Winamax-Tweet in der Kritik

Die französische Glücksspielbehörde hat den Online Poker- und Sportwettanbieter Winamax scharf kritisiert, nachdem ein Tweet des Betreibers für Empörung unter einigen Politikern sorgte. Der Tweet basierte auf Texten des französischen Rap-Duos PNL und wurde im Kontext der Champions League (CL)-Halbfinalspiele gepostet. Inzwischen wurde das Statement wieder gelöscht. Was genau steckt hinter der Kritik?

Ein Fußball auf dem Rasen eines französischen Stadions.

Mit einem 3:0 gegen RB Leipzig zog Paris Saint Germain diese Woche ins CL-Finale ein. ©Pixabay/Pexels

Wurden homophobe Inhalte gezeigt?

Rund zwei Monate nach ihrer Etablierung meldet sich die neue französische Glücksspielbehörde ANJ erstmals zu Wort und kritisierte den Anbieter Winamax für einen Tweet in Bezug auf die CL-Halbfinalisten Olympique Lyon und Paris Saint Germain. Die Veröffentlichung hatte für Kritik vonseiten der Politik gesorgt, weil darin angeblich homophobe Begriffe verwendet wurden.

Der Tweet basierte auf Texten des 2014 gegründeten französischen Rap-Duos PNL, das mit ihrem dritten Album (2016) die Nummer 1 der nationalen Charts erreichte. Dennoch kritisiere eine Reihe von Politikern die Pointe, allen voran die französische Sportministerin Roxana Mărăcineanu, die die Textzeilen als diskriminierend beschrieb. Ein Abgeordneter der Nationalversammlung forderte von der ANJ sogar, Winamax die Lizenz zu entziehen.

Kein Grund für Lizenzentzug?

ANJ (L’autorité nationale des jeux) reagierte und ermahnte den Anbieter, der neben Sportwetten in Frankreich außerdem für Online Poker bekannt ist, dass derartige Mitteilungen für einen großen Glücksspielbetreiber unangemessen sind. Man solle vielmehr ein Signal senden, dass Spielern Vertrauen schenkt und das Bild eines verantwortungsvollen und nachhaltigen Marktes vermittelt.

Die Behörde wies allerdings auch auf die Mai 2010 verabschiedeten und zuletzt im Oktober 2019 aktualisierten Online Glücksspielgesetze des Landes hin, nach denen der Tweet wahrscheinlich nicht als ein Versäumnis von Winamax angesehen werden könne. Da der Tweet inzwischen wieder von der Bildfläche verschwunden ist, sei der Anbieter den gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen, weshalb kein Grund für einen Lizenzentzug vorliege.

Kommt es zu einer Anhörung?

Eine offizielle juristische Anhörung ist laut ANJ nötig, um eine Strafe wie einen Lizenzentzug gegen Winamax zu verhängen. Dem Betreiber müsse die Gelegenheit gegeben werde, zu seinen Handlungen Stellung zu beziehen. Diesbezüglich wies die Behörde darauf hin, dass die angeblich bedenklichen Textzeilen einem Musikstück entstammen, das in Frankreich als Meisterwerk gilt und welches vor allem bei jüngeren Menschen großes Ansehen genießt.

Es sei jedoch unbedingt zu vermeiden, dass derartige Pointierungen dazu verwendet werden, um eine Glücksspielaffinität unter jungen Menschen zu erzeugen. Hierzu seien die lizenzierten Betreiber auch gesetzlich verpflichtet. Nach den neuen französischen Glücksspielgesetzen ist die Behörde in diesem Sinne dazu befugt, von den Lizenznehmer Änderungen ihrer Werbestrategien zu fordern, sofern diese gegen die Vorschriften verstoßen.

Offenlegung der Marketingkonzepte

Der erweiterte Auftrag der ANJ liegt in der Überwachung des Online Glücksspiels, vor allem im Bereich des Marketings. Alle Betreiber, die in Frankreich lizenziert sind, müssen der Regulierungsbehörde ihre Werbekonzepte bis zum 30. Oktober jeden Jahres zur Genehmigung vorlegen. Laut ANJ werde man bei der Überprüfung wachsam sein. Ein besonderes Augenmerk wird diesen Oktober auf Winamax gelegt.

Wie die Behörde weiter erklärte, müssen alle Werbestrategien die Verpflichtungen in Bezug auf die Suchtprävention und den Schutz von Kindern- und Jugendlichen genauestens einhalten. Vor dem Hintergrund der jüngsten Vorkommnisse wäre es daher nur zu begrüßen, wenn Winamax künftig Initiativen ergreifen würde, um derartige Debatten zu vermeiden und fragwürdige Tweets aus allen Social Media-Kanälen löscht.

Französischer Markt im Umschwung

Mit der Etablierung der ANJ hat Frankreich eine Umstrukturierung seines Glücksspielmarktes abgeschlossen. Ziel war eine Anpassung an den modernen europäischen Glücksspielmarkt, der vor allem vom Online Glücksspiel lebt. Die neue Behörde ist fortan mit der Überwachung des boomenden Sektors betraut.

Der Aufgabenbereich der ANJ umfasst insgesamt 14 lizenzierte Online Glücksspielbetreiber, dazu alle von der Française des Jeux (FDJ) verkauften Online-, Lotterie- und Wettspiele sowie das gesamte Netzwerk der Einzelhandelswettbüros von Pari-Mutuel Urbain. Darüber hinaus obliegt der Behörde die Überwachung der 202 landbasierten französischen Casinos.

Homophobie-Skandal um Paddy Power

Das Thema Homophobie im Zusammenhang mit Glücksspielwerbung kam zuletzt auch in Großbritannien auf. Der Wettgigant Paddy Power sorgte für einen Eklat im Zusammenhang mit seinem Sportportal Fan Denial, wo regelmäßig Fankommentare zu den Ausgängen von Fußballspielen zusammengeschnitten werden. Einer der Paddy Power-Clips geriet in die Kritik, da darin harte Beleidigungen und homophobe Inhalte gezeigt wurden.

Das Video sorgte für einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken und zog die Kritik mehrerer Hilfsorganisationen nach sich. So forderte zum Beispiel die Initiative Kick It Out, welche sich für die Förderung von Gleichberechtigung und Integration im Fußball einsetzt, die umgehende Löschung des Videos. Infolge entschuldigte sich das Unternehmen offiziell auf seiner Webseite für den Totalausfall.

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