Kündigungen bei Novomatic

Der österreichische Glücksspielkonzern Novomatic AG plant 120 Entlassungen an seinem Hauptstandort Gumpoldskirchen. Ein Sozialplan legt fest, wie mit den Betroffenen verfahren wird. Durch die Coronakrise hat Novomatic hohe Verluste zu verbuchen, doch auch die Strache-Affäre setzt dem Unternehmen zu. In den Medien wächst zugleich die Kritik gegen die Kündigungen. Schafft es der europäische Marktführer die Misere abzuwenden?

Die Spielautomaten einer herkömmlichen Spielhalle.

Spielautomaten bilden das Hauptgeschäft des Konzerns, doch die meisten Spielhallen sind dicht. ©LeeThomas/Unsplash

Geschäfte stehen teilweise still

Die Coronakrise fordert weiterhin ihren Tribut in der Glücksspielbranche. Ähnlich den Casinos Austria hat nun auch der Glücksspielgigant Novomatic einen Stellenabbau beschlossen, um den negativen Auswirkungen der Pandemie entgegenzuwirken. Am Hauptstandort Gumpoldskirchen werden zehn Prozent der Jobs gestrichen, dies entspricht 120 Vollzeitstellen. Die Betroffenen wurden bereits letzte Woche beim österreichischen AMS (Arbeitsmarktservice) angemeldet.

Laut Aussagen des Unternehmens sei ein detaillierter Sozialplan erarbeitet worden, um die Betroffenen auf ihrem Weg zu unterstützen. Die schwerwiegende Entscheidung sei vor allem darauf zurückzuführen, dass weltweit Spielhallen und Casinos geschlossen sind oder mit drastischen Einschränkungen wie Sozialer Distanzierung und Sperrstunden zu kämpfen haben. Zudem hätten viele Menschen weniger Geld, weshalb die Teilnahme am Glücksspiel rückläufig sei.

Laut Vorstandschef Johannes Gratzl seien von den Lockdowns in Europa auch zahlreiche Spielstätten von Novomatic betroffen. Die Verluste bei internationalen Kunden lägen aktuell bei etwa 80 Prozent, das Gaming-Technologiegeschäft stehe praktisch still und damit auch der Hauptstandort Österreich. Das Niveau vor der Krise werde man wahrscheinlich erst wieder in einigen Jahren erreichen, eine Erholung ließe sich zurzeit nicht absehen.

Erst im letzten Jahr wurde Novomatic doppelt ausgezeichnet, unter anderem für sein Engagement im Bereich Mitarbeiter. Hierfür erhielt Novomatic das Vollzertifikat Audit BerufUndFamilie, welches von der Bundesministerin für Familie und Jugend, Juliane Bogner-Strauß, überreicht wurde. Umso überraschender sind die aktuellen Kündigungen. Diese ließen sich laut Gratzl jedoch nicht mehr abwenden, da die Kosten- und Kapazitätsanpassungen nicht ausreichend seien. Der Stellenabbau sei Teil eines umfassenden Transformationsprogramms, welches den Weg aus der Krise bahnen soll.

Kündigungen trotz 50 Mio. Euro Dividende

In den österreichischen Medien wird Novomatic derweil für die Kündigungen scharf kritisiert. Hintergrund ist unter anderem, dass der Stellenabbau erfolgen soll, obwohl der Konzern Staatshilfe erhalte. Ebenso hatte sich Alleinaktionär und Firmengründer Johann Graf im Juni eine Dividende von 50 Mio. Euro auszahlen lassen. Dies zu einem Zeitpunkt als 3.200 Mitarbeiter in Kurzarbeit waren.

Laut Aussagen des sozialdemokratischen Nachrichtenmagazins Kontrast könnte Novomatic ohne Staatshilfe und Stellenabbau durch die Coronakrise kommen, wenn Graf lediglich ein bis zwei Prozent seines Vermögens investieren würde. Auf Staatskosten seien die Angestellten stattdessen von April bis Oktober in Kurzarbeit geschickt worden. Schon die erste Chance habe man dazu genutzt, um 120 Kündigungen auszusprechen, so die harsche Kritik.

Gegenüber der niederösterreichischen Wochenzeitung NÖN erklärte Novomatic im Juni, dass man eine konservative Ausschüttungspolitik betreibe, um eine hohe Liquidität zu gewährleisten. Diese diene dazu, den Unternehmensstandort und Arbeitsplätze zu sichern. Dividenden seien auch in Zeiten von Kurzarbeit nicht auszuschließen. Die Kurzarbeit diene vor allem dem Erhalt der Arbeitsplätze, was bei Novomatic ein klardefiniertes Ziel sei.

Neben Dietrich Mateschitz, Rene Benko und Karl Wlaschek gilt Novomatic-Gründer Johann Graf (73) als einer der erfolgreichsten Selfmade-Milliardäre Österreichs und der Nachkriegszeit. Ähnlich dem deutschen Merkur-Inhaber Paul Gauselmann, erschuf Graf sein Glücksspielimperium in den 1970er Jahren wie aus dem Nichts. Auf der Liste von Forbes rangiert er zurzeit mit einem Vermögen von umgerechnet rund 6,5 Mrd. Euro auf Platz 230 der reichsten Menschen der Welt. In Österreich ist er momentan der Zweitreichste.

Umsatzverluste plus Strache-Affäre

Der Kritik am Stellenabbau entgegen, verweist Novomatic auf die massiven Umsatzeinbrüche, die durch die Schließungen der Spielhallen entstehen. Im ersten Halbjahr sei ein Verlust von 108,1 Mio. Euro zu verzeichnen. Der Umsatz für die sechs Monate bis zum 30. Juni ging im Vergleich zum Vorjahr um 36,1 Prozent auf 805,4 Mio. Euro zurück. Sowohl im Technologiesegment als auch im kundenorientierten Glücksspiel seien starke Rückgänge festzustellen.

Im Bereich Glücksspieltechnologie ging der Umsatz um 35,1 Prozent auf 313,5 Mio. Euro zurück, die Nachfrage nach Novomatic-Terminals und Spielautomaten ist momentan praktisch zum Erliegen gekommen. Parallel sanken die Einnahmen aus dem Spielbetrieb um 36,7 Prozent auf 490,6 Mio. Euro. Lediglich die Umsätze im Online Glücksspiel wachsen – hier liegt ein Plus von 78,2 Prozent auf 42,6 Mio. Euro vor.

Parallel zur Coronakrise wächst der Druck auf Novomatic durch die Auswirkungen der Strache-Affäre. Sogar von einem Teilrückzug aus Österreich war schon die Rede. Die Ermittlungen laufen, da der Konzern im Verdacht steht, Wahlkampfhilfen gegen Staatsaufträge angeboten zu haben. Außerdem sollen Bestechungen unternommen worden sein, um das österreichische Glücksspielgesetz und das Monopol der Casinos Austria zugunsten von Novomatic zu kippen.

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