UK: Buchmacher beschließen Maßnahmen für sicheres Glücksspiel

Die zehn größten Buchmacher Großbritanniens, unter anderem Flutter Entertainment, GVC Holdings und William Hill, haben einen neuen Maßnahmenkatalog für sicheres Glücksspiel unterzeichnet. Ausschlaggebend für die Aktion ist ein Bericht der britischen Glücksspielkommission in Bezug auf die Risiken für Kinder und Jugendliche. Wie sehen die Maßnahmen im Detail aus?

Der Palace of Westminster in London.

Der freiwillige Schritt der Buchmacher wird auch am Londoner Regierungssitz begrüßt. (©Skeeze/Pixabay)

Fünf Schwerpunkte im Fokus

Unter dem Titel „Safer Gambling Commitment“ haben die Geschäftsführer der zehn größten in Großbritannien lizenzierten Wettunternehmen, Flutter Entertainment, GVC Holdings, William Hill, Aspers, Bet365, Caesars, Rank Group, Genting Group, Playtech und Sky Betting & Gaming, einen neuen Richtlinienkatalog für sicheres Glücksspiel verabschiedet. Es handelt sich um ein Paket mit insgesamt 22 Maßnahmen, die sich insbesondere auf den Kinder- und Jugendschutz beziehen. Laut eigenen Aussagen soll mit dem Konzept „die nationale Strategie der britischen Glückspielkommission zur Reduzierung von Glücksspielschäden“ unterstützt werden.

Der Maßnahmenkatalog umfasst in diesem Sinne fünf vorranginge Schwerpunkte. Hierzu gehört erstens die „Verhinderung von Glücksspielen unter Minderjährigen“ sowie der „Schutz jüngerer Menschen“. Zweitens geht es um die „Unterstützung der Behandlung von Glücksspielschäden“. Drittens wird eine „Erweiterung der Werbe- und Marketingvorschriften“ vorgesehen. An vierter Stelle folgt der Punkt „Verbraucherschutz“. Fünftens soll die „Kultur des sicheren Glücksspiels“ gefördert werden.

Darüber hinaus planen die Betreiber künftig auch neue Verhaltensregel für Affiliate-Marketing und Sponsoringaktivitäten auszuarbeiten. In den kommenden Monaten wolle man demnach regelmäßig Berichte über die Fortschritte einreichen.

Aufklärungsprogramm für junge Menschen

Die erste Aktion der Gruppierung ist die Etablierung eines vierjährigen nationalen Aufklärungsprogramms für jüngere Personen, womit man über die möglichen Risiken von Glücksspiel informieren will. Das Programm wird zu diesem Zweck in Kooperation mit gleich zwei britischen Wohltätigkeitsorganisationen entwickelt: Zum einem mit Young Gamers & Gamblers Education Trust (YGAM), zum anderen mit der Spielerschutzinitiative GamCare, deren Problemspielindex (Problem Gambling Severity Index, PGSI) regelmäßig auch von der Glücksspielkommission zur Diagnose verwendet wird. Vonseiten der GamCare-Geschäftsführerin Anna Hemmings heißt es zu dem Projekt:

“Bildung ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass junge Menschen die Risiken des Glücksspiels verstehen und in der Lage sind, fundierte Entscheidungen über ihre Teilnahme an diesen Aktivitäten zu treffen und vorher über sie nachzudenken.”

UKGC-Bericht ausschlaggebend

Dem Schritt der Buchmacher geht ein offizieller Bericht der britischen Glücksspielkommission (UK Gambling Commission, UKGC) aus Oktober voraus: Hiernach haben 2019 zwar weniger junge Menschen an Glücksspielaktivitäten teilgenommen als 2018, dennoch ist die Anzahl an problematischen Spielern gestiegen. Insgesamt sollen 55.000 Minderjährige ein bedenkliches Spielverhalten zeigen. 1,7 Prozent der 11 bis 16jährigen sollen betroffen sein.

Zudem bestätigten 11 Prozent der befragten Personen, dass sie innerhalb der letzten sieben Tage an Glückspielen teilgenommen haben, was hochgerechnet etwa 350.000 Spielern zwischen 11 und 16 Jahren entspricht. Laut Aussagen der UKGC unterscheide sich dieses Ergebnis jedoch nicht sonderlich von den Zahlen des Vorjahres. Dennoch wird das Vorgehen der benannten Anbieter vonseiten der Aufsichtsbehörde begrüßt. Kommissionsdirektor Tim Miller diesbezüglich im Zitat:

“Für unsere nationale Strategie zur Reduzierung von Glücksspielschäden spielt, neben robusten regulatorischen Maßnahmen durch uns, eine engere Zusammenarbeit und Partnerschaft mit der gesamten Branche eine wichtige Rolle. Wir wurden durch die in den letzten Monaten in der gesamten Branche unternommenen Schritte beim Spielerschutz zur Zusammenarbeit ermutigt und hoffen, dass dieses Programm einen weiteren Schritt nach vorne darstellt. Gemeinsam wollen wir die Ziele unserer Strategie erreichen.”

Neuer Glücksspielverband etabliert

Der präsentierte Maßnahmenkatalog geht mit der Etablierung eines neuen Glücksspielverbands, unter dem Titel Betting and Gaming Council (BGC) einher. Die neue Instanz geht aus einem Zusammenschluss der beiden Glücksspielverbände Remote Gambling Association (RGA) und Association of British Bookmakers (ABB) hervor und soll künftig als Sprachrohr der Branche sowie als Vermittlungsorgan zwischen Industrie, Politik und Gesellschaft fungieren.

Die Vorsitzende des Verbands ist niemand geringere als Brigid Simmonds, frühere Geschäftsführerin der British Beer & Pub Association sowie Treuhänderin der Spielerschutzorganisation Gamble Aware. Auch Simmonds begrüßte unterdessen den Schritt der Buchmacher, im Wortlaut hieß es:

“Das Betting and Gaming Council begrüßt die Zusagen der Geschäftsführer. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Vermeidung von Glücksspiel bei Minderjährigen und zur Beseitigung von Schäden. Wenn wir als Branche zusammenarbeiten, werden wir eine Kultur des sicheren Glücksspiels schaffen, indem wir die Kompetenz von Fachleuten, die junge Menschen aufklären, erhöhen, ebenso wie die Unterstützung für die Behandlung. Außerdem werden wir unsere Verhaltensregeln erweitern und den Schutz der Verbraucher stärken.”

Die vorgeschlagenen Maßnahmen der Buchmacher knüpfen im Übrigen unmittelbar an eine freiwillige Erhöhung der Sozialabgaben aus Juli an. Die Unternehmen Bet365, William Hill, SkyBet, Paddy Power und Ladbrokes Coral gaben bekannt, ihre sozialen Abgaben, bis 2023, um das Zehnfache zu erhöhen. Auch das britische Kulturministerium unter Jeremy Wright (Conservative Party) hatte das Vorgehen der Unternehmen befürwortet.

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Der Elizabeth Tower in London.

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