Las Vegas startet Wiedereröffnung

Nach 78 Tagen im Corona-Lockdown hat das US-Glücksspieldelta Las Vegas die Wiedereröffnung seiner Casinos eingeleitet. Vor den Eingängen haben sich Schlangen gebildet, die Corona-Schutzverordnungen waren laut Presseberichten kaum einzuhalten. Trotz des Ansturms ist davon auszugehen, dass die Glitzerstadt einige Zeit brauchen wird, um sich von den Auswirkungen der Pandemie zu erholen.

Der Las Vegas Strip bei Nacht.

Die Hotels am legendären Las Vegas Strip sollen bereits zu 70 Prozent gebucht sein. ©ngd3/Pixabay

Las Vegas Lichter leuchten wieder

Nachdem die Staaten Louisiana und Mississippi ihre Casinos bereits Ende Mai wiedereröffnen durften, folgt nun der Glücksspielstaat Nevada, welcher sich damit 78 Tage lang im Corona-Lockdown befand. Schon kurz nach Mitternacht (04.06.) begannen einige Casinobetreiber damit, ihre Pforten zu öffnen. Der berühmte Springbrunnen vor dem Bellagio-Hotel am Las Vegas Strip erwachte am Donnerstagmorgen wieder zum Leben.

Immer mehr Casinos öffneten im Tagesverlauf. Zu den Etablissements der ersten Stunden gehörten das Bellagio, Ceasars Palace, The Venetian, Flamingo, Sahara, New York, Harrah’s, Circus Circus, Treasure Island und Golden Nugget. Mit einer besonderen Marketingaktion machte das D-Casino auf sich aufmerksam: 2.000 Flüge aus 30 Destinationen der USA wurden zum Auftakt an buchungsfreudige Gäste verschenkt. 12.000 Bewerbungen sollen eingegangen sein.

Das D-Casino war auch eines der ersten, das bereits um kurz nach Mitternacht von maskierten Mitarbeitern geöffnet wurde. Die zahlreichen Gäste hatten draußen auf der Freemont Street sogar einen Countdown angestimmt. Viele Besucher schienen sich über die Bedrohung, die das Coronavirus darstellen könnte, jedoch keine Sorgen mehr zu machen. Nach der Öffnung drängten sie vorwiegend ohne Masken in Richtung Casino.

Infektionsschutz für Gäste zweitrangig?

Laut Berichten von ABC News haben sich im Verlauf immer mehr Schlangen vor den Eingängen der Casinos gebildet. Von Social Distancing sei kaum noch etwas zu bemerken gewesen. Dies obwohl das Nevada Gaming Control Board (NGCB) im Vorfeld strenge Vorschriften herausgegeben hatte, die die Ansteckungsgefahr von Covid-19 minimieren sollen.

Auch hatten einige große Betreiber wie Caesars oder Wynn eigene Pläne zur Wiedereröffnung präsentiert. Im Großen und Ganzen haben sich die Casinos an die eigenen Vorschriften gehalten, so wurden unter anderem Temperaturkontrollen an den Gästen vorgenommen. Die Mitarbeiter trugen zudem allesamt Atemschutzmasken. Zwischen den Spieltischen und Spielautomaten wurden Abstände eingerichtet und Trennscheiben installiert.

Darüber hinaus wies man auf regelmäßige Desinfektionen hin. Mehr als die Hälfte der Gäste hatte jedoch auf das Tragen von Atemschutzmasken verzichtet, zudem sei es zu Drängeleien an den Spieltischen gekommen. Die nur schwer kontrollierbare Situation wurde von einigen Besuchern per Video dokumentiert und über Twitter veröffentlicht. Die nationale Glücksspielbehörde hat zu den Regelverstößen bisher keine Stellung bezogen.

Ist Coronavirus unter Kontrolle?

Die strengen Auflagen des NGCB sind begründet, denn Nevada wurde von der Covid-19-Pandemie schwer getroffen. Clark County, wo Las Vegas liegt, weist nach wie vor die höchste Anzahl an Corona-Fällen im gesamten Bundesstaat auf. Noch am Donnerstagmorgen wurden dort 6.923 Infektionen gezählt, während in ganz Nevada nach Angaben des Gesundheitsministeriums 8.935 Fälle registriert wurden.

Insgesamt kam es in Nevada bis zum Tag der Wiedereröffnung zu 429 Todesfällen. Davon sind 355 Todesfälle ebenfalls in Clark County zu verzeichnen. Obendrein kam es in Clark County Anfang letzter Woche zu weiteren neun Todesfälle und 78 neuen Infektionen. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte ist laut The Las Vegas Review-Journal allerdings in den letzten Wochen weiter zurückgegangen, ebenso wie die Infektionsrate.

Tatsächlich scheinen die Covid-19-Neuerkrankungen und –Todesfälle in Nevada nicht dramatisch anzusteigen, jedoch gehen sie auch nicht wirklich zurück. Der Bundesstaat hat im vergangenen Monat einen konstanten Durchschnitt von neuen Fällen pro Tag aufrechterhalten. Aufgrund der Wiedereröffnung ist daher besondere Vorsicht geboten, denn nicht nur für die Casinos, auch für die Gemeinschaft und den Staat steht momentan viel auf dem Spiel.

Langsamer Weg aus der Krise

Es steht außer Frage, dass der monatelange Casino-Shutdown in Las Vegas massive wirtschaftliche Schäden angerichtet hat. Die Zeitung Las Vegas Review-Journal sprach zwar von einem Aufwärtstrend bei Reisen und Buchungen für Las Vegas, doch bis sich das Glücksspieldelta von den Auswirkungen der Pandemie erholt, dürfte einige Zeit vergehen.

Die Glücksspielindustrie und der Tourismus sind für Las Vegas und ganz Nevada essenziell. Das sogenannte Las Vegas Valley bietet allein über 150.000 Hotelzimmer. Vor der Corona-Krise machten die Casinos monatlich rund 1 Mrd. US-Dollar Gewinn. Die hohen Steuereinnahmen erlaubten es dem Staat sogar, auf Einkommenssteuern von Privatpersonen zu verzichten. Dennoch konnte Nevada stets eine überdurchschnittliche Infrastruktur aufrechterhalten.

2020 erwirtschaftete die Glücksspielindustrie bisher nur rund 3,6 Mio. US-Dollar, ein Verlust von 99,6 Prozent im Vorjahresvergleich. Auch nach den Lockerungen dürfte sich das Geschäft schwierig gestalten. An den Spieltischen ist die Personenanzahl beschränkt, beim Blackjack dürfen nur vier statt sieben Spieler teilnehmen. Jeder zweite einarmige Bandit muss leer bleiben. Auch Nachtclubs, Shows und Buffets fallen vorerst noch aus.

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Die Casino-Freiheitsstatue von Las Vegas.

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