Casinos Austria: Kündigungen stehen

Um sich gegen die Auswirkungen der Corona-Krise zu wehren, hatte der Sonderaufsichtsrat der österreichischen Casinos Austria Ende August den umstrittenen ReFIT-Plan beschlossen. Geplant wurde der Abbau von bis zu 500 Vollzeitstellen. Nach weiterführenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat steht nun ein Abbau von 350 Stellen fest. Betriebsratschef Manfred Schönbauer lehnt sich weiterhin gegen die Maßnahme auf. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Ein Casino-Dealer sortiert seine Pokerchips.

Laut Betriebsratschef Manfred Schönbauer hilft der Stellenabbau lediglich den Aktionären. ©Leuchtturm81/Pixabay

Pensionierungen und Teilzeitmodelle

Die Umsetzung des umstrittenen ReFIT-Plans ist bei den teilstaatlichen Casinos Austria momentan das Thema Nummer Eins. Vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Corona-Krise soll der Plan der Neuorganisation und Effizienzsteigerung des Unternehmens dienen. Die Sicherstellung der Profitabilität und die strategische Neuausrichtung steht dabei an oberster Stelle. Mit dem Plan geht jedoch ein vehementer Stellenabbau einher.

Ende September hatte die Casinokette 600 ihrer rund 1.700 Mitarbeiter beim österreichischen AMS (Arbeitsmarktservice) zur Kündigung angemeldet. Nach weiterführenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat, welcher den Plan massiv kritisierte und die Darstellungsweise der Verlustzahlen für übertrieben befand, ist nun klar, dass 350 Vollzeitstellen gestrichen werden. 45 Mio. Euro sollen dadurch eingespart werden.

Der Stellenabbau soll größtenteils durch einvernehmliche Lösungen, Pensionierungen und Teilzeitmodelle generiert werden. Gespräche mit den Beschäftigten, so die Unternehmensführung, werden derzeitig geführt und ausgewertet. Ein Rettungspaket dieser Größenordnung sei angesichts der momentanen Ausnahmesituation notwendig, das Unternehmen müsse für die Zukunft fit gemacht werden, so das Kredo des Aufsichtsrats.

Robert Chvatal, CEO der Sazka Group, der in der vergangenen Sitzung zum Nachfolger von Walter Rothensteiner als Vorsitzender des Aufsichtsrats gewählt wurde, formulierte die Situation positiv: Durch ReFIT ließen sich über 1.200 Arbeitsplätze retten. Zudem könne man auch die 12 Casino-Standorte erhalten, hierfür werde man die Gehaltkosten um 15 bis 20 Prozent senken. Die tschechische Sazka Group wurde infolge einer Bieterschlacht Anteilseigner an Casinos Austria, inzwischen hält sie über 55 Prozent.

Hilft Stellenabbau nur den Aktionären?

Diese Ansicht vertritt Betriebsratschef Manfred Schönbauer, der das Walten und Schalten des Konzerns weitaus weniger lapidar beurteilt als Robert Chvatal. Der Stellenabbau ließe sich zwar nicht gänzlich verhindern, dennoch könne man als Betriebsrat alles Erdenkliche leisten, um diesen sozialverträglicher zu gestalten. Die Einführung von Teilzeitmodellen und die Durchsetzung von Pensionierungen wird von Schönbauer daher prinzipiell begrüßt.

Wie die künftigen Mitarbeitermodelle aussehen, ist bis dato noch unklar. Viele Details stünden hierzu noch aus. Man habe sich jedoch bereits auf eine Arbeitszeitverkürzung verständigt, um Stellen zu retten. Wer sein Pensum um 50 Prozent reduziert, soll demnach immer noch 60 Prozent seines Lohns erhalten. Für freiwillige Aussteiger habe man ebenfalls gute Konditionen erzielt. Als Abfindung werden bis zu 39 Bruttogehälter gezahlt.

Ein grundlegendes Verständnis für die Kündigungen hat der Betriebsratschef jedoch nicht. 2019 sei für Casinos Austria das erfolgreichste Jahr überhaupt gewesen, so Schönbauer. Ein Großteil der Einnahmen wurden abermals im Onlinegeschäft erzielt, welches sich auch in Zeiten der Krise als nützlich erwiesen hat. Das ReFIT-Programm diene daher nur der Steigerung der Dividende und habe aus wirtschaftlicher Sicht keinen anderen Nutzen.

Der Aufsichtsrat gibt hingegen an, dass sich die Verluste ohne ReFIT bis 2021 auf 65 Mio. Euro summieren werden. Nicht nur Corona, auch ein seit November 2019 geltendes Rauchverbot sorge für Einbrüche. Außerdem würden die Winwin-Spielhallenmarke sowie die Auslandstochter Casinos Austria International Verluste einfahren. Die gesamten Spieleinnahmen sollen im ersten Halbjahr 2020 von 87,3 Mio. Euro auf 52,8 Mio. Euro gesunken sein. Einzig die Lotterie und die Online Glücksspielseite win2day haben noch Gewinne erwirtschaftet.

Ist Management nicht betroffen?

Bisher wurde vonseiten des Aufsichtsrats nichts darüber erwähnt, inwieweit das Management von den Einsparungen betroffen ist. Allein das Jahresgehalt der Geschäftsführerin Bettina Glatz-Kremsner soll sich bereits auf 700.000 Euro brutto belaufen. Für ihren Wechsel vom Finanzvorstand in die Unternehmensspitze kassierte sie zudem eine Abfindung in Höhe von satten 1,6 Mio. Euro.

Aktuell erklärte Glatz-Kremsner, dass der Aufsichtsrat die Zukunft von Casinos Austria mit ReFIT nachhaltig gesichert habe. Weiterhin werde man somit qualitativ hochwertige Glücksspiele anbieten können. Das Paket habe man in Rekordzeit fast ausschließlich auf Basis von internem Knowhow entwickelt. In einer Rede dankte sie dem Aufsichtsrat für die professionelle und engagierte Zusammenarbeit.

Viele Kündigungen in der Casinobranche

Nicht nur in Österreich, sondern auch auf globaler Ebene kommt es momentan zu etlichen Jobverlusten in Casinos. In Großbritannien hatte unter anderem Genting angekündigt, über 1.600 Mitarbeitern zu kündigen. Im Glücksspieldelta Macau sind es rund 5.500 Stellen, die gestrichen werden sollen. Doch vor allem in den USA kommt es zu Massenentlassungen, mehrere Tausende sind es zum Beispiel Cosmopolitan, PNG oder Boyd Gaming.

Den traurigen Rekord hält an dieser Stelle MGM Resorts International, das Unternehmen will 18.000 Stellen abbauen, die meisten davon in Las Vegas. Laut eigenen Aussagen sind die Hotels zurzeit nur zu 43 Prozent ausgelastet, das heißt, weniger als die Hälfte im Vorjahresvergleich. Jüngst war das wirtschaftliche Desaster auch an den Spottpreisen ersichtlich: Die Zimmer im MGM Grand waren zuletzt für weniger als 50 US-Dollar pro Nacht zu haben.

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