Sportsbet wegen Börsenwetten abgemahnt

Wegen irregulärer Börsenwetten wurde der Sportwettanbieter Sportsbet von der australischen Finanzaufsichtsbehörde ASIC (Australian Securities and Investments Commission) abgemahnt. Ein nicht-lizenziertes Produkt, das Wetten auf den S&P/ASX 200-Index der australischen Wertpapierbörse ermöglichte, wurde zurückgezogen. Wie sieht der Fall im Detail aus?

Die Skyline von Melbourne, Australien.

Aufgrund der Covid-19-Pandemie befinden sich fast alle Sportsbet-Mitarbeiter im Home Office. ©Justalf/Pixabay

Unglücklicher Ausflug an die Börse

Die australische Flutter Entertainment-Tochter Sportsbet musste sich in der vergangenen Woche für ein Produkt verantworten, das laut Angaben der örtlichen Finanzaufsicht Wetten auf den führende australischen Aktienindex ASX (Australian Securities Exchange) ermöglichte. Das Produkt wurde am 01. April gelauncht. Folglich konnten SportsBet-Kunden fast eine Woche lang Geld auf den Tagesgewinn oder -verlust setzen.

Nachdem sich die AISC eingeschaltet hatte und das Produkt vom Markt war, nannte Sportsbet die ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen in der Corona-Krise als Grund für den Regelverstoß. Da sich viele Mitarbeiter im Home Office befinden, sei weniger Überwachung und Intervention möglich. Es sei zu Schwierigkeiten bei der „Umsetzung des Kontrollrahmens“ gekommen.

In einer Erklärung am Donnerstag (16.04.) erklärte ein Sportsbet-Sprecher, dass das Unternehmen die Bedenken der ASIC nachvollziehen könne, weshalb das Angebot auch zukünftig geschlossen bleibe. Gleichzeitig verwies der Sprecher jedoch darauf, dass Sportsbet im Vorfeld eine Lizenz der NTRC (Northern Territory Racing Commission) erhalten habe, um Angebote für Börsenwetten zu unterbreiten. Im Wortlaut hieß es:

“Auch wenn wir für diese Märkte eine gesonderte behördliche Genehmigung für Wettzwecke erhalten hatten, respektieren wir die Position der ASIC und zogen die Angebote sofort zurück. Wir werden sie in Zukunft nicht mehr anbieten.”

Parallelen zu binären Optionen?

Die ASIC bewertet die Sachlage weitaus stringenter. Man habe festgestellt, dass es sich eindeutig nicht um ein Sportwettprodukt, sondern „um ein Finanzprodukt gehandelt hat, für das Sportsbet keine Lizenz hatte“. Daher wurde unverzüglich eingegriffen und der in Melbourne stationierte Anbieter dazu ermahnt, sein Produkt aus dem Sortiment zu entfernen. Aktuell warnt die Behörde auf ihrer Homepage vor weiteren derartigen Missachtungen. Hier heißt es:

“Unternehmen müssen die kontinuierliche Einhaltung ihrer Verpflichtungen im COVID-19-Kontext sicherstellen, indem sie die Wirksamkeit ihrer Business-Continuity-Pläne und alternativen Arbeitsvereinbarungen bewerten, um alle regulatorischen Anforderungen zu erfüllen. Es ist wichtig, robuste Überwachungs- und Aufsichtskontrollen aufrechtzuerhalten, um sicherzustellen, dass die Finanzdienstleistungen effizient, ehrlich und fair erbracht werden.”

Laut Aussagen der australischen Tageszeitung The Sydney Morning Herald käme das Wetten auf den Schlusskurs der ASX einer Form gleich, die als binäre Option bekannt ist. Die ASIC versuche den Verkauf von binären Optionen an Privatkunden derzeitig zu verbieten, da sie angeblich „erheblichen Schaden“ verursachen und 80 Prozent der Kunden ihr Geld verlieren.

Laut ASIC seien Finanzprodukte dieser Art „gefährlich“, da es Anlegern erlaubt werde, „alles oder nichts“ auf bestimmte Entwicklungen zu wetten. Man habe die Glücksspielbranche bereits in der Vergangenheit davor gewarnt, derartige Wetten anzubieten. Ausschlaggebend hierfür war ebenfalls das Unternehmen Sportsbet, das es seinen Kunden 2012 erlaubte, auf die Aktienkurse großer Unternehmen wie Qantas, Harvey Norman und Fortescue zu setzen.

ASX befürwortet Intervention

Der ASX begrüßte den Schritt der ASIC und warnte vor weiteren unbefugten Verwendungen ihrer Markennamen. Zudem erklärte die Börse, das besagte Produkt nicht befürwortet zu haben. Im Gegenteil hätte man die Wettfirma sogar davor gewarnt, ihr Markenzeichen „ASX“ für etwaige Wettangebote zu verwenden. Am Wochenende gratulierte sie der ASIC daher zu ihrer gelungenen Intervention. Ein Sprecher erklärte:

“Die Zurücknahme des Produkts nach dem Eingreifen der ASIC ist ein vernünftiges Ergebnis, wenn man die unbefugte Verwendung einer ASX-Marke und die fehlende Lizenzierung bedenkt.”

Auf der anderen Seite erklärte der Jurist James Higgins, tätig bei der Melbourner Anwaltskanzlei Gordon Legal, dass es sich im Fall von Sportsbet lediglich um einen „schwerwiegenden Missgriff“ handelt. Dennoch seien Wetten auf Börsenbewegungen nicht ohne Grund illegal. In der Vergangenheit sollen Sportwettunternehmen diese häufig als Tarnung verwendet haben, um gegen die geltenden Finanzdienstleistungsgesetze zu verstoßen.

Sportsbet mehrfach auffällig

Wie bereits angedeutet, ist die Marke Sportsbet unter australischen Juristen nicht unbekannt. Neben den Vorfällen im Jahr 2012 sorgte das Unternehmen 2018 mit einem Kampf um Namensrechte gegen CrownBet für Schlagzeilen. Der Rechtsstreit hatte sich über mehrere Jahre gezogen. Hauptkonkurrent CrownBet wollte sich in „Sportingbet“ umtaufen, was von Sportsbet erfolgreich mit einer Klage vereitelt wurde.

Im letzten Jahr musste Sportsbet außerdem eine umgerechnet 5,5 Mio. Euro schwere Nachzahlung leisten. Der Anbieter soll die Gewinne seiner Kunden unrechtmäßig einbehalten haben. Im Vorfeld der Entscheidung waren etliche Beschwerden von Spielern eingegangen, die dem Anbieter „mangelnde Zahlungsbereitschaft“ vorwarfen. Das Urteil hatte die australische Glücksspielkommission NTRC gefällt.

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