FIFA geht gegen Spielmanipulation vor

Der international Fußballverband FIFA sieht die Integrität des Fußballs durch die Coronakrise gefährdet und hat ein Abkommen mit UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) beschlossen. Illegalen Spielabsprachen und Wettmanipulationen soll damit Einhalt geboten werden. Erst im September hatte der Verband eine Integritäts-App gelauncht, womit verdächtige Aktivitäten gemeldet werden können. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Ein gefülltes Fußballstadion während eines Spiels.

Das Integritätsgremium GLMS meldete einen enormen Anstieg verdächtiger Wettaktivitäten im Q3. ©12019/Pixabay

Entschlossener Kampf gegen Korruption

Der Fußballverband FIFA (Fédération Internationale de Football Association) kooperiert ab sofort mit dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), um gegen sogenannte Matchfixings vorzugehen. Das Abkommen wurde am Internationalen Tag der Korruptionsbekämpfung (09. Dezember) beschlossen und soll dazu ermutigen, sich zum Thema Spielmanipulation zu äußern. Anlass ist eine Zunahme verdächtiger Aktivitäten vor dem Hintergrund der Coronakrise.

Die Partnerschaft zielt in erster Linie darauf ab, das Bewusstsein für die vertraulichen Meldeplattformen von FIFA zu stärken. Spieler, Trainer und Funktionäre sollen lernen, illegale Spielabsprachen zu erkennen, sich dagegen wehren und diese umgehend melden. Die Organisationen ermutigen jeden, mutmaßliche Spielfixer auffliegen zu lassen. Meldungen können über die FIFA-Webseite, per E-Mail oder eine neuartige Integritäts-App erfolgen.

Laut FIFA erzeuge die globale Gesundheitskrise und die damit verbundene wirtschaftliche Unsicherheit ein erhöhtes Integritätsrisiko für Spieler und Vereine auf der ganzen Welt. In diesem Sinne wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, die Integrität in erhöhtem Ausmaß zu schützen. Kampagnenträger sind unter anderem die chinesische Jahrhundertspielerin Sun Wen, der kolumbianischen Verteidiger Iván Córdoba und die deutsche Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus.

Es gibt kaum Themen, die in der Welt des Sports und des Glücksspiels zurzeit so stark diskutiert werden wie Spielabsprachen und Wettmanipulation. FIFA-Präsident Gianni Infantino bezeichnete die Kampagne daher als starke Botschaft, man wolle absolutes Engagement und Entschlossenheit beweisen. In Zeiten der Coronakrise sei es von entscheidender Bedeutung mit Partnern wie UNODC zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Spieler, Trainer und Offizielle Vertrauen in die Organisation haben und Integritätsprobleme ansprechen.

Bereits im September unterzeichnete FIFA ein Memorandum of Understanding (MoU) mit UNODC, um das Engagement im Kampf gegen Korruption zu stärken. Das MoU befasst sich aber nicht nur mit den Gefahren von Spielabsprachen, sondern legt den Fokus auch auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen, die durch Programme wie FIFA Guardians vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden sollen.

Sport spielt wichtige soziale Rolle

UNODC-Exekutivdirektor Ghada Waly meldete sich ebenfalls zu Wort und stellte die Bedeutung von Sport und Sportveranstaltungen für die Gesellschaft in den Vordergrund. Sport spiele für das Wohlergehen von Gemeinschaften sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus sozialer Sicht eine wichtige Rolle. Dies gelte insbesondere in Zeiten der Pandemie, weshalb man zusammenhalten müsse, um die Integrität des Sports zu bewahren.

Aus diesem Grund habe man sich mit FIFA zusammengeschlossen, hierbei gehe es um die Verhinderung, Aufdeckung, Meldung und Sanktionierung von Matchfixings und anderen Formen der Korruption im Sport. In Zusammenarbeit mit Regierungen, Sportorganisationen und Interessengruppen müsse auf den bewährten UN-Konventionen aufgebaut werden. Sport sei zum Wohle der Allgemeinheit fair und sauber zu halten.

Zunahme an verdächtigen Aktivitäten

Für zusätzliches Feuer sorgte zuletzt ein Bericht des Integritätsgremiums GLMS (Global Lottery Monitoring System), wonach sich die Meldungen verdächtiger Wettaktivitäten im dritten Quartal 2020 fast verdoppelt haben. Insgesamt kam es zu 452 Warnungen in diesem Zeitraum, was einem Anstieg von 116,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Die Hintergründe von 44 der gemeldeten Vorfälle waren dabei völlig unklar und erforderten einschlägige Untersuchungen. Dies markiert ebenfalls einen Anstieg von 91,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Von den 44 gemeldeten Spielen betrafen 41 die Sportart Fußball.

Europäischer Fußball ist Spitzenreiter

Von den Warnungen gingen 15 an den europäischen Fußballverband UEFA, 11 an den Weltfußballverband FIFA, 15 an die schweizerische Glücksspielbehörde Comlot und 12 an andere Behörden. Einige Warnungen wurden gleich mehreren Behörden mittgeteilt. Auch im Gesamtvergleich dominierte die Sportart Fußball mit insgesamt 370 Meldungen.

Um Korruption und Spielabsprachen einzudämmen, hatte auch der Glücksspielverband für Wettintegrität IBIA (International Betting Integrity Association) neue Standards für den Datenschutz festgelegt. Ein Großteil der neuen Vorgaben bezieht sich auf die Protokollierung der Geschäftsvorgänge und die Nachvollziehbarkeit der Datensätze, welche den Wettanbietern zur Verfügung gestellt werden. Da in beiden Feldern ein allgemeiner Mangel an Regulierung festzustellen sei, wird ein höheres Maß an Genauigkeit und Transparenz gefordert.

Wie aus dem letzten GLMS-Bericht hervorgeht, ist Europa Spitzenreiter bei verdächtigen Wettaktivitäten, dort kam es allein zu 298 Meldungen. Asien verzeichnete mit 71 die zweithäufigsten Warnmeldungen: 55 im Fußball, 15 im Basketball und eine im Baseball. In Nordamerika kam es hingegen zu 38 Warnmeldungen, während in Afrika zehn Meldungen eingingen. Ob das Engagement der FIFA tatsächlich zu einer Eindämmung führt, bleibt vorerst abzuwarten.

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