erste Quartal verloren. Während für die Jahresbilanz 2020 ein Umsatzeinbruch auf 13,02 Mrd. Euro vorhergesagt wird, könnten die Einnahmen bis 2021 immerhin wieder auf 20,1 Mrd. Euro steigen. Dennoch dürfte es Jahre dauern bis das Niveau von 2019 (32,5 Mrd. Euro) erneut erreicht wird. Eine Veränderung der Industriestruktur unter Einbezug des Online Glücksspiels erscheint daher sinnvoll.

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Die Skyline der Casinostadt Macau.

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