Polnische Regulierung sorgt für Rückzug weiterer Anbieter

Die bevorstehende Neuregulierung des Online Glücksspiels in Polen führt zum Rückzug von William Hill und bet365. Beide Unternehmen haben ihre Vermarktungspartner aufgefordert, sämtliches Werbematerial für den polnischen Markt zu entfernen. Neue Registrierungen aus Polen werde man nicht mehr akzeptieren, bestehende Accounts sollen sich ihre Guthaben auszahlen lassen.

Das polnische Parlament hatte im Dezember die Neufassung des Glücksspielgesetzes beschlossen. Es sieht unter anderem Netzsperren gegen unlizensierte Internetangebote vor und tritt am 1.4.2017 in Kraft. Die rechtliche Lage in dem osteuropäischen Land bezüglich Glücksspiels ist vergleichsweise kompliziert.

Nach dem Ende der Sowjetunion expandierte der Glücksspielsektor in Polen weitgehend ohne staatliche Eingriffe. Es entstanden zahlreiche stationäre Casinos und Spielhallen. Auch das Internet Gambling war gesetzlich nicht geregelt, die Anbieter operierten in einem grauen Markt. Erst ein Skandal im Jahr 2009 um Sportminister Miroslaw Drzewiecki, der wegen Lobbyismus zugunsten der Gambling Industrie kritisiert wurde und schließlich zurücktrat, brachte das Thema auf die Agenda der polnischen Regierung.

Die Gesetzeslage wird zunehmend strenger

Unter dem damaligen Ministerpräsident Donald Tusk wurde online Glücksspiel 2011 weitgehend verboten. Lediglich Sportwetten durften noch von einheimischen Unternehmen offeriert werden. Gegen andere europäische Internetangebote wurde allerdings nicht vorgegangen, sodass diese weiterhin den Markt zu etwa 90% dominierten. Die Neuregulierung der Regierung von Andrzej Duda will diesen Zustand beenden und den Markt zugunsten der in Polen konzessionierten Anbieter umstrukturieren. Unter den Vorschriften werden zwar auch neue Lizenzen für Buchmacher angeboten, allerdings unter recht ungünstigen steuerlichen Bedingungen. So hatte Polen die Steuern auf online Sportwetten 2012 deutlich erhöht. Die problematische Finanzierung der Fussball EM im eigenen Land sollte dadurch gestützt werden. Seitdem gilt eine Umsatzsteuer in Höhe von 12% für den Sektor – anstelle einer von den Unternehmen bevorzugten Steuer auf erzielte Gewinne.

Eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen

Unter diesen Voraussetzungen erscheint den großen europäischen Buchmachern ein Ausstieg aus dem polnischen Markt als einzige Alternative. Vor William Hill und bet365 hatten sich mit Pinnacle und EnergyBet weitere Unternehmen zu diesem Schritt entschieden. Marcin Sapinski, CEO von EnergyBet, sprach dabei von einem „hochgradig restriktiven und feindseligen regulatorischem Umfeld“ und sprach sein Bedauern über die Abkehr aus:

Der polnische Markt war immer sehr wichtig für uns und wir teilen die Frustration unserer polnischen Kunden.“ Marcin Sapinski, CEO von EnergyBet

Für die Sportwettenbranche ist Polen von einiger Bedeutung, dem Markt wird vor allem erhebliches Wachstumspotenzial zugeschrieben. Nach aktuellen Zahlen des Verbandes (PDF)  „Remote Gambling Association“ liegen die Einnahmen der Buchmacher bei durchschnittlich 2,5 Euro pro erwachsenem Einwohner. In anderen Ländern mit liberalerer Gesetzgebung wie Dänemark oder England betragen diese gut 40 Euro. Selbst stark regulierte Märkte wie Frankreich sind mit etwa 19 Euro pro Erwachsenem noch sehr profitabel für den Sektor.

Die Unternehmen dürften also ein Interesse an einer Rückkehr in den Markt haben. William Hill betonte dies in einem Schreiben an seine polnischen Werbepartner. Man sei sicher „auch in Zukunft zusammenarbeiten zu können“. Es steht allerdings zu vermuten, dass zunächst die Besteuerung der Produkte reformiert werden müsste, bevor sich die Unternehmen um Lizenzen bemühen werden. Bis dahin dürften vor allem bereits in Polen konzessionierte Firmen wie STS und die tschechische Fortuna von der Neuregulierung profitieren – ihr bisheriger Marktanteil von etwa 10% sollte nach dem Rückzug der großen internationalen Anbieter erheblich zulegen.

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