Rubbellos-Skandal in Irland

Dem irischen Nationallotterie-Betreiber Premier Lotteries Ireland (PLI) wird vorgeworfen, potenzielle Rubbellosgewinne im Wert von 180.000 Euro unterschlagen zu haben. Um Klarheit in die Situation zu bringen, muss sich das Unternehmen in Kürze vor dem Finanzkomitee des irischen Parlaments verantworten. Was genau steckt hinter den Anschuldigungen?

Eine historische Burg in Dublin.

In Dublin sorgte der Skandal für hitzige Debatten, es werden nachhaltige Schäden befürchtet. ©Skitterphoto/Pixabay

Druck vonseiten der Politik

Hat es PLI womöglich absichtlich versäumt, Rubbellose im Wert von 180.000 Euro in Umlauf zu bringen? Mit dieser Frage wird sich kürzlich das irische Finanzkomitee (Oireachtas) auseinandersetzen. PLI hat den „groben Fehler“ bereits eingeräumt und eine Sonderziehung zur Wiedergutmachung angekündigt. Im Fokus der geplanten Anhörung wird es daher ausschließlich um die Frage der Vorsätzlichkeit gehen, denn Politiker und Branchenexperten befürchten, dass das Vertrauen der Bürger durch den Vorfall nachhaltig beschädigt worden sein könnte.

In der Tat dürften sich die Vorwürfe besonders negativ auf die Meinung irischer Lotteriespieler auswirken. Erstmals publiziert wurde die Skandal-Meldung gleich von mehreren Zeitungen am Mittwochmorgen (11.12.). Die Meldungen bezogen sich auf eine Summe von 180.000 Euro, welche den Spielern angeblich „vorenthalten“ wurde. Konkret geht es um eine bisher ungeklärte Anzahl fehlender Rubbellose in insgesamt drei von 178 Spielpakten, die seit 2014 auf den Markt gebracht wurden.

Die Meldungen setzten umgehend Reaktionen vonseiten der Politik in Gang. Vor allem die irisch-republikanische Fianna Fail-Partei forderte PLI vehement dazu auf, Stellung zu den Vorwürfen vor dem Finanzkomitee zu beziehen. Hier soll das Unternehmen eine Erklärung dafür liefern, warum sich die Rubbellospakete noch längere Zeit im Verkauf befunden haben, obwohl PLI der Fehler bereits seit mehreren Wochen bekannt war.

Vertrauensfrage im Raum

Bei PLI handelt es sich um ein privatgeführtes Unternehmen, das in Irland seit 2014 eine Monopollizenz für die Nationallotterie innehat. Hauptaufgabe von PLI ist demnach die Organisation der Lotterie sowie der Verkauf von Rubbellosen. Im Jahr 2018 wurde die Lotterie von über 1,3 Mio. irischen Bürgern gespielt, insgesamt wurden Einnahmen über 805 Mio. Euro generiert. Laut Gesetz muss PLI die Hälfte seiner Einnahmen wieder in Form von Gewinnen ausschütten. Ähnlich des deutschen Lottos, kommt ein großer Teil des Restbetrags, mindestens 65 Prozent, dem Wohl der Allgemeinheit zugute, was auch die Aufregung unter den Politikern des Landes erklärt.

Ein einmaliger Fehler?

Der Lotteriebetreiber befindet sich aktuell in Erklärungsnot. Jüngst musste sich der im letzten Mai ernannte PLI-Vorstandsvorsitzende Andrew Algeo (früher Paddy Power) zu den Anschuldigungen rechtfertigen. Gegenüber der Tageszeitung The Irish Times erklärte er „menschliches Versagen“ zum Hauptgrund für den Fehler. Algeo betonte außerdem, dass diverse Lottoprodukte, zum Beispiel EuroMillions oder DailyMillions, zu keinem Zeitpunkt von dem Fehler beeinträchtigt wurden.

Darüber hinaus verwies der Vorsitzende darauf, dass 180.000 Euro lediglich 0,01 Prozent von allen bisher ausgezahlten Gewinnen ausmachen. Die Geldsumme werde in der geplanten Sonderziehung daher definitiv ausgezahlt. Obendrein habe das Unternehmen bereits Maßnahmen ergriffen, um einen derartigen Fehler zukünftig auszuschließen.

Kritik von Michael McGrath

Trotz Fehlerbehebung und Besserungsbekundungen wird PLI definitiv vor dem Finanzkomitee Stellung beziehen müssen. Dies fordert insbesondere der Fianna Fail-Finanzsprecher Michael McGrath, der das Unternehmen für seine Verfehlung scharf kritisierte. Der Erfolg der Lotterie hänge maßgeblich von dem Vertrauen der Bürger ab. Es sei „unglaublich“, dass fehlerhafte Rubbellospakete weiterhin im Umlauf sind, obwohl der Fehler schon vor Wochen entdeckt wurde. Das Komitee sowie die Regulierungsbehörde müssen daher umgehend untersuchen, wie dieses Problem entstanden ist. Fortführend hieß es im Wortlaut:

“Die Enthüllung wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Nationallotterie zweifellos schädigen. Ohne das Vertrauen der Öffentlichkeit ist der Erfolg der Nationallotterie bei weitem nicht garantiert. Die Tatsache, dass diese Preise in den letzten fünf Jahren nicht angeboten wurden, wirft für die Nationallotterie sehr ernste Fragen auf.”

Nicht das einzige Problem

Der Lotterieskandal ist nicht das einzige Problem im Glücksspielsektor, mit dem die Regierung zurzeit zu kämpfen hat. Der irische Markt befindet sich in einer Phase der Umstrukturierung. Geplant wird die Etablierung einer neuen irischen Glücksspielbehörde, was die Regierung vor eine Reihe organisatorischer Schwierigkeiten stellt. Außerdem befindet sich das Land seit November letzten Jahres in einem regelrechten Glücksspielsteuer-Fiasko.

Die geplante Anhebung der Steuer von ein auf zwei Prozent sorgte zuletzt für Chaos am irischen Markt. Infolge der Erhöhung sehen sich über 400 irische Wettbüros mit dem Aus konfrontiert, über 2.500 Arbeitsplätze stehen laut Aussagen des irischen Buchmacherverbandes (Irish Bookmakers Association, IBA) auf dem Spiel. Darüber hinaus prognostizierte der Volkswirtschaftsprofessor Anthony Foley (Dublin City University) ein 35 Mio. Euro tiefes Steuerloch infolge der Schließungen. Inzwischen wird das irische Steuermodell jedoch erneut überarbeitet. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten. Als deutscher Fan von Rubbellosen hat man mit der ganzen Sache zum Glück nicht viel zu tun und kann etwa bei Lottoland Online Rubbellose kaufen und gewinnen.

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