Start der Overwatch League: Twitch kauft Streamingrechte für 90 Millionen Dollar

Heute Nacht beginnt die erste Saison der mit Spannung erwarteten Overwatch League (OWL). Bislang war nicht klar, ob Begegnungen der Rekordliga auch auf der Spielestreaming-Plattform Twitch.tv zu sehen sein würden. Nun hat die Firma bekanntgegeben, sich die Übertragungsrechte gesichert zu haben.

Innenansicht der Blizzard Arena in Los Angeles

Der Austragungsort wurde für die Overwatch League aufwendig renoviert. ©Activision Blizzard

Die mittlerweile zu Amazon gehörende Streamingseite legt für die Rechte rekordverdächtige 90 Millionen Dollar auf den Tisch. Zwei Jahre lang darf sie alle Begegnungen im Rahmen der OWL übertragen, inklusive Playoffs und Post-Season. Das sind gute Nachrichten für Fans und Abonnenten von Twitch, vor allem aber für Overwatch-Entwickler und Publisher Activision Blizzard. Denn einerseits wird dadurch eine weit größere Reichweite generiert als mit den bislang gebuchten Partnern MLG.com und OverwatchLeague.com.

Unsere Fans lieben es, sich mit Inhalten auf Twitch zu beschäftigen und wir wollten eine große Zuschauerzahl für die erste Saison der Overwatch League und darüber hinaus. Deshalb ist diese historische Partnerschaft perfekt für Activision Blizzard, Twitch und – das ist am wichtigsten – für unsere wachsende weltweite Fangemeinde.Armin Zerza, COO von Blizzard Entertainment

Andererseits kommt die Nachricht der Rekordzahlung rechtzeitig vor Beginn der Saison und liefert willkommene PR für das durchaus riskante Experiment der Spielefirma. Einige Ratingagenturen haben Activision Blizzard deswegen sogar herabgestuft – der Glaube an den erfolgreichen Start einer Liga aus dem Nichts fehlt zumindest den Finanzexperten.

Was Blizzard anpackt, gelingt – bislang

Die Erwartungen an den Erfolg der OWL hat Blizzard selbst befeuert: Man baute eine eigene Arena in den legendären Burbank Studios in Los Angeles. Wo früher Johnny Carsons Tonight Show aufgezeichnet wurde, entstand eine Hightech E-Sports Arena mit Platz für 450 Zuschauer. Hier wird die komplette erste Saison gespielt und weltweit übertragen. Für die Teilnahme an der Overwatch League verlangte man Rekordpreise. Pro Team wurden mindestens 20 Millionen Dollar für einen Startplatz fällig. Und dass obwohl man als Veranstalter kaum Erfahrungen vorzuweisen hat und ein Erfolg der Liga alles andere als sicher ist.

Denn nicht zuletzt unternimmt der erfolgsverwöhnte Spielehersteller eine kleine Revolution der E-Sports-Szene selbst. Blizzard setzt auf hohe Professionalität, die Spieler erhalten eine Krankenversicherung und feste Gehälter. Vor allem aber versucht man den in klassischen Sportligen so wichtigen Lokalpatriotismus auf elektronische Wettkämpfe zu übertragen. Bislang liefen E-Sport Mannschaften zumeist unter dem Banner ihrer Sponsoren oder eigenen Marken (Ninjas in Pyjamas, Alternate, Samsung, Fanatic usw.) auf. Die Teams der OWL hingegen vertreten Weltstädte und betonen internationale und regionale Konkurrenz. Das ist ein Novum im E-Sport, der bislang oft unterschiedliche Nationalitäten in den Mannschaften bündelt.

Wir hoffen, dass diese lokalen Teams in einigen Jahren Heimspiele haben werden. Es gibt Millionen Kinder auf der Welt, die gerne ein E-Sports Turnier besuchen und Merchandising kaufen würden aber dies aufgrund der Reisekosten nicht können. Die lokalisierten Teams werden eine Menge lokaler Einnahmen ermöglichen.Nate Nanzer, E-Sports Direkter von Blizzard

So treffen in der neuen Liga Mannschaften wie Boston Uprising, Dallas Fuel und die Los Angeles Gladiators aufeinander. Das dürfte die E-Sportszene vor allem für neue Zuschauer interessanter und zugänglicher machen. Die Bindung der Teams an Regionen ermöglicht auch die Einbettung einzelner Begegnungen in traditionelle Rivalitäten, wie zum Beispiel zwischen Boston und New York in Baseball oder Basketball. Ob allerdings eingefleischte E-Sportsfans, die an von Regionen und Nationen unabhängige Mannschaften gewohnt sind, diesen Rückbezug auf etablierte Sportarten mitgehen werden, wird sich erst noch zeigen. Für internationales Flair im überwiegend amerikanischen Starterfeld sorgen Teams wie London Spitfire und Seoul Dynasty – die Südkoreaner sind übrigens die Favoriten der Buchmacher. Deutsche Teams sind in der ersten Saison nicht am Start, vermutlich aufgrund der enorm hohen Startgebühr.

E-Sport wird wichtiger für die Buchmacher

Blizzard folgt mit diesen recht tiefgreifenden Änderungen der bestehenden Verhältnisse im E-Sport seiner üblichen Strategie. Das Unternehmen ist bekannt dafür, nicht einfach in bestehende Märkte einzusteigen, sondern sie gleichzeitig zu erneuern und dadurch zu erobern. Beispiele dafür sind die Revolution der Onlinerollenspiele mit World of Warcraft, die Neuerfindung digitaler Kartenspiele mit Hearthstone und der enorm erfolgreiche erste Versuch im Shootergenre mit Overwatch, das den Markt mit Anlehnung an andere Genres gehörig aufgerüttelt hat.

Dass ihnen auch der Einstieg ins Ligageschäft gelingt, würde angesichts dieser Bilanz kaum überraschen. Ein Ende des Booms im E-Sport ist ohnehin unwahrscheinlich. Spiele werden zunehmend im Hinblick auf ihre Eignung in dem Bereich entwickelt. Die Zuschauerzahlen legen seit Jahren kontinuierlich zu. Damit wird das Feld auch immer wichtiger für die Buchmacher. Denn die Generation der Computerspielbegeisterten ist auch dem Glücksspiel zugetan. Das zeigen Skin-Gambling Seiten genau so wie das Auftreten von Firmen wie betway als Team- und Ligasponsoren. Die großen Buchmacher wie bet365 und SkyBet haben den Trend längst erkannt und bieten umfangreiche Wettmärkte für den Sektor an, natürlich auch für die OWL.

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