Las Vegas Sands liebäugelt mit Tokio und Yokohama

Der Glücksspielgigant Las Vegas Sands Corp. (LVS) hat sich plötzlich aus dem Rennen um eine Casino-Lizenz im japanischen Osaka zurückgezogen und sich stattdessen um eine Lizenz in den beiden bevölkerungsreicheren Städten Yokohama und Tokio beworben. In punkto Glücksspiel befindet sich das Land Japan zurzeit in einem Liberalisierungsprozess. Hier die wichtigsten Infos.

Das Marina Bay Sands in Singapur.

Las Vegas Sands ist mit dem Marina Bay Sands in Singapur schon auf dem asiatischen Markt aktiv. (©Wikipedia)

Plötzlicher Richtungswechsel

Die Meldung kommt unerwartet: Der Marktriese LVS hat seine Bewerbung um eine Osaka-Lizenz zurückgezogen und gibt an, sich zukünftig auf den Erhalt einer Casino-Lizenz in Tokio oder Yokohama konzentrieren zu wollen. Noch im vergangenen Juni hatte der LVS-Manager George Tanasijevich in einem Interview mit Inside Asian Gaming betont, dass die Chancen für die beiden Städte Tokio und Yokohama an dieser Stelle „sehr gering“ ausfallen. Nun wurde jedoch veröffentlicht, dass LVS die „Gelegenheit zur Entwicklung eines integrierten Resorts in Osaka, Japan, nicht nutzen wird“.

Der plötzliche Perspektivwechsel des Unternehmens wurde am Donnerstag (22.08.) per Pressemitteilung bekannt gegeben. Mit Blick auf die Arbeitsprozesse der letzten Jahre bekundet CEO Sheldon G. Anderson hier seinen Dank an die rund 19 Mio. Einwohner zählende Region Kansai und die drittgrößte japanische Stadt Osaka. Im Wortlaut heißt es:

“In den letzten Jahren haben wir mit der Regierung von Osaka viele Gespräche über die Möglichkeit geführt, dort ein erstklassiges integriertes Casino Resort zu bauen. Wir danken den Menschen und der Regierung vor Ort für ihre Professionalität und wünschen ihnen viel Erfolg bei allen zukünftig geplanten Initiativen.”

Was die konkreten Gründe anbelangt, erklärt der Geschäftsführer weiterführend, dass die Entscheidung auf eine neue „langjährige Strategie“ zurückzuführen sei. Demnach wolle man vor allem das „organische Wachstum vorantreiben“, hierfür soll künftig besonders in die Standorte Macau, Singapur und Las Vegas sowie Tokio und Yokohama investiert werden, sofern das Unternehmen Lizenzen für die beiden japanischen Millionenmetropolen erhält. „Wir denken, dass eine Investition in Tokio oder Yokohama uns die beste Gelegenheit bietet, unsere Aktionäre durch neue Entwicklungsmöglichkeiten zu belohnen“, so Andersons abschließendes Kredo.

Mehr Wachstum durch Casino Resorts

Die Stadt Yokohama ist mit über 3,7 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Stadt Japans, sie liegt an der Tokyo Bay und ist nur etwa eine halbe Autostunde von der Hauptstadt Tokio (~ 9,6 Mio. Einwohner) entfernt. Laut dem US-amerikanischen Nachrichtendienst Bloomberg haben die Städte erst kürzlich bestätigt, Anträge für den Bau eines Casino Resorts anzunehmen.

Besonders Yokohama war aufgrund von regulatorischen Bedenken bislang nicht an der Ausstellung einer Casinolizenz interessiert. Zudem hatten sich im Rahmen einer Umfrage im letzten September ganze 97 Prozent der befragten Bürger gegen den Bau eines Casinos ausgesprochen. Der Umschwung der Regierung kommt somit ebenfalls unerwartet: „Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass wir ein Casino Resort brauchen, um Wachstum und Entwicklung zu erreichen“, so das klare Statement von Yokohamas Bürgermeister Fumiko Hayashi. Das Casino soll nun am städtischen Hafen (Yamashita Pier) errichtet werden.

Japans Glücksspielmarkt im Wandel

Der schätzungsweise milliardenschwere Markt Japan wird für internationale Casinoketten zurzeit immer interessanter. Eine im März verabschiedete Gesetzesnovelle stellte erstmals die Weichen für Casino Resorts durch internationale Anbieter. Nach einigen regulatorischen Verzögerungen kündigte die Regierung an, im Jahr 2020 vorerst drei Lizenzen an ausgewählte Betreiber zu vergeben.

Eine ganze Reihe weltweit bekannter Branchengrößen hat sich indessen um eine Lizenz beworben und eigene Konzepte bei den japanischen Behörden vorgestellt – darunter auch Caesars, Mohegan Sun, Melco, Hard Rock International, Wynn, Galaxy Entertainment und MGM. Letzterer plant unter dem Titel „MGM Japan“ sogar die Einführung eines japanischen Baseball-Sets in Kooperation mit der MLB (Major League Baseball).

Durch die Zustimmung von Tokio und Yokohama setzt sich der Liberalisierungsprozess in Japan nun weiter fort. Wie bereits angedeutet prognostizierten Politiker und Marktexperten eigentlich, dass Osaka der erste Standort in Japan sein wird, der ein eigenes Casino Resort erhält. Im Rest des Landes, vor allem in Tokio, sei man derweil mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 beschäftigt, so die offizielle Begründung.

Auch die benannten Unternehmen hatten der Stadt Osaka einstimmig „oberste Priorität“ zugesprochen. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Region um Osaka insgesamt 15 Prozent der gesamten japanischen Bevölkerung ausmacht. Zudem gilt die Region als internationales Ballungs- und Touristenzentrum. Allein 2017 wurden hier über 11 Mio. Besucher aus den USA gezählt.

Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass sich die Glücksspieleinnahmen in Osaka jährlich auf über 5 Mrd. US-Dollar belaufen könnten. Sobald alle drei Casinos eingerichtet sind, sollen sich Japans Brutto-Gaming-Einnahmen auf insgesamt 20 Mrd. US-Dollar pro Jahr belaufen, so die Vorhersagen der asiatischen Broker- und Investmentfirma CLSA.

Japan könnte somit zum zweitgrößten Glücksspielmarkt Asiens nach Macau avancieren. Vor 2026 sei aus regulatorischen und organisatorischen Gründen jedoch nicht mit der Eröffnung eines der Casinos zu rechnen, heißt es laut Bloomberg. Die Entwicklungen bleiben an dieser Stelle abzuwarten.

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