Coronavirus legt Macaus Casinos lahm

Aus Angst vor einer Ausbreitung des Coronavirus hat Macau seine Casinos für mindestens zwei Wochen geschlossen. Die schwerwiegende Entscheidung wurde von Regierungschef Ho Iat Seng verkündet. Schon seit letztem Jahr hat die südostasiatische Glücksspielmetropole mit einem Rückgang des Tourismus zu kämpfen. Welche Entwicklungen sind in der Region zu erwarten?

Die Skyline der Casinohochburg Macau.

Das Glücksspieldelta Macau steht still, die Folgen des Coronavirus sind zurzeit kaum absehbar. ©HealthycliffSyndor/Unsplash

Infektionen im Casinoumfeld

Das gefürchtete Coronavirus zwingt die Casinos von Macau zur Schließung. Laut Regierungschef Ho wird der Glücksspielbetrieb der chinesischen Sonderverwaltungszone mindestens einen halben Monat lang stillstehen. Obwohl die Glücksspielindustrie Macaus wichtigste Einnahmequelle ist, sieht Ho an dieser Stelle keine andere Möglichkeit, einer Ausbreitung der Lungenkrankheit entgegenzuwirken. Laut China News seien bereits zehn Virusinfektionen in Macau festgestellt worden.

Um maximalen Schutz zu gewährleisten, forderte der 62-jährige Politiker die Bevölkerung dazu auf, zu Hause zu bleiben und allerhöchstens zum Einkaufen vor die Tür zu gehen. Außerdem sollen Schutzmasken getragen werden. Ho sprach des Weiteren von einer „kritischen Zeit“, denn die Infektionen sollen sich im Casinoumfeld ereignet haben. Bei einer Person ist dieser Sachverhalt inzwischen erwiesen. Der Regierungschef kommentierte:

“Der neunte Infektionsfall den wir hatten, ist eine Person, die in einem integrierten Casino Resort gearbeitet hat und sich mit anderen Angestellten im selben Umfeld aufgehalten hat, unter anderem in einem Casinoshuttle und in der Kantine des Gebäudes. Das ist sehr besorgniserregend.”

Ho betonte zudem, dass die Casinos ihre jeweiligen Geschäfte erst wieder aufnehmen dürfen, wenn sich die Situation nach der geplanten halbmonatigen Sperre „stabilisiert“ hat. Die derzeitige Lage scheint sich jedoch nur mehr zuzuspitzen. Erst vor wenigen Tagen hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO die chinesische Coronavirus-Epidemie zum internationalen Gesundheitsnotstand erklärt. Laut Spiegel sind inzwischen bereits 20.438 Personen offiziell erkrankt.

Eine „komplizierte“ Entscheidung

Die Einstellung des Geschäftsbetriebs ist laut Ho eine „komplizierte“ Entscheidung. Er betonte, dass sich die Regierung von Macau der negativen Auswirkungen auf die Unternehmen und die Wirtschaft der Stadt bewusst sei. Die Verhinderung der Verbreitung des Virus habe nun jedoch „oberste Priorität“. Die Regierung von Macau werde sich daher auch um die „Reduzierung aller anderen kommerziellen Aktivitäten“ bemühen.

Zu diesem Zweck ist ein Treffen mit den wirtschaftlichen Führungskräften Macaus geplant. Man wolle die Casinobetreiber dazu bewegen, ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen. In diesem Sinne will Ho die Bosse dazu drängen, weder die Gehälter ihrer Angestellten zu kürzen noch Entlassungen durchzusetzen. Die Situation ist ohnehin angespannt. Zu Jahresbeginn hatten die Casinomitarbeiter wegen schlechten Arbeitsbedingungen demonstriert.

Obwohl wirtschaftliche Verluste drohen, gibt Ho in Bezug auf die langfristige Entwicklung Entwarnung. Der Regierungschef erklärte, dass die Verwaltung für dieses Jahr zwar ein Haushaltsdefizit durch einen Verlust an Spieleinnahmen erwarte, dennoch verfüge man über „genügend Steuerrücklagen“, um die Wirtschaft der Stadt hinreichend zu unterstützen. Darüber hinaus wolle man auf „Entlastungsprogramme zur Unterstützung kleinerer Unternehmen“ zurückgreifen.

Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Dienstag erklärte Ho zudem, dass die Verwaltung derzeitig nicht plane, die „Grenzübergänge” der Stadt zu schließen, da diese Kanäle für das Pendeln vieler beschäftigter Reinigungs- und Sicherheitskräfte sowie für die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln offen bleiben müssten. Die Entwicklungen bleiben vorerst abzuwarten.

Macau am Tiefpunkt?

Der Ausbruch des Coronavirus und seine Ausbreitung kommt für das asiatische Glücksspieldelta denkbar ungelegen. Erst im Oktober 2019 wurden Umsatzeinbrüche in Macau verzeichnet. Die örtliche Glücksspielbehörde (Macau Gaming Inspection) vermeldete einen Rückgang der Glücksspielumsätze um ganze 22,4 Prozent in den Monaten Juli, August und September.

Das Minus ergab sich vor allem aus einem Rückgang des VIP Baccarat-Geschäfts für High Roller-Kunden. Im Q3 2019 wurden in diesem Bereich lediglich noch 3,4 Mrd. Euro eingenommen. Unter dem Strich waren die Glücksspielumsätze trotz des Rücklaufs allerdings immer noch etwa sechsmal so hoch wie in der US-Glücksspielhochburg Las Vegas.

Parallel sank auch Macaus BIP (Bruttoinlandsprodukt), welches zu 60 Prozent aus dem Glücksspielsektor generiert wird. Im ersten Quartal 2019 wurde diesbezüglich ein Verlust von 3,2 Prozent verbucht, ein weiterer Rückgang von 1,8 Prozent folgte bis Ende Juni. Die negativen Ergebnisse resultieren dabei auch aus einem Rückgang der Bauinvestitionen um 30 Prozent sowie einem Rückgang der Exportwerte um 24,4 Prozent.

Der größte Rückschlag erfolgte jedoch durch den Ausbruch des Coronavirus. Gemessen am Vorjahr verbuchte Macau im Januar einen Einbruch des Tourismusgeschäfts um satte 80 Prozent. Die Touristen stammen vorwiegend aus China und Hongkong, wo strenge Glücksspielverbote gelten. Hier trauen sich die Menschen seit dem Ausbruch allerdings kaum noch aus dem Haus. An Reisen ist nicht zu denken.

Einen ähnlichen Einbruch hatte Macau zuletzt im Jahr 2003 erlebt. Der Ausbruch des SARS-Virus sorgte für einen Rücklauf des Tourismus um 20 bis 30 Prozent. Welche verheerenden Langzeitfolgen das aktuelle Virus auf die Sonderverwaltungszone haben könnte, ist derweil kaum abzusehen.

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