Schweizer Online Poker: Kritik an ESBK

Trotz des neuen Schweizer Geldspielgesetzes, dass Online Casinos für landbasierte Spielbanken erlaubt, finden die Spieler immer noch kaum Angebote für Online Poker. Dafür kritisiert der nationale Pokerverband (Spov) nun die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK). Dieser wird eine langsame Arbeitsweise vorgeworfen, obwohl die Behörde vor der Abstimmung ein Versprechen erteilte, Online Poker rasch einzuführen. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

 Alt Text:    Spielkarten und Laptop auf einem Tisch.

Laut Spov hat die ESBK bisher nur mit Ausflüchten auf etwaige Online Poker-Anfragen reagiert. ©ErikLucatero/Unsplash

Kunden müssen immer noch illegal spielen

Die Schweiz blickt derweil auf eine erfolgreiche Etablierung von Online Casinos, dennoch hat die zuständige Glücksspielbehörde ESBK immer noch keine Bewilligung für legales Online Poker erteilt. Die Spielform sollte eigentlich mit dem neuen Geldspielgesetz des Landes ermöglicht werden, attraktive Angebote suchen die Spieler jedoch vergeblich. Vereinzelt werden Pokerturniere inzwischen von landbasierten Casinos angeboten, dies aber meist zu unvorteilhaften Konditionen.

Inzwischen sind zwei Jahre seit der Abstimmung zum Geldspielgesetz verstrichen. Obwohl die ESBK versprach, Online Poker schnell zu erlauben, müssen Spieler nach wie vor auf illegale Angebote zugreifen oder ins Ausland fahren. Das umstrittene Gesetz wurde per Volksentscheid beschlossen und sollte den Schwarzmarkt eigentlich schwächen. Der nationale Pokerverband Spov hat die ESBK nun scharf für ihre Versäumnisse kritisiert.

Spov-Präsident René Ruch, der sich seit Jahren für die Regulierung von Online Poker einsetzt, hat für die Verzögerungen kein Verständnis mehr. Es sei eine Frechheit, dass die Spieler immer noch nicht auf attraktive legale Angebote zugreifen können. Der ESBK, welche die Bewilligungen im millionenschweren Casinogeschäft sowie die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert, wirf der Präsident eine langsame Arbeitsweise vor.

Die ESBK soll sich laut Ruch zu viel Zeit bei der Bewilligung lassen. Immer wieder würde der Prozess durch neuauftauchende Hindernisse und eine übertriebene Gesetzesauslegung behindert. So soll das Casino Davos schon im Mai 2019 einen ersten Antrag für Online Poker gestellt haben, der Marktriese PokerStars wurde als Technologiepartner vorgeschlagen. Bis heute steht eine Zulassung aus. Dasselbe gelte für einen Antrag der Swiss-Casinos-Gruppe im Dezember, wobei Playtech als Partner benannt wurde.

Ausflüchte und inkorrekte Angaben?

Die Bewilligungen bleiben aus, obwohl die Einführung von Online-Pokerspielen im Sinne des Gesetzgebers liegt, der eine erfolgreiche Kanalisierung in den legalen Markt anstrebt. Spieler sollen laut Gesetz von illegalen oder nicht zugelassenen Webseiten abgezogen werden, da dort zumeist nur ein geringer Spielerschutz vorherrscht. Außerdem gehen dem Staat wertvolle Steuereinnahmen durch die Lappen.

Da ein legales Online Poker-Angebot jedoch nach wie vor aussteht, ist Spov-Präsident Ruch diesen Sommer erneut beim ESBK-Präsidenten Hermann Bürgi vorstellig geworden. Hierbei hat Ruch laut eigenen Aussagen Vorwürfe erhoben, dass die ESBK auf seine Anfragen bisher nur mir Ausflüchten und inkorrekten Angaben reagierte. In einer Antwort, die dem Spov Ende August vorgelegt wurde, sei die Behörde weiterhin unkonkret geblieben.

Genaue Zeitpunkte für die Freigabe sind demnach abermals nicht genannt worden. Die Behörde gab lediglich zu Protokoll, die Anfragen umgehend zu bewilligen, sobald alle nötigen Daten vorgelegt und die Gesetzesvorgaben eingehalten werden. Zurzeit seien die Voraussetzungen jedoch nicht gegeben. Die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern wie PokerStars, sei ein Grund für die Verzögerungen.

Laut Spov habe die ESBK auf Anfrage mitgeteilt, dass Partnerschaften mit ausländischen Anbietern zwar nötig wären, um genügend Online Pokerspieler zu generieren, die Anbindung der Schweizer Spielbanken an internationale Pokerplattformen sei jedoch viel aufwendiger als bei anderen Online Glücksspielen. Es sei wichtig, sichere und transparente Abrechnungen sowie eine umfassende Überwachung der Spieler garantieren zu können. Im Fall PokerStars wird die Kooperation zudem dadurch erschwert, dass das Unternehmen ein Referendum gegen das neue Geldspielgesetz unterstützt hatte.

Schweizer Glückspielmarkt im Wandel

Poker war in der Schweiz zehn Jahre lang verboten. Kleinere Turniere außerhalb der lizenzierten Spielbanken und Casinos durften bis Mai 2010 stattfinden, die ESBK stufte Poker zu diesem Zeitpunkt noch als Geschicklichkeitsspiel ein. Dann kam es zu einer Beschwerde des Schweizer Casinoverbandes, welchem vor dem Bundesgericht stattgegeben wurde. Fortan fiel Poker unter das Glücksspiel und damit auch unter das Geldspielgesetz.

Erst seit kurzem finden außerhalb der lizenzierten Spielbanken wieder landbasierte Turniere statt. So wurde kürzlich ein Turnier im Hotel Kreuz in Hochdorf, Kanton Luzern, ausgetragen. Vier Tische für je neun Spieler standen bereit. Das Buy-in lag bei 100 Franken, zusätzlich wurden 25 Franken als Stuhlgebühr erhoben, diese gingen an den Veranstalter. Das Event war ausgebucht.

ESBK hat Sperrliste erneut erweitert

Weitaus schneller als bei der Bewilligung von Online Poker-Lizenzen schreitet die ESBK bei der Ausweitung ihrer umstrittenen Blacklist voran. Hierbei handelt es sich um eine Sperrliste für nicht-lizenzierte ausländische Online Glücksspielanbieter, auf der mittlerweile weit über 200 Domains verzeichnet sind. Die Liste startete mit über 100 Einträgen im September 2019.

Im Januar 2020 kam es zu einer ersten Ergänzung von 35 Seiten, im März folgten weitere 40 und im Mai weitere 61. Ende August wurde die Liste um weitere 45 Seiten ausgedehnt. Hintergrund ist, dass das neue Gesetz nur ausländische Seiten zulässt, die über die landbasierten Spielbanken registriert sind (Casino Luzern, Casino Baden, Casino Davos, Casino Zürichsee). Auf der Liste befinden sich daher auch etliche seriöse Anbieter, so zum Beispiel Bet-at-home, Bet365 oder Interwetten.

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