UK: Neuer Glücksspielverband in Planung

Die beiden Glücksspielverbände Remote Gambling Association (RGA) und Association of British Bookmakers (ABB) sollen aufgelöst und durch den neuen Verband Betting and Gaming Council (BGC) ersetzt werden. Die neue britische Betreiberorganisation soll künftig als Sprachrohr der Branche und Vermittler zwischen Industrie, Politik und Gesellschaft fungieren. Die Reform des britischen Glücksspielmarkts schreitet damit weiter voran. Hier ein Überblick zu den Entwicklungen.

Der britische Labour-Politiker Tom Watson auf einer Konferenz.

Der Labour-Politiker Tom Watson (l.) fordert derzeitig eine Umstrukturierung des britischen Glücksspielsektors. (©Wikipedia)

Höhere Qualitätsstandards im Fokus

Es ist zweifellos eine Meldung, die die Entwicklungen des britischen Glücksspielmarkts erheblich beeinflussen könnte: Die beiden Interessenverbände RGA und ABB planen eine Fusion. Aus den Verbänden soll der Betting and Gaming Council (BGC) als neue Stimme der britischen Glücksspielindustrie hervorgehen und noch bis zum Herbst diesen Jahres etabliert werden. Die neue Organisation wird sich folglich dafür einsetzen, zwischen Industrie, Politik und Gesellschaft zu vermitteln, um vor allem den Kunden ein „sicheres und unterhaltsames Spielerlebnis“ zu bieten.

Laut Verbandssprechern sei es das Hauptziel der Reform, gemeinsam hohe Standards zur Bekämpfung von glückspielbezogenen Schäden aller Art festzulegen, das Vertrauen der Verbraucher und der Öffentlichkeit in den Sektor soll damit gesteigert werden. In diesem Sinne wird der BGC künftig die RGA ersetzen, die 2005 bereits durch eine Fusion der Verbände Association of Remote Gambling Operators (ARGO) und Interactive Gaming, Gambling and Betting Association (IGGBA) entstanden ist, aus welcher wiederum die ABB hervorging.

Zusammen zählen die beiden Gremien inzwischen über 100 Betreiber, darunter sowohl unabhängige private Buchmacher als auch börsennotierte Konzern wie Paddy Power Betfair. Mit Blick auf die Etablierung des neuen Glücksspielverbands BGC meldete sich jüngst der Vorsitzende von ABB, Paul Darling, zu Wort und betonte in diesem Kontext vor allem die höheren Qualitätsstandards, die die Fusion mit sich bringt. Gegenüber der Fachpresse hieß es:

“Ich begrüße die Gründung des Betting and Gaming Council, was den Austausch über noch hochwertigere Praktiken in der gesamten Branche ermöglicht und die Innovationsfähigkeit für noch sicherere Glücksspielangebote deutlich erhöhen wird.”

Organisation für britische Lizenznehmer

Laut Darling stehe die Mitgliedschaft in der neuen Einrichtung allen Glücksspielanbietern mit einer britischen Lizenz offen. Darling selbst geht davon aus, dass künftig über 90 Prozent aller britischen Glücksspielanbieter, mit Ausnahme von Lotteriebetreibern, durch den Betting and Gaming Council vertreten werden. Sämtliche Mitglieder sollen ferner dazu verpflichtet werden, sich an einen neuen Verhaltenskodex zu halten, um sicherzustellen, dass die höchstmöglichen Betriebsstandards eingehalten werden.

Brigid Simmonds übernimmt BGC-Spitze

Die Leitung des BGC wird Brigid Simmonds übernehmen, die sowohl als Vorsitzende wie auch als Geschäftsführerin fungieren soll. Simmonds ist in der britischen Unterhaltungsindustrie alles andere als unbekannt: Seit 2009 ist Simmonds bereits als CEO der British Beer & Pub Association aktiv. Zuvor war sie Mitglied des Sport England Lottery Panel und saß darüber hinaus im Hauptausschuss von Sport England, einer Regierungsbehörde, die Menschen ermutigt, sich vermehrt an sportlichen Aktivitäten zu beteiligen.

Außerdem hatte Simmonds den Vorsitz im britischen Tourismusverband Tourism Alliance inne und ist ehemalige Treuhänderin der Spielerschutzorganisation GambleAware. 2006 wurde Simmonds obendrein für ihre Verdienste im Sportsektor zur Offizierin des British Empire ernannt. Mit Blick auf ihre neue Position in der Glücksspielbranche betonte die künftige BGC-Vorsitzende:

“Ich freue mich darauf, dem Betting and Gaming Council als erste Vorsitzende beizutreten. Die Glücksspielindustrie leistet einen enorm wichtigen Beitrag zur Freizeitindustrie und zur Wirtschaft. Es gibt jedoch kritische Fragen, mit denen der Sektor konfrontiert wird, deshalb werde ich sicherstellen, dass die Etablierung eines sicheren Spielumfelds oberste Priorität hat.”

Weiterführend erklärte Simmonds, die einzelnen Branchenvertreter und Unternehmen nicht einschränken, sondern eine weltweit führende Branche in Bezug auf sicheres Spielen kreieren zu wollen. Zu diesem Zweck plant Simmonds „allen Beteiligten zuzuhören“ und bei der „Identifizierung wirksamer Maßnahmen zum Schutz der Kunden“ helfen. Befürwortung erfuhr sie diesbezüglich bereits von Seiten des Bet365-CEOs John Coates, dieser bescheinigte Simmonds zuletzt eine „hervorragende Erfolgsbilanz” in ihrer bisherigen Karriere. Darüber hinaus hieß es:

“Ich weiß, dass sie die Zusammenarbeit in der gesamten Branche bei allen Initiativen für sichereres Glücksspiel vorantreiben wird, sie wird versuchen, gemeinsam alle Herausforderungen anzugehen, vor denen wir als Branche stehen.”

Reformen am britischen Markt

Mit der Fusion der RGA und ABB schreitet die Umstrukturierung des britischen Glücksspielsektors weiter voran. Ein Politiker, der die Reformen an dieser Stelle maßgeblich mitvorantreibt, ist Tom Watson (Labour Party), der erst Mitte Juni die Ernennung eines Ombudsmanns für den Glücksspielsektor gefordert hat. Der Mittelsmann soll laut Watson als neutrales Bindeglied zwischen Industrie, Staat und Verbrauchern fungieren, was wiederum einer besseren Kontrolle des Sektors zugutekäme.

Außerdem forderte der Politiker die Einführung eines neuen Lizenzsystems – bereits etablierte Betreiber sollen demnach ihre Lizenzen erneut beantragen müssen, was erneute Prüfungen und Kontrollen zur Folge hätte. Dass es sich bei dem neubegründeten BGC um eine Reaktion auf die drastischen Forderungen des Politikers handeln könnte, ist bis dato zwar nur Spekulation, jedoch nicht unwahrscheinlich. Die weiteren Entwicklungen bleiben an dieser Stelle abzuwarten.

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