US-Casinomitarbeiter fordern Gehalt

Im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz hat die US-Gewerkschaft Unite Here gefordert, dass Casinomitarbeiter innerhalb der Corona-Krise weiterhin volles Gehalt bekommen. Zurzeit befinden sich viele Mitarbeiter in unbezahltem Zwangsurlaub. Laut Berichten sollen Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Lassen die US-Casinos ihre Angestellten im Stich?

Die Innenstadt von Las Vegas.

Große Marken wie MGM oder Caesars werden von der Gewerkschaft scharf kritisiert. ©FilipFilipovic/Pixabay

Zu wenig Solidarität

Die US-Gewerkschaft Unite Here, spezialisiert auf die Branchen Casino und Gastronomie, hat volle Lohnfortzahlung für Casinomitarbeiter während des Corona-Shutdowns gefordert. Zu Wort meldeten sich die Gewerkschaftsführer aus Las Vegas, Atlantic City und New Orleans. Außerdem bekundete der Vorsitzende Donald Taylor seinen Missmut über die Situation. Gerade in Zeiten der Krise werde zu wenig Unterstützung und Solidarität gewährleistet.

Laut Taylor haben sich bisher nur wenige Casinounternehmen dazu verpflichtet, ihre beurlaubten Mitarbeiter weiter zu bezahlen. Betreiber wie Wynn, Las Vegas Sands oder das Cosmopolitan haben den Forderungen der Gewerkschaft inzwischen zugestimmt. Dennoch werde das Engagement vieler großer Marken vermisst, obwohl sich diese „im Besitz von Milliardären oder institutionellen Anlegern mit mehreren Milliarden Dollar befinden“.

Eine Frage des Willens

Aufgrund des Casino-Shutdowns sei dies jedoch der Moment, in dem ihre „Führung am dringendsten benötigt“ wird. Während Führungskräfte und Aktionäre immer bezahlt würden, läge den Konzernen nichts an dem finanziellen Wohlergehen ihrer Mitarbeiter. Die Unterstützung der Angestellten sei daher keine Frage des Geldes, sondern des Willens. Weiter hieß es:

“Diese großen Casinounternehmen sprechen gerne über Loyalität und soziale Verantwortung, aber sie opfern ihre Mitarbeiter, um ihre Bargeldhorden zu erhalten, obwohl wir uns in einer der größten Krisen befinden, die wir als Industrie und Nation jemals erlebt haben. Die Glücksspielindustrie sollte die Leute während dieser Schließung bezahlen. Es ist an der Zeit, das Richtige für die Arbeitnehmer zu tun.”

Mitglieder zu 95% betroffen

Unite Here ist die größte Glücksspielgewerkschaft der Welt und vertritt über 300.000 Arbeitnehmer in den USA und Kanada. Allein in den Casinohochburgen Las Vegas, Atlantic City und New Orleans zählt die Organisation über 100.000 Mitglieder. Laut eigenen Aussagen sind derzeitig mehr als 95% der Gewerkschaftsmitglieder inaktiv. Allein im Tourismussektor von Nevada stehen dazu rund 158.000 Jobs auf dem Spiel.

Hauptgrund dafür sind die Maßnahmen vieler US-Casinos, um den dramatischen Folgen der Covid-19-Pandemie zu begegnen. Die Gewerkschaft kritisiert an dieser Stelle eine Reihe weltbekannter Branchengrößen. So zum Beispiel MGM Resorts, der größte private Arbeitgeber in Nevada. Obwohl der Konzern aktuell über etwa 3,9 Mrd. US-Dollar verfügt, sollen die Gehälter halbiert werden. Das Unternehmen hat in den USA etwa 70.000 Mitarbeiter.

In der Kritik steht auch das Unternehmen Caesars Entertainment, das gerade eine milliardenschwere Fusion mit Eldorado vollzieht. Obwohl Caesars der größte Casinobetreiber in Atlantic City und der zweitgrößte am Las Vegas Strip ist, weigert sich der Marktriese seine Beschäftigten zu bezahlen. Caesars verfügt zurzeit über einen Bargeldbestand von 2,8 Mrd. US-Dollar und hat etwa 64.000 Mitarbeiter in den USA.

Zu den weiteren Casinounternehmen, die sich laut Gewerkschaft dafür entschieden haben, ihre Beschäftigten teils nicht zu bezahlen, gehören Boyd Gaming, Penn National, Golden Entertainment und Golden Nugget Casinos. Zudem gebe es Milliardäre, die große Casinos besitzen und die Gehälter ihrer Angestellten teilweise einbehalten. Darunter Alex Meruelo, Phil Ruffin und David A. Siegel.

Zustände spitzen sich zu

Erst kürzlich hatte die in Nevada stationierte Gewerkschaft Culinary Workers Union Jobgarantien für Casinomitarbeiter gefordert. Viele zwangsbeurlaubte oder vorübergehend entlassene Mitarbeiter hätten nur ein Gehalt für zwei Wochen erhalten und keinen Zugang zu Arbeitslosengeld. Debra Jeffries, ein Gewerkschaftsmitglied, das nach eigenen Angaben seit mehr als 40 Jahren für die Casinos arbeitet, erklärte verzweifelt:

“Das wird uns nicht helfen, wir müssen unsere Familien ernähren, wir müssen Essen auf den Tisch bringen. Wir sind emotional und finanziell am Boden zerstört.”

Die Situation spitzt sich immer weiter zu. In der vergangenen Woche wurden in Nevada knapp 100.000 Arbeitslosengeld-Anträge gestellt. Bundesweit wird eine Überlastung des Haushalts befürchtet. In der gesamten USA stieg die Anzahl der Erwerbslosen in den letzten vier Wochen auf über 20 Millionen. Über 630.000 Menschen haben sich bis dato mit dem gefährlichen Lungenerreger Covid-19 infiziert.

Kampf um Lebensmittel

Aufgrund des damit einhergehenden wirtschaftlichen Fiaskos sind immer mehr Menschen auf Tafeln, sogenannte Foodbanks (Lebensmittelbanken) angewiesen. Diese werden größtenteils von der Wohltätigkeitsorganisation Feeding America betrieben. Vor den Stationen bilden sich derweil kilometerlange Autoschlangen. Die Sprecherin Katie Fitzgerald erklärte Ende letzter Woche, dass die Nahrungsreserven in absehbarer Zeit aufgebraucht sein könnten.

Um die Hilfsorganisation zu unterstützen, hatten Anfang der Woche mehrere US-Stars ein Online Poker-Turnier gegen die Krise veranstaltet. Mit von der Partie waren unter anderem Ben Affleck, Tobey Maguire, Adam Sandler und Matt Damon. Die Erlöse von 1 Mio. US-Dollar gingen an Feeding America. In Anbetracht der Entwicklungen erscheint die Summe allerdings wie der redensartliche Tropfen auf dem heißen Stein.

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