Österreichs Pokercasinos am Ende?

Mit Abschluss des Jahres könnten Österreichs Concord Card Casinos (CCC) endgültig vor dem Aus stehen. Grund ist die auslaufende Pokerlizenz, zudem ist das Unternehmen insolvent. Inhaber Peter Zanoni will trotzdem weitermachen. Wie sehen die Pläne des „Pokerkönigs“ aus?

Ein Pokerturnier im Casino. 

Die Concord Card Casinos sind unter anderem für exklusive Pokerturniere mit Prominenten berühmt. ©DrewRae/Pexels

Lokale Pokerszene verunsichert

In der österreichischen Pokerszene kochen die Gerüchte über die mögliche Schließung der Concord Card Casinos zurzeit über: Noch zu Anfang des Monats hieß es, dass die Pokercasinos zum Jahresende die Pforten schließen müssen. Die Wiener Tageszeitung Kurier titelte, dass „Österreichs Pokerparadies von dem Aus“ stehe. Firmengründer Peter Zanoni soll demnach seinen führenden Angestellten mitgeteilt haben, dass nun tatsächlich mit der Schließung zu rechnen sei.

Die Meldung sorgte für Aufsehen, denn viele Insider sehen in dem Aus der Pokercasinos auch das Ende für private Pokeranbieter in Österreich. Grund für die Schließung ist unter anderem eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 2013. Diese sieht vor, dass Poker in Österreich ab 2020 nur noch in lizenzierten Casinos der staatlichen Marke Austria gespielt werden darf. Peter Zanonis Lizenz läuft daher zum 31. Dezember 2019 aus. Zanoni betreibt in Österreich zurzeit 12 Casinos, 11 davon werden unter dem Namen Concord Card Casino geführt, dazu kommt das Montesino in Wien.

Wiener Standorte bedeutsam

Insbesondere die beiden Wiener Standorte sind für ihre Pokerturniere bekannt, an denen in der Vergangenheit auch viele Prominente, zum Beispiel Boris Becker, Pamela Anderson, EAV-Frontmann Klaus Eberhartinger oder der kanadische Pokerstar Daniel Negreanu teilgenommen haben. Im Montesino, das als eines der wichtigsten Pokerlocations Europas gilt, wurden außerdem schon zwei der größten Pokerturnierserien überhaupt ausgetragen, die European Poker Tour (EPT) und die World Poker Tour (WPT). Ein Dealer des CCC Wien wurde obendrein für den James Bond-Film „Casino Royale“ angeworben.

Bleiben die Pforten geöffnet?

Den jüngsten Entwicklungen zufolge scheint das Schicksal der Casinokette jedoch noch nicht vollständig besiegelt zu sein: Um seine Sicht der Dinge klarzulegen, lud Inhaber Zanoni überraschend zu einer Pressekonferenz in Wien (11.11.) ein. Thema war die aktuelle „Lage der freigewerblichen Pokercasinos“. Allen Pressemeldungen und Gerüchten entgegen verkündete Zanoni hier, dass die Spielstätten auch 2020 geöffnet haben werden. Die „Rechtsmaterie für die Monopoldurchsetzung ist nicht anwendbar“, so das Kredo des Wiener Pokerkönigs. Doch wie will Zanoni gegen die Gesetzeslage vorgehen?

Klage beim Verfassungsgericht

In Bezug auf Poker fordert Zanoni folglich eine „unionsrechtliche Kohärenzprüfung“ der neuen Glücksspielgesetzgebung des Landes Österreich. Um seine juristische Position zu untermauern, habe man eine weitere Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) eingereicht, außerdem plan man Einspruch beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) einzulegen. Darüber hinaus will Zanoni künftig unter Nationalratsabgeordneten für eine entsprechende Gesetzesänderung weben. Konkret geht es vorerst um eine „Verlängerung der Übergangsfrist“ sowie eine „Klarstellung des Gebührengesetzes“.

Casinokette ist insolvent

Die auslaufende Pokerlizenz ist allerdings nicht Zanonis einziges Problem, denn spätestens seit letzten Mai ist klar: Österreichs größte Poker-Casinokette ist insolvent. Eingeleitet wurde das Konkursverfahren durch die Kreditschutzverbände AKV (Alpenländischer Kreditorenverband) und Creditreform. Grund sind Steuerschulden in Höhe von rund 203 Mio. Euro, bei einem Bankguthaben von lediglich rund 572.000 Euro.

Wie es von Seiten Stephan Mazals (Creditreform) heißt, wurden von der österreichischen Finanzverwaltung insgesamt vier Konkursanträge an das Finanzministerium gestellt, von denen bereits drei verhandelt werden. Die Eigenkapitalquote der Unternehmensgruppe beliefe sich dabei auf ein Minus von exorbitanten 5.472 Prozent. Allein 2017 lag das „negative Eigenkapital“ demnach bei 130.478.8800,34 Euro. Beziffert wurde der Bilanzverlust zuletzt mit 131,26 Mio. Euro, was gleichzeitig die gravierend Entwicklung unterstreicht.

Jahrelanger Clinch mit den Behörden

Laut eigenen Aussagen befindet sich Peter Zanoni seit über 20 Jahren in juristischen Auseinandersetzungen mit den österreichischen Behörden. Im Vorfeld des aktuellen Konkursverfahren hatte Zanoni zuletzt sämtliche aus dem Jahr 2017 anhängigen Verfahren am österreichischen Verwaltungsgerichtshof (VwGH) verloren. Zuletzt ging es Anfang Mai um ein Gerichtsverfahren in Vorarlberg, wonach eine Kriegsopferabgabe für sein dortiges CCC-Casino in Höhe von 97,6 Millionen Euro fällig wurde. Laut Angaben der AKV war Peter Zanoni bereits mit der CBA Spielapparate – und Restaurationsbetriebs GmbH in eine Großinsolvenz involviert.

Auch in diesem Fall waren die Abgabenforderungen der sogenannten Finanzprokuratur – quasi die Anwaltskanzlei des österreichischen Finanzministeriums – ausschlaggebend für den Bankrott. Seit Jahren sieht sich Zanoni daher vor allem als Opfer der hohen Abgaben, sein Geschäftsmodell werde von „teils enormen Steuern bedroht.“ Auf dem hauseigenen YouTube-Channel „Concord Poker TV“ wurde erst Anfang der Woche ein Video zur Thematik veröffentlicht.

Obgleich inzwischen rund 600 Mitarbeiter um ihren Job bangen, blieb der Geschäftsbetrieb der Pokercasinos von den Debatten bislang unberührt: Erst vor einem Monat feierte das CCC Wien sein 26-jähriges Bestehen. Die Satellites sowie die Phase 1-Turniere für die Concord Million (28.11.-10.12), den Höhepunkt des lokalen Pokerjahres, verliefen nach Plan. Wie es ab Januar um die Pokerstandorte bestellt ist, bleibt vorerst abzuwarten.

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Eine Uhr auf einem Pokertisch.

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