Corona legt Italiens Glücksspiel lahm

Die Abschottung Italiens aufgrund des Coronavirus (Covid-19) hat erhebliche Auswirkungen auf den Glücksspielsektor. Betroffen ist vor allem der Einzelhandel, unter anderem musste Playtech (Isle of Man) sämtliche Snaitech-Filialen schließen. Außerdem wurde die italienische Glücksspielmesse Enada Primavera verschoben. Hier ein Überblick zur Entwicklung.

Die Innenstadt von Rom am Abend.

Die italienische Wirtschaft steht zurzeit still, teils gelten Ausgangssperren. ©DylanFreedom/Unsplash

Glücksspielstätten geschlossen

Die jüngste Entscheidung der italienischen Regierung, das gesamte Land Italien aufgrund der Corona-Epidemie zur Sperrzone zu erklären, wird sich nach Ansicht von nationalen Branchenexperten besonders stark auf den italienischen Glücksspieleinzelhandel auswirken. Laut Alessio Crisantemi, Korrespondent von Gioconews.it, seien die langfristigen Folgen zurzeit kaum absehbar.

Die eingeleiteten Maßnahmen führen dazu, dass die meisten Freizeiteinrichtungen, darunter die Wettbüros, Spielhallen, Casinos und Bingohallen des Landes, geschlossen bleiben müssen. Dasselbe gilt für Diskotheken und Kneipen. „Dieses Nachtleben, wir können es nicht mehr erlauben“, so Ministerpräsident Giuseppe Conte, der die landesweite Quarantäne am Montag (09.03.) anordnete, um einer Ausbreitung der Lungenerkrankung entgegenzuwirken. Die Vorschriften gelten mindestens bis zum 03. April.

Darüber hinaus existieren Moratorien für etwaige öffentliche Veranstaltungen, welche für die Glücksspielindustrie und vor allem für Wettanbieter von größter Bedeutung sind. Betroffen sind zum Beispiel sämtliche Sportveranstaltungen, einschließlich der Spiele der Serie A. Auf allen Seiten werden millionenschwere Verluste befürchtet.

Spielen in Tabakshops und Restaurants?

Laut Crisantemi bedeuten die Maßnahmen aber nicht das völlige Aus für den Glücksspieleinzelhandel. Der Journalist verwies darauf, dass sich viele Spielautomaten zum Beispiel in Tabakläden, Restaurants und Hotels befinden. Für diese Orte gelten zwar strenge Öffnungszeiten zwischen 6 Uhr morgens und 18 Uhr abends, dennoch seien die Automaten innerhalb dieses Zeitraums aktiv.

Die Betreiber müssten lediglich einen Abstand von mindestens einem Meter zwischen den Gästen sicherstellen. Dasselbe gelte für Wettschalter in Tabakläden. Crisantemi fügte hinzu, dass derzeitig allerdings noch „interpretative Zweifel“ darin bestehen, ob Veranstaltungsorte wie Tabakläden oder Restaurants, die separate Räume für Spielautomaten beherbergen, geöffnet bleiben dürfen oder nicht. Dasselbe gelte für Privatclubs, in denen das Glücksspiel lediglich eine Nebentätigkeit ist.

Obwohl die Freizeiteinrichtungen technisch gesehen nicht als „Spielhallen“ gelten, könnten sie laut Crisantemi dennoch als solche eingestuft werden, da sie Arten des Glücksspiels anbieten. Dies hätte möglicherweise eine Schließung im Rahmen der Sperrverfügung zufolge.

Alle Snaitech-Filialen dicht

Eine der bekanntesten betroffenen europäischen Anbieter ist der britische iGaming-Provider Playtech. Mitte 2018 hatte das Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung an dem italienischen Buchmacher Snaitech erworben. Laut Playtech-Vorstandschef Mor Weizer sollte die Transaktion eigentlich eine Eintrittskarte auf den wachsenden italienischen Glücksspielmarkt darstellen, jetzt stehen jedoch alle Betriebe still.

Playtech betonte, dass alle angeordneten Maßnahmen verantwortungsbewusst einhalten werden, fügte jedoch hinzu, dass die Online Aktivitäten der Marke weitergeführt werden sollen. Diese könnten dazu beitragen, die negativen Auswirkungen der Einzelhandelsschließungen zu mildern.

Darüber hinaus erklärte Playetch, dass die Unternehmenstochter TradeTech seit Jahresbeginn „eine sehr starke Leistung“ gezeigt habe, was den drohenden Rückgang der Einzelhandelseinnahmen in Italien ebenfalls ausgleichen würde. Konkrete Zahlen über die potenziellen Auswirkungen der Corona-Epidemie auf die Einnahmen wurden bislang aber nicht bekannt.

Klar ist jedoch, dass Playtech auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurückblicken kann. Die Gesamtumsätze stiegen um 23 Prozent und kletterten auf 1,51 Milliarden Euro. Dabei wuchs das bereinigte EBITDA um 11 Prozent, ein Anstieg auf 383,1 Millionen Euro.

Mit Blick auf das Jahr 2020 erklärte Playtech, dass das Coronavirus, sollte sich die Situation weiter verschlechtern, ein potenzielles Risiko für seine Lieferketten darstellen könnte. Zuletzt hatte sich die Lage dramatisch zugespitzt. Aktuell zählt Italien knapp 10.000 infizierte Personen, es kam bereits zu 460 Todesfällen.

Glücksspielmesse verschoben

Wegen des hohen Risikos wurde zuletzt auch die Glücksspielmesse Enada Primavera auf Mitte April verschoben. Eigentlich sollte die Messe vom 11.03. bis zum 13.03. in Rimini stattfinden. Laut Management fiel die Entscheidung aufgrund des „aktuellen Gesundheitsnotstandes“.

Die Veranstaltung zählt zu den größten Branchengipfeln Europas und wird jährlich von über 25.000 Gästen besucht, darunter renommierte Branchenvertreter und etliche Gaming-Fans. Präsentiert werden die neuesten Technologien aus der Welt des Glücksspiels. Ob das Virus bis zum neuen Termin besiegt ist, bleibt vorerst abzuwarten.

Bedeutsamer Wirtschaftsfaktor

Obwohl Italien über eines der strengsten Glücksspielgesetze Europas verfügt – unter anderem gilt ein Verbot von Glücksspielwerbung – bildet der Glücksspielsektor einen der größten Wirtschaftszweige. Dieser macht rund vier Prozent des italienischen Bruttopinlandsprodukts (BIP) aus. Das Land zählt allein über 40.000 registrierte Spielautomaten.

Laut Aussagen des italienischen Finanzamts (Agenzia delle Dogane) setzten die Italiener 2018 etwa 18,9 Mrd. Euro für diverse Glücksspielaktivitäten ein. Rund 10,4 Mrd. Euro gingen an den Fiskus, was einen Anstieg um 0,97 Prozent im Vorjahresvergleich markiert. Aufgrund der Fußball-WM wurde der Großteil der Einnahmen im Bereich Sportwetten generiert.

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