Umsatzeinbrüche in Macau

Das asiatische Glücksspieldelta Macau verzeichnet im dritten Quartal 2019 einen Umsatzeinbruch von 22,4 Prozent. Gleichzeitig weist eine Studie der Universität Macau darauf hin, dass immer weniger Menschen an Glücksspielen teilnehmen. Laut Experten könnte ein seit Anfang des Jahres geltendes Rauchverbot für die Rückläufe verantwortlich sein.

Die Glücksspielmetropole Macau bei Nacht.

Rund 60 Prozent des BIPs werden in Macau durch den Glücksspielsektor generiert. (©Wikipedia)

Bruttoinlandsprodukt rückläufig

Laut Angaben der örtlichen Glücksspielbehörde (Macau Gaming Inspection) verzeichnet die chinesische Sonderverwaltungszone Macau derzeitig massive Umsatzeinbrüche: Gemessen am Vorjahr sanken die Glücksspielumsätze in den Monaten Juli, August und September um ganze 22,4 Prozent. Das Minus ergibt sich insbesondere aus einem Rückgang des VIP-Baccarat-Geschäfts für Highroller-Kunden. Im Q3 2019 wurden in diesem Bereich lediglich noch 31 Mrd. Macau-Pataca, umgerechnet rund 3,4 Mrd. Euro eingenommen.

Laut Medienberichten sinkt zudem auch Macaus BIP (Bruttoinlandsprodukt). Schon im ersten Quartal 2019 wurde ein Verlust von 3,2 Prozent verbucht, ein weiterer Rückgang von 1,8 Prozent folgte bis Ende Juni. Die Zahlen resultieren nicht nur aus sinkenden Glücksspieleinnahmen, sondern auch aus einem Rückgang der Bauinvestitionen um 30 Prozent sowie einem Rückgang der Exportwerte um 24,4 Prozent. Nichtsdestotrotz bildet der Glücksspielsektor in Macau nach wie vor rund 60 Prozent des BIPs. Die Glücksspielumsätze sind trotz des Rücklaufs immer noch etwa sechsmal so hoch wie in Las Vegas.

Sinkende Teilnehmerzahlen

Parallel dazu belegt eine Studie der Universität Macau, dass die Zahl der Menschen, die in Macau spielen, seit 2019 auf ein Rekordtief gesunken ist. Demnach haben 2019 nur noch 40,9 Prozent der Menschen in Macau gespielt, was die niedrigste Beteiligungsquote in der Geschichte markiert. Zum Vergleich: 2016 waren es noch 51,5 Prozent.

Bei der Studie handelt es sich um eine vom Sozialamt in Auftrag gegebene Umfrage, an der insgesamt 2.003 Personen teilnahmen. Etwa 36,2 Prozent der Befragten gaben in diesem Kontext an, in den letzten 12 Monaten an kommerziellen Glücksspielen teilgenommen zu haben. 2016 waren es hingegen noch 44,6 Prozent. Auch die durchschnittlich getätigten Spieleinsätze fielen dabei um 16,7 Prozent.

Die beliebteste Spielform war das Mark Six Lottery-Spiel, das mit dem deutschen Lotto-Klassiker 6aus49 vergleichbar ist. 26,5 Prozent der Teilnehmer gaben an, innerhalb der letzten 12 Monate an der Lotterie teilgenommen zu haben. An zweiter Stelle positioniert sich mit einer Teilnahme von 12,6 Prozent die Sparte Social Gambling. Casinospiele wie Blackjack oder Roulette hatten einen Anteil von 9,4 Prozent und liegen damit auf dem dritten Platz, gefolgt von Fußball- und Basketballwetten mit 7,6 Prozent. Das Schlusslicht bilden Spielautomaten, die Beteiligung liegt hier bei nur 4,8 Prozent. Während die Teilnahmen an Wetten und Lotterien zunehmen, ist die Tendenz in diesem Feld eher absteigend.

Mit der insgesamt sinkenden Spielteilnahme geht im Übrigen auch ein Rückgang des problematischen Spielverhaltens einher. Nur 16 (oder 0,8 Prozent) der 2.003 Befragten klassifizierten sich selbst als „wahrscheinlich gestörte Spieler“, im Jahr 2016 lag der Anteil hingegen noch bei 2,5 Prozent. Gleichzeitig sinkt auch die Behandlungsquote problematischer Spieler in diversen medizinischen Behandlungszentren.

Zudem wurden erstmals Arcade-Spiele mit Token oder Punkten, die in Geld umgewandelt werden können, in die Umfrage aufgenommen. Hier zeichnet sich eine Teilnahmequote von 0,7 Prozent ab. Trotz der vergleichsweise geringen Beteiligung warnt die Universität an dieser Stelle vor einer unterschätzten Gefahr bei Arcade-Spielen, wobei es sich um münzbetriebene Unterhaltungsautomaten á la Flipper handelt. Demnach würden die Risiken für ohnehin problematische Spieler besonders in dieser Sparte unterschätzt. Ein Autor der Studie erklärt:

“Selbst bei einer so niedrigen Teilnahmequote werden gestörter Spieler registriert, die sich an dieser Aktivität beteiligen. Das Ergebnis verdient Aufmerksamkeit, die Bewohner können an dieser Art von Glücksspiel leicht in jeder Gemeinde teilnehmen. Die Teilnahme ist sehr bequem und geht an staatlichen und nichtstaatliche Zentren zur Prävention und Behandlung von Glücksspielstörungen vorbei.”

Ist Rauchverbot verantwortlich?

Wie bereits angedeutet werden die sinkenden Umsätze vor allem auf Verluste im VIP-Baccarat-Geschäft zurückgeführt. VIP-Baccarat-Angebote werden in 45 Casinos von Macau offeriert. Häufig geht das VIP-Glücksspiel für Highroller mit dem Konsum von Alkohol und Tabakwaren einher. Laut Zeng Zhonglu vom örtlichen Zentrum für Glücksspiel- und Tourismusforschung ist der aktuelle Abwärtstrend daher auf die stringente Nichtraucherpolitik der Glücksspielmetropole zurückzuführen.

Das Rauchen in den öffentlich zugänglichen Bereichen der Casinos wurde schon 2013 untersagt, seit Anfang des Jahres gilt das Verbot nun auch in den VIP-Räumen. Wer rauchen möchte, muss dafür die entsprechenden Raucher-Lounges der Casinos aufsuchen. Der Forscher sieht hier einen klaren Zusammenhang zwischen dem Rauchverbot und dem Verlust der Spielfreude. Gegenüber der Tageszeitung Macau Daily Times hieß es diesbezüglich:

“Wenn Sie ein Spieler sind und rauchen möchten, werden Sie von den Casinos gebeten, draußen zu rauchen und verlieren ihr Interesse am Spiel.”

Wachsende Konkurrenz im Umland

Ein weitere Grund für die sinkenden Umsätze ist die wachsende Konkurrenz in der südostasiatischen Region. Australien wirbt regelmäßig vor allem chinesische VIP-Spieler ab, damit diese ihr Geld zum Beispiel bei Crown Resorts ausgeben. Zudem reformiert auch Kambodscha zurzeit seinen Glücksspielmarkt, um Macau Konkurrenz zu machen, wird derweil der Bau eines Megacasinos im Wert von 3,5 Mrd. US-Dollar vorangetrieben. Ziel ist es auch hier, insbesondere chinesische VIP-Spieler anzulocken.

Da Glücksspiele, mit Ausnahme der staatlichen Lotterien, in China illegal sind, werden chinesische Bürger dazu gezwungen ins Umland auszuweichen, um in Casinos zu spielen. Die weiteren Entwicklungen in der Region bleiben vorerst abzuwarten.

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