Isai Scheinberg stellt sich US-Behörden

Der PokerStars-Gründer Isai Scheinberg (73) ist nach New York gereist und hat sich den US- Bundesbehörden gestellt. Seit fast neun Jahren werden Scheinberg Bankenbetrug, Geldwäsche und illegales Glücksspiel zur Last gelegt. Über den gesamten Zeitraum hielt sich der gebürtige Israeli im Ausland aus. Mit welchen Konsequenzen muss der Unternehmer, der sein Vermögen hauptsächlich mit Online Pokerseiten gemacht hat, rechnen?

In New York City stehen Polizeiwagen bereit.

New Yorker Polizeibeamte standen bereit und nahmen Scheinberg vorerst in Gewahrsam. © MatteoModica/Unsplash

Milliardenschwerer Rechtsstreit

Am vergangenen Freitag (24.01.) stieg der 73-jährige Isai Scheinberg in der Schweiz in ein Flugzeug, um den neunstündigen Flug nach New York City anzutreten. Der Mitbegründer von PokerStars, dem weltweit größten Online Pokerunternehmen, wurde auf der anderen Seite des „großen Teichs“ allerdings nicht von Familienmitgliedern oder Geschäftsfreunden begrüßt, sondern von US-Bundesbeamten. Diese nahmen den israelisch-kanadischen Staatsangehörigen unmittelbar in Gewahrsam. Die Vorwürfe gegen Scheinberg beziehen sich auf das Jahr 2011 und beinhalten Bankenbetrug, Geldwäsche und illegales Glücksspiel.

Infolge des berüchtigten Black Friday hatte das FBI die Seiten von PokerStars, Full Tilt-Poker und Ultimate Bet im April 2011 sperren lassen. Gegen die Betreiber wurden Anklagen erhoben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Scheinberg die USA bereits verlassen, er kooperierte jedoch aus dem Ausland mit den US-Behörden. Die letzten neun Jahre hielt er sich bevorzugt in Kanada und auf der Isle of Man, einer britischen Offshore-Insel auf. Somit konnte er sich einer Festnahme in den Vereinigten Staaten bisher entziehen.

Vor einigen Monaten leitete die US-Staatsanwaltschaft daher in der Schweiz ein Auslieferungsverfahren gegen Scheinberg ein. Sein jetziges freiwilliges Auftauchen in New York ist das Ergebnis eines jahrelangen Unternehmens- und Rechtsstreits, es geht um Milliarden von Dollar. In einer ersten Anhörung vor dem Bundesgericht in Manhattan am Freitag plädierte Scheinberg auf nicht schuldig und wurde gegen eine Kaution von 1 Mio. US-Dollar freigelassen. Ein juristischer Vertreter Scheinbergs lehnte eine Stellungnahme bislang ab.

Droht eine Freiheitsstrafe?

Die Vorgeschichte des Falls gestaltet sich komplex. Scheinberg hatte PokerStars im Jahr 2001 gegründet und die Plattform den US-Bürgern zur Verfügung gestellt. Die Staatsanwaltschaft vertrat jedoch die Position, dass Online Poker gegen den Wire Act von 1961 verstößt. Zudem trat 2006 der sogenannte Unlawful Internet Gaming Enforcement Act in Kraft, der Online Poker in den USA gänzlich untersagte. PokerStars musste den US-Markt verlassen. Scheinberg übertrug die Geschäftsleitung bevor er sich absetzte seinem Sohn Mark. Während Scheinberg nun zu einem Volkshelden unter den Online Poker-Fans avancierte, ließ US-Staatsanwalt Preet Bharara im Rahmen der Anklageschrift verlauten:

“Ausländische Firmen, die sich dafür entscheiden, in den Vereinigten Staaten tätig zu werden, dürfen sich nicht über die Gesetze hinwegsetzen, die ihnen nicht gefallen.”

Da der Hauptkonkurrent Full Tilt die neue Gesetzeslage nicht verkraftete, half Scheinberg seinem Sohn vom Ausland aus dabei, die Marke Full Tilt für rund 731 Mio. US-Dollar zu übernehmen, womit ein zivilrechtliches Verfallsverfahren beigelegt wurde. Den Erlös nutzte das US-Justizministerium dazu, um die US-Kunden von Full Tilt vollständig auszuzahlen. PokerStars übernahm dabei die offenen Rechnungen für Full Tilt-Kunden, die nicht aus den USA stammen. Mark Scheinberg verkaufte PokerStars schließlich im Jahr 2014 für 4,9 Mrd. US-Dollar an das kanadische Börsenunternehmen The Stars Group.

Trotz seiner Hilfe in der Full Tilt-Frage, gaben die US-Staatsanwälte es allerdings nie auf, Scheinberg zu verfolgen. Zusammen mit dem Unternehmer wurden im Jahr 2011 zehn weitere Personen angeklagt, die sich, im Gegensatz zu Scheinberg, allesamt für schuldig bekannten. Laut einem Bericht des US-Magazins Forbes soll es indessen zu einer Vereinbarung zwischen Scheinberg und den US-Behörden gekommen sein, wodurch Scheinberg einer Haftstrafe entgehen könnte. Die weiteren Entwicklungen bleiben abzuwarten.

Zur Vita von Isai Scheinberg

Klar ist, dass es sich bei Isai Scheinberg um alles andere als einen gewöhnlichen Geschäftsmann handelt. Geboren in Israel, wuchs der PokerStars-Gründer in Litauen auf. Er erwarb einen Master in Mathematik an der Staatlichen Universität Moskau. Danach kämpfte er im Jom-Kippur-Krieg 1973. Anschließend arbeitete er bei IBM (International Business Machines Corporation) in den USA. Im Jahr 2000 gründete er die Firma PYR Software in Toronto.

Als begnadeter Computerprogrammierer spielte Scheinberg folglich eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des inzwischen universellen Unicode-Computerstandards, der es Computern überall auf der Welt ermöglicht, die verschiedenen Sprachen der Länder zu verarbeiten. Viele bekannte Pokergrößen spielten zudem gerne bei Scheinberg Poker. Er selbst trat bei der World Series of Poker 1996 in Las Vegas auf.

Online Poker bald legal?

Gegen eine stringente Verurteilung des Pokerunternehmers Isai Scheinberg spricht, dass er an einem regelrechten Boom des Online Pokers in den USA teilhat. Seit Mai 2018 obliegt die Regulierung von Online Glücksspielen in den USA den einzelnen Bundesstaaten. Poker gehört inzwischen zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten unter US-Bürgern, weshalb auch der Onlinesektor in einzelnen Staaten legalisiert werden soll. Neben New Jersey, Nevada und Delaware hatte zuletzt der 12 Millionen Einwohner zählende Staat Pennsylvania einen ersten legalen Online Pokerraum eröffnet.

Für Furore sorgte in diesem Zusammenhang zuletzt der US-Präsidentschaftskandidat Andrew Yang (Demokratische Partei). Dieser hatte sich im vergangenen November per Twitter sogar für eine bundesweite Legalisierung von Online Poker ausgesprochen. Auch wenn ein Sieg Yangs gegen Donald Trump bei der anstehenden Wahl unwahrscheinlich ist, bringt der Politiker hiermit ein wichtiges Thema auf den Plan, welches auch vonseiten der hiesigen Pokerszene befürwortet wird.

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