Schwere Verluste für FDJ

Der erst vor wenigen Monaten privatisierte französische Glücksspielriese FDJ (Française des Jeux) wird von der Covid-19-Pandemie schwer getroffen. Obwohl das Einzelhandelsgeschäft des Lotterieanbieters größtenteils noch intakt ist, werden Verluste von über 200 Mio. Euro erwartet. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Die Skyline von Paris am Abend.

Ausgangssperren bis mindestens zum 31. März belasten den FDJ-Einzelhandel. ©Free-Photos/Pixabay

Belastung auf unbestimmte Zeit

Erst im vergangenen November war der ehemals staatliche Nationallotteriebetreiber FDJ als Volksaktie an der Börse eingestiegen, jetzt steht die frisch-privatisierte Glücksspielgesellschaft vor einer harten Bewährungsprobe. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wird ein Defizit von mindestens 200 Mio. Euro erwartet. Die erste Dividendenzahlung des Konzerns als börsennotiertes Unternehmen, ursprünglich geplant für den 30. Juni 2020, wurde verschoben.

„Wir stehen heute vor einer beispiellosen und außergewöhnlichen Situation, die die Mobilisierung aller erfordert und unser Geschäft auf unbestimmte Zeit belasten wird“, kommentierte Stéphane Pallez, Vorstandsvorsitzende der FDJ, die historische Ausnahmesituation. Die langfristigen Folgen der Krise sind kaum abschätzbar, es sei möglich, dass die Einbußen letztlich noch weitaus höher ausfallen.

Lotto und Sportwetten betroffen

Aufgrund verschärfter Hygienemaßnahmen sind mehrere Lottoprodukte eingestellt worden. In besonderem Maße betroffen ist das Amigo-Lotteriespiel, das an etwaigen Verkaufsstellen, zum Beispiel Bars und Cafés, auf Terminals per Touchscreen gespielt wird. Der Ausfall sorgt voraussichtlich für einen Verlust von rund 17 Mio. Euro, das EBITDA – der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – reduziert sich um fast 10 Mio. Euro.

Auch die Rubrik Sportwetten ist schwer getroffen. Erwartet werden Umsatzeinbußen von bis zu 120 Mio. Euro und ein Gewinnverlust von 50 Mio. Euro. FDJ erklärte, dass ein Teil der Verluste ausgeglichen werden könnte, wenn große Sportveranstaltungen wie die Fußball-EM oder die French Open zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Bei FDJ generieren Sportwetten 20 Prozent der Gesamteinnahmen.

Der Rückgang des Gesamtumsatzes wird aktuell mit 192 Mio. Euro beziffert, dazu kommt ein Gewinnrückgang von 77 Mio. Euro. Besonders in der Sparte Lotterie, die 80 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, kommt es zu Einbrüchen. Hauptgrund ist der landesweite Shutdown. Seit dem 13. März sind nur noch der öffentliche Dienst, Supermärkte, Apotheken, Tankstellen, Banken sowie Tabak- und Zeitungsgeschäfte in Betrieb.

Onlinegeschäft weiterhin stabil

Tabak- und Zeitungsgeschäfte bieten zumeist auch Lotterielose der FDJ an. Zurzeit sind daher noch rund zwei Drittel aller Verkaufsstellen aktiv. Dennoch wird ein Rückgang des EBITDA um 27 Mio. Euro erwartet. Der Verlust wird teils auf die mindestens bis zum 31. März geltende Ausgangssperre zurückgeführt, was gleichsam mit einer Minderung der Kontakt- und Geschäftsfreudigkeit einhergeht.

Laut Pallez werde die soziale Distanz, die aus der Pandemie resultiert, dafür sorgen, dass weitere monatliche Umsatzeinbußen von etwa 55 Mio. Euro entstehen. Das EBITDA werde sich ebenfalls um weitere 17 Mio. Euro reduzieren.

Die Gruppe betonte aber auch, dass die Online Lotterie „weiterhin gute Ergebnisse erzielt“. Auch hätte man „kurzfristig genügend Bargeld zur Verfügung, um die Situation zu bewältigen“. Man werde sogar 200.000 Euro an Secours Populaire Français spenden, eine gemeinnützige Organisation, die sich der Bekämpfung von Armut und Diskriminierung im öffentlichen Leben verschrieben hat. Im Rahmen einer Pressemitteilung hieß es:

“In dieser Hinsicht hat sich die FDJ-Gruppe sehr schnell organisiert, um dieser beispiellosen Gesundheitskrise verantwortungsbewusst zu begegnen und die Folgen für ihre Mitarbeiter, Kunden, Einzelhändler und Aktionäre zu begrenzen. Dank ihrer Widerstandsfähigkeit, ihrer Reaktionsfähigkeit und dem Engagement aller bei FDJ.”

Digitalisierung des Sortiments

Ein Abschwung des Onlinegeschäfts ist für FDJ auch in der Gesundheitskrise unwahrscheinlich, denn das Sortiment wurde binnen letzter Jahre immer weiter digitalisiert. Im Rahmen des 2015 präsentierten Strategieplans „FDJ 2020“ wurden die Online-Aktivitäten von FDJ „Stück für Stück“ ausgebaut. Um den Prozess zu beschleunigen hatte das Unternehmen im Juli 2019 einen 30 Mio. Euro Startup-Investmentfonds ins Leben gerufen.

Der Fonds wurde im Rahmen einer von Geschäftsführerin Stéphane Pallez initiierten „Open Innovation“-Strategie etabliert. Ziel war es, die „Transformation in ein digital gesteuertes Unternehmen“ vorzunehmen. Insgesamt wurden über 400 Mio. Euro in die Maßnahmen investiert, unter anderem wurde eine Überarbeitung der hauseigenen Homepage FDJ.fr vorgenommen.

Wachstum durch Mobile-App

Seit 2018 wurde das digitale Wachstum außerdem maßgeblich durch die Einführung einer Mobile-App namens Mission Patrimoine gefördert. Inzwischen generiert das Onlinegeschäft bei FDJ über 15 Prozent der Gesamtumsätze. Der Strategieplan sieht vor, dass ab 2020 mindestens 20 Prozent der Umsätze über den Onlinesektor eingefahren werden.

Laut Pallez helfen dabei zurzeit eine Reihe von „Inkubatoren und Beschleunigern“, zum Beispiel Partnerschaften mit Paris&Co, Verband France Digitale und Techstars. Außerdem wurden digitale Think-Tanks involviert. Die Investitionen scheinen sich zu lohnen, denn noch im Februar prognostizierte FDJ für 2020 ein Wachstum von 5 Prozent. Die Nettoeinnahmen waren bis Ende 2019 auf 1,96 Mrd. Euro gestiegen.

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