Paddy Power Betfair: 2,2 Mio. Pfund Strafe

Der britische Buchmacher Paddy Power Betfair (PPB) muss eine Strafzahlung von 2,2 Mio. Pfund (~ 2,5 Mio. Euro) wegen Geldwäsche und sozialer Unverantwortlichkeit leisten. Eine Woche nach der Sanktionierung hat der börsennotierte Konzern in Rumänien eine Initiative für verantwortungsvolles Glücksspiel ins Leben gerufen.

Die Untersuchung der UK Gambling Commission (UKGC) zog sich bereits seit 2016. Auf dem Radar der Aufsichtsbehörde blinkten drei private Onlinekunden, die nachweislich „erhebliche Mengen an gestohlenem Geld“ über das Online Wettbüro Betfair Exchange verzockten. Trotz offensichtlicher Anzeichen problematischen Spielverhaltens blieben Interventionen von Seiten des Buchmachers hier gänzlich aus. Schon im Vorfeld hatte es PPB versäumt hinreichende Prüfungen in Bezug auf Identität und Bonität ihrer Kunden vorzunehmen.

PPB sei es demnach ebenso wenig gelungen seine Kunden zu schützen, wie zu verhindern, dass gestohlenes Geld verspielt wurde. Unter dem Strich beläuft die Summe an ‘Falschgeld‘ auf knapp 500.000 Pfund (~ 570.000 Euro). Zum Zocken hatten die Kunden ihren Arbeitgeber, eine Wohltätigkeitsorganisation, beraubt. PPB wurde demgemäß dazu angehalten das Strafgeld zu veräußern und Entschädigung zu leisten. Zudem fallen allein über 50.000 Pfund UKGC-Untersuchungskosten an. Der leitende Direktor, Richard Watson, verurteilte PPBs Vergehen zuletzt klar und deutlich, es heißt:

„Aufgrund der Unzulänglichkeiten von Paddy Power Betfair flossen erhebliche Mengen gestohlenen Geldes in den Handel, das ist nicht akzeptabel. Die Fehler beruhen alle auf der Missachtung eines einfachen Prinzips – Betreiber müssen ihren Kunden kennen. Nur wenn Anbieter ihre Kunden kennen und die richtigen Fragen stellen, versetzen sie sich auch in die Position, ihren Verpflichtungen gegenüber dem Gesetz und ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen.“

PPBs Aktienkurs – derzeit etwa 75,70 Pfund pro Aktie – blieb von dem Verfahren bislang unbeeinflusst. Der Wettgigant PPB, der 2016 aus der Fusion zwischen der irischen Wettmarke Paddy Power und der Londoner Betfair erwuchs, präsentierte sich infolge der Sanktion dennoch geläutert. Dass seine betriebsinternen Kontrollinstanzen innerhalb des besagten Zeitraums unzureichend aufgestellt waren, erkenne das Unternehmen an, heißt es. PPB-CEO Peter Jackson betonte sein Bedauern jüngst gegenüber der Fachpresse:

„Wir stehen in der Verantwortung zu intervenieren, wenn unsere Kunden Anzeichen von Spielsucht zeigen. In diesen Fällen waren unsere Interventionen leider nicht effektiv. Es tut uns sehr leid, dass es so gekommen ist.“

Nach William Hill (6,2 Mio. Pfund) im Februar, 32Red (2 Mio. Pfund) im Juni, ist PPB indessen bereits der vierte UK-lizenzierte Anbieter, den die Kommission 2018 mit einem Bußgeld über 1 Mio. Pfund sanktioniert.

Glücksspiel-Initiative in Rumänien

Dass es sich – was die Vorwürfe der Geldwäsche und Missachtung des Spielerschutzes anbelangt – eher um (unnötige) fahrlässige Versäumnisse handelt, als um vorsätzliche Vergehen, beweist PPB aktuell durch die Etablierung von „Alpha Hub“ – einer Initiative für verantwortungsvolles Glücksspiel in Rumänien, die in Kooperation mit der in Cluj stationierten Handelsmesse Techsilvania und dem Investmentfonds Risky Business entwickelt wurde.

Ziel der Kampagne ist die Kreation eines Startup-Programms für Innovatoren der europäischen Glücksspielbranchen, die sich auf die Herausforderung eines sozial-verantwortlichen Gambling-Betriebs konzentrieren wollen. Unterstützt werden soll folglich die Entwicklung von Prototyp-Technologien in Bezug auf Kunden-Matching, Identitätsprüfung, Problemspiel-Kontrolle, Self-Service und Einzelhandels-Tools. Vor allem sollen empirisches Fachwissen vermittelt und langfristige Partnerschaften geschlossen werden. Rob Smith, leitender Alpha Hub-Beauftragter bei PPB, erklärt:

„Wir planen eine echte geschäftliche Herausforderung zu lösen. Das Responsible-Gambling-Konzept ist eine der wichtigsten Prioritäten bei Paddy Power Betfair. Die Initiative wird uns helfen neue Wege zu finden, um gefährdete Kunden schneller zu identifizieren und besser zu schützen.“

Wie es heißt sei PPB inzwischen mit einem Team von mehr als 600 Mitarbeitern vor Ort. Die Initiative starte bereits am 20. November mit einer eine zweiwöchige Mentoring- und Support-Phase. Die ausgearbeiteten Lösungen sollen am 4. Dezember auf einer Sonderveranstaltung präsentiert werden. Ob und inwieweit PPB seine, sarkastisch gesprochen, wahrlich empirischen Erfahrungen infolge der millionenschweren Strafzahlung mit in die Initiative einfließen lassen wird, bleibt vorerst abzuwarten.

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