IBIA: 270 verdächtige Wetten 2020

Die Themen Wettmanipulation und illegale Spielabsprachen werden in der Welt des Sports und des Glücksspiels gleichermaßen diskutiert. Nun hat die Kontrollinstanz IBIA (International Betting Integrity Association) ihren Integritätsbericht 2020 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass letztes Jahr 270 verdächtige Aktivitäten gemeldet wurden. Trotz Coronakrise ist eine Zunahme gegenüber 2019 zu verzeichnen. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Eine Tennisspielerin beim Aufschlag.

Die Sportart Tennis verzeichnet nach wie vor die höchste Rate an Warnmeldungen. ©Ichigo121212/Pixabay

Zunahme im Tischtennis und eSports

Um illegalen Wettaktivitäten vorzubeugen, hatte die IBIA erst im Oktober ihre Datenschutzstandards erhöht. Nun liegt der aktuelle Integritätsbericht vor, wonach 2020 270 verdächtigte Wettveranstaltungen registriert wurden. Diese Anzahl ist ein Anstieg um 47,5 Prozent im Vergleich zu 2019, als 183 Fälle gemeldet wurden. Die Zahlen entsprechen dem gleichen Niveau wie in den Jahren 2017 und 2018. Die Verteilung ist jedoch unterschiedlich.

Wie aus dem Bericht hervorgeht betrafen die Warnmeldungen 48 verschiedene Sportarten. Dabei sind die Meldungen für Tischtennis und eSports 2020 besonders stark angestiegen. In diesen beiden Feldern sind laut IBIA lukrative Wettmärkte entstanden, da andere Sportarten aufgrund der Coronakrise aussetzen mussten. Am häufigsten betroffen waren jedoch nach wie vor Tennis mit 98 Meldungen und Fußball mit 61 Meldungen.

Die Sparte Tischtennis generierte 44 Warnmeldungen – im Jahr 2019 waren es lediglich fünf. Davon erfolgten 26 Warnmeldungen allein im zweiten Quartal des Jahres. eSports verzeichnete hingegen 28 Warnmeldungen, verglichen mit nur drei im Jahr davor. 26 Warnmeldungen erfolgten dabei im zweiten und dritten Quartal des Jahres. Diese waren am stärksten von den Auswirkungen der Pandemie betroffen.

2020 war ein turbulentes Jahr für viele Sektoren, einschließlich der Wettbranche, so Khalid Ali, CEO der IBIA. Die Industrie habe ihre Angebote aufgrund der globalen Sportsperre anpassen müssen. Infolgedessen habe die IBIA ihre Integritätsüberwachung auf neue Arten von Sportturnieren und Wettbewerben, zum Beispiel eSports, ausgerichtet. Man habe versucht, mit neuen Interessensgruppen zusammenzuarbeiten, um mögliche Integritätsprobleme aufzudecken und diese durch eine Reihe von Maßnahmen zu lösen. Dazu gehöre auch die Förderung des Datenschutzes in Bezug auf die Erfassung von Sportdaten für Wettanbieter.

Welche Länder waren am stärksten betroffen?

Die meisten Warnmeldungen, nämlich 141, betrafen Sportveranstaltungen in Europa, wobei Tischtennis in der Ukraine und Tennis in Russland mit 25 beziehungsweise 15 Warnmeldungen an der Spitze stehen. Tischtennis in Russland führte zu weiteren 13 Warnmeldungen.

Es folgt Asien, insbesondere Vietnam, mit 45 Warnmeldungen, meistens im Bereich Fußball. Danach kommen Nordamerika und Afrika mit jeweils 22 Warnmeldungen, meistens im Bereich Tennis, wobei die Spiele in den USA und in Tunesien am häufigsten betroffen waren. Die restlichen 12 Meldungen entfielen auf den südamerikanischen Fußball.

Basierend auf den 270 Meldungen, die der IBIA vorliegen, erhielten insgesamt 12 Spieler oder Teams entweder sportliche oder strafrechtliche Sanktionen. Einige Spieler erhielten aufgrund von Matchfixings sogar lebenslange Sperren, die meisten davon Tennis. Das Integritätsgremium des Tennissports – TIU (Tennis Integrity Unit) – hatten innerhalb der letzten Monate beinahe wöchentlichen Sperren ausgesprochen.

Alle Warnmeldungen wurden durch die Mitgliedsunternehmen der IBIA generiert. Dazu gehören Marktgiganten wie Bet365, Betfred, LeoVegas oder Paddy Power. Sobald eine verdächtige Wette platziert wird, zum Beispiel, wenn der gesetzte Betrag auffallend hoch ist, schlagen die Sicherheitssysteme der Firmen Alarm. Die Warnmeldung wird dann an die IBIA weitergeleitet. Wenn weitere Untersuchungen nötig sind, werden entsprechende Dachverbände, Aufsichtsbehörden und -gremien eingeschaltet. Laut CEO Ali sei die Vermeidung von Spielmanipualtionen in der Sportwelt ein wichtiges Thema, weshalb die Best Practice-Standards weltweit erhöht werden.

Manipulationen im Tennis problematisch

Vor dem Hintergrund der Coronakrise hatte Europol bereits im August 2020 vor eine Zunahme an illegalen Spielabsprachen gewarnt. Europol stellte dabei vor allem die Sportart Tennis als Problemfeld heraus. Die Zahl der Matchfixings im Tennis habe binnen letzter Jahre erheblich zugenommen. Im Jahr 2016 wurden lediglich 11 Spiele manipuliert, im Jahr 2017 waren es schätzungsweise 236, wobei dieser Wert bis 2018 wieder leicht auf 191 gesunken ist.

Ein noch dramatischeres Bild zeichnet ein Report des ZDF aus Januar: Dem Sender wurde eine Skandalliste zugespielt, auf dem dutzende manipulierte Tennisspiele aufgeführt werden. Sowohl Männer als auch Frauen sind involviert. Bei allen Partien hatten die Warnsysteme von Buchmachern Alarm geschlagen, da verdächtige Einsätze platziert wurden.

Befragt wurde hierzu der Schweizer Tennisprofi Johan Nikles (23), der sich im ATP-Ranking momentan auf Platz 500 befindet. Er bestätigte die Problematik und erklärte, dass die Liste nur die Spitze des Eisbergs sei. Grund für die Zunahme seien die geringen Verdienstmöglichkeiten für Tennisspieler, die nicht zu den Topspielern zählen. Dementgegen sei es besonders leicht mit illegalen Spielabsprachen viel Geld in kurzer Zeit zu verdienen.

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