Glücksspielwerbung in den Niederlanden weiter eingeschränkt

Erst im Jahr 2021 wurde Online Glücksspiel in den Niederlanden legalisiert und Glücksspielfans konnten auf rechtlicher Grundlage an Spielautomaten im Netz spielen. Bekämpfen wollte man damit vor allem den illegalen Glücksspielmarkt, doch die Ergebnisse sprachen eine andere Sprache. Nun müssen die Behörden vor allem Glücksspielwerbung weiter einschränken.

Blick auf einen Kanal in Groningen.

In den Niederlanden steht Glücksspielwerbung vor dem Aus. ©mel_88/Pixabay

Aktiv gegen ungezielte Glücksspielwerbung

Schon zu Beginn des vergangenen Jahres hatten die Behörden in den Niederlanden einen massiven Anstieg bei Glücksspielwerbung festgestellt. Obwohl die Legalisierung von Online Glücksspiel, die schon 2021 erfolgte, schnell dazu führte, dass der Schwarzmarkt geschrumpft ist, wächst die Gefahr der Spielsucht auch im Nachbarland. Wie der TV-Sender ZDF berichtete, sorgte vor allem die FIFA Fußballweltmeisterschaft in Katar für ein massives Vorgehen gegen ungezielte Glücksspielwerbung.

Fußball WM sorgt für Sportwettenboom

Seit dem 1. Januar 2023 gelten in den Niederlanden nun neue Regelungen, die die Werbung für Glücksspielangebote betreffen. Sportwetten dürfen im öffentlichen Raum seit Neujahr nämlich nicht mehr beworben werden. Außerdem sollen weitere Werbeverbote folgen. Die niederländische Behörde für Glücksspiel, die Kansspelautoriteit, hatten nämlich vor allem im Rahmen der Fußball WM hart durchgreifen müssen. Überall tauchte Reklame von bekannten Wettanbietern für kostenpflichtige Sportwetten auf. Mit der Androhung von Geldstrafen ging man in den Niederlanden mit Erfolg gegen diese Werbung vor.

Behörde weitet Maßnahmen aus

Schützen wollte die Kansspelautoriteit mit diesen Maßnahmen vor allem junge Erwachsene, die nun noch besser vor Glücksspielsucht geschützt werden sollen. Schon vor der neuen Gesetzeseinführung war allerdings Werbung verboten, die die Zielgruppe der 18- bis 24-jährigen ansprechen sollte. Besonders bei jungen Erwachsenen ist der Markt für Online Wetten sehr attraktiv. Dies haben die Wettanbieter mit ihren Grenzgängen im Rahmen der WM deutlich bewiesen. Nun gibt es weitere Beschränkungen in deren Folge Werbung für Glücksspiel im Internet und für Sportwetten fast vollständig verboten werden könnte.

“Junge Erwachsene sind besonders verwundbar. Sie überschauen die Konsequenzen ihres Handels weniger gut.”Floor van Bakkum, Sprecher, Suchtklinik Jellinek, Statement zur Glücksspielsucht bei jungen Erwachsenen

Legalisierung ließ Markt boomen

Die zuständige Glücksspielbehörde hatte eigentlich gehofft, dass mit der Legalisierung für Online Glücksspiel der Schwarzmarkt stillgelegt werden würde. Schließlich sollten Glücksspielfans eine kontrollierte Spielmöglichkeit erhalten, die es für illegale Anbieter unattraktiv macht, weiter in den Niederlanden zu agieren. Allerdings löste diese Legalisierung erst eine wahre Lawine an Werbung für Sportwetten und Lotterien im Internet aus. Spots mit Nationaltrainer Louis van Gaal oder dem ehemaligen Profifußballer Wesley Snijder brachten der Branche wahren Aufwind.

Viele junge Erwachsene betroffen

Glücksspiel im Netz ist in den Niederlanden heute so beliebt wie noch nie. Im ersten Halbjahr von 2022 wurden rund 486 Millionen Euro im Nachbarland in Sportwetten eingesetzt. Laut dem Direktor der Suchtklinik Hervita in Zeist hat sich die Zahl der Pateinten, die aufgrund von Spielsucht behandelt werden müssen, seit der Legalisierung sogar verdoppelt. Vor allem die Altersgruppe der 22- bis 35-jährigen sei betroffen. Gegen diese Auswirkungen von erlaubtem Glücksspiel will man seitens der Regierung nun mit dem neuen Gesetz vorgehen.

Auswirkungen der Maßnahmen noch nicht abzusehen

Seit dem 1. Januar 2023 dürfen Anbieter von Tisch- und Automatenspielen sowie von Sportwetten keine ungezielte Werbung mehr betreiben. Dazu gehören Anzeigen und Spots in Fernsehen, Radio oder dem öffentlichem Raum. Nicht betroffen ist Werbung im Internet und gezieltes Ansprechen via E-Mail. Online Marketing ist also weiterhin erlaubt, sofern nicht die bereits genannte Zielgruppe angesprochen werden soll. Ab 2024 sollen die Anbieter noch weniger Werbeflächen nutzen können. Dann soll sogar Programm- und Eventsponsoring verboten werden. Ab 2025 dürfen Wettanbieter und Lotterien auch nicht mehr als Sponsoren von Sportvereinen auftreten.

Erste Liga massiv betroffen

Hart treffen könnte dieser Beschluss vor allem die großen Fußballvereine aus der holländischen Liga. Von den 18 Clubs, die in der Eredivisie, der höchsten niederländischen Spielklasse aktiv sind, werden 15 von Wettanbietern als Hauptsponsor unterstützt. Ab 2025 ist dies verboten. Innerhalb von zwei Jahren müssen diese Vereine sich nun neue, flüssige Partner suchen.

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