Österreichs größte Poker-Casinokette ist insolvent

Das Montesino und die Concord Card Casinos (CCC) des österreichischen „Pokerkönigs“ Peter Zanoni sind auf Grund millionenschwerer Steuerschulden insolvent. Laut Aussagen der Kreditschutzverbände AKV (Alpenländischer Kreditorenverband) und Creditreform wurde das Konkursverfahren gegen die Montesino Entertainment Group GmbH bereits am Mittwoch (29.05.) eröffnet. Der Insolvenz gehen jahrelange Prozesse voraus. Hier ein Überblick zu den Entwicklungen.

Das Main-Event der WPT 2016 im Montesino.

Das Main-Event der WPT 2016 wurde im Montesino ausgetragen, jetzt droht dem Casino das Aus. (©Flickr)

Eigenkapitalquote bei minus 5.472 Prozent

„Der Betriebsgegenstand der Schuldnerin liegt im Glücksspiel“, so das Statement der AKV. Konkret geht es um Steuerschulden in Höhe von 203 Mio. € von Seiten des österreichischen „Pokerkönigs“ Peter Zanoni, Gründer der Montesino Entertainment GmbH. Der Unternehmensgruppe unterstehen in Österreich aktuell 12 Casinos, 11 davon werden unter der Marke Concord Card Casino geführt, ein weiteres unter Montesino. Über die genaue Anzahl der involvierten Gläubiger ist bisher noch nichts bekannt, klar ist jedoch, dass 256 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen sind. Insgesamt sind 600 Arbeitsplätze von der Pleite bedroht.

Zanonis Casinos, vor allem das Montesino und das CCC in Wien, sind vor allem für ihre Pokerturniere bekannt, an denen in der Vergangenheit auch viele Prominente wie zum Beispiel Boris Becker, Pamela Anderson, EAV-Frontmann Klaus Eberhartinger oder der berühmte kanadische Pokerstar Daniel Negreanu teilnahmen. Im Montesino, das als eine der Poker-Locations Europas gilt, wurden außerdem schon zwei der größten Pokerturnierserien der Welt, die European Poker Tour (EPT) und die World Poker Tour (WPT), ausgetragen. Obendrein wurde ein Dealer des CCC Wien für den James Bond-Film „Casino Royale“ angeworben.

Auch zurzeit wird laut österreichischen Medien ein „größeres Turnier“ über einen Zeitraum von zwei Wochen abgehalten das mit 500.000 € dotiert wurde. Die Auswirkungen auf das Turnier und den aktuellen Geschäftsbetrieb sind bisweilen noch unklar. Alle Anfragen der Presse hinsichtlich einer Stellungnahme wurden bisher abgelehnt.

Wie es von Seiten Stephan Mazals von der Creditreform heißt, wurden von der österreichischen Finanzverwaltung insgesamt vier Konkursanträge an das Finanzministerium gestellt, von denen bereits drei verhandelt werden. Die Eigenkapitalquote der Unternehmensgruppe beläuft sich dabei laut Mazal auf ein Minus von exorbitanten 5.472 Prozent. Allein 2017 lag das „negative Eigenkapital“ demnach bei 130.478.8800,34€, beziffert wurde der Bilanzverlust zuletzt mit 131,26 Mio. €. Aktuell belaufen sich die Schulden auf über 203 Mio. €, bei einem Bankguthaben von lediglich rund 572.000€. Eine gravierend Entwicklung.

Jahrelanger Rechtsstreit mit den Behörden

Laut Aussagen der österreichischen Zeitung Kurier steht Peter Zanonis Casino-Kette nach einem insgesamt 26 Jahre lang dauernden Rechtsstreit „endgültig“ vor dem Aus. Das Nachrichtenblatt titelte aktuell sogar mit dem Wortlaut Der Pleitegeier über dem Pokerparadies. Im Vorfeld der nun eröffneten Konkursverfahren hatte Zanoni sämtliche aus dem Jahr 2017 anhängigen Verfahren am österreichischen Verwaltungsgerichtshof (VwGH) verloren. Zuletzt ging es laut Kurier Anfang Mai um ein Gerichtsverfahren in Vorarlberg, „wonach eine Kriegsopferabgabe für sein CCC-Casino in Höhe von 97,6 Millionen € fällig wird.“

„Strittig war, ob die Schuldnerin der Glücksspielabgabenpflicht unterliegt“, betont an dieser Stelle Stephan Mazal. Den Aussagen des Creditreform-Sprechers zufolge habe eine regelrechte Verfahrenskette bis zum VwGH geführt: „Gesetzliche Einschränkungen des Glücksspiels haben bereits mehreren Glücksspielbetreibern die Geschäftsgrundlage entzogen“, so das Statement des Insolvenzexperten, der darüber hinaus bekannt gab, dass der bekannte Wiener Rechtsanwalt Christof Stapf unlängst zum Insolvenzverwalter in der Angelegenheit bestellt wurde. Bis zum 15. Juli können Gläubiger demnach ihre Forderungen anmelden, die erste Tagsatzung wurde auf den 29. Juli gesetzt.

Laut Angaben der AKV war Peter Zanoni „bereits mit der CBA Spielapparate – und Restaurationsbetriebs GmbH in eine Großinsolvenz involviert“. Auch in diesem Fall waren die Abgabenforderungen der österreichischen Finanzprokuratur, die quasi als Anwaltskanzlei des Finanzministeriums fungiert, ausschlaggebend für den Bankrott. Das Konzept von Zanonis Casinos wurde demzufolge seit Jahren von den „teils enormen Steuern bedroht.“ Da Poker-Turniere in Österreich ab 2020 ohnehin nur noch unter neuausgelegten Lizenzvorgaben veranstaltet werden dürfen, stünde die CCC-Kette allerdings auch unabhängig von der Insolvenz vor der Betriebseinstellung.

Zanoni klagt weiter

Obwohl der Kampf gegen die Behörden angesichts der jüngsten Entwicklungen verloren scheint, gibt sich Peter Zanoni nicht geschlagen und hat eine weitere sogenannte Staatshaftungsklage gegen seine bereits verlorenen Verfahren eingereicht. Die Fallakte liegt folglich beim Verfassungsgerichtshof. Im Zentrum stehen jetzt die Fragen, „ob und in welcher Form Steuern auf das Pokern erhoben werden können“. Außerdem, ob Zanoni aus rechtlicher Sicht weiterhin Pokerturniere veranstalten darf. Zanoni gilt offiziell lediglich als „Anbieter der Infrastruktur“, im Klartext: Der Geschäftsmann stellt lediglich das Ambiente (Pokertische, Dealer, Spielinventar, etc.) bereit.

Letzten Endes geht es laut Gerhard Weinhofer (Creditreform) darum, ob das Unternehmen fortgeführt werden kann: „Es dürfen aber bei der Fortführung keine weiteren Verbindlichkeiten gemacht und die Gläubiger nicht weiter geschädigt werden. Somit müssen die Einnahmen höher sein als die Ausgaben, ansonsten muss das Unternehmen sofort geschlossen werden.“ Ob die Gegenklage des „Pleitegeiers“ Zanoni erfolgreich verlaufen wird oder sich die dramatischen Prognosen von Medien und Experten bewahrheiten, bleibt an dieser Stelle abzuwarten.

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