MGA: Experiment für Kryptowährungen geht in Phase 2

Die maltesische Glücksspielaufsicht, Malta Gaming Authority (MGA), hat mit der zweiten Phase ihres Sandbox Framework-Projekts begonnen, einer Initiative zur Erforschung der Verwendung von Kryptowährungen durch lizenzierte Glücksspielanbieter. Im Zentrum der Tests steht die sogenannte Blockchain-Technologie, diese bildet das zentrale Element für Kryptowährungen, wie zum Beispiel Bitcoin. Viele Branchenvertreter betrachten Blockchains als wegweisende Zukunftstechnik. Hier ein Überblick zur Entwicklung.

Ein Blick auf das Mittelmeerparadies Malta.

Malta gilt als „Online Las Vegas“ der Glücksspielwelt und will künftig auch auf Blockchain-Technik setzen. (©pixabay)

Technologie der Zukunft?

„Die Blockchain-Technologie lässt sich für Online Glücksspiele anpassen und bietet eine robuste Plattform für eine transparente Spielwirtschaft“, so das Kredo von MGA-Vorstandschef Joseph Cuschieri im August 2017. Seither hat sich in dieser Richtung einiges getan: Nach einer Genehmigung durch das maltesische Parlament im Mai 2018, läutet die MGA zurzeit bereits die zweite Testphase des Sandbox Framework-Projekts ein. Eine erster Testlauf war bereits im vergangenen Januar erfolgt.

Die maltesischen Lizenznehmer erhalten im Rahmen des Experiments die Möglichkeit, diverse Tests von Blockchain-Anlagen in einer kontrollierten Umgebung durchzuführen. Zu diesem Zweck wählt die MGA entsprechende Technologieplattformen unterschiedlicher Anbieter aus, die den Probanden für etwaige Versuche zur Verfügung gestellt werden.

Die Experimente laufen unter dem Titel Innovative Technology Arrangements (ITAs) und werden über ein Bewerbungsverfahren vergeben. Angeboten wird folglich die zeitbegrenzte Nutzung von Dienstleistungen und technischen Lösungen wie Smart Contracts und Distributed Ledger Technology (DLT)-Plattformen, welche die Basis zur Blockchain-Technologie bilden.

Zum Verständnis: Unter Blockchains werden in der IT- und Finanzwelt im Allgemeinen spezielle Datenbanken verstanden, mit denen sich Transaktionsdaten ohne eine zentrale Kontrollinstanz oder die Notwendigkeit gegenseitigen Vertrauens, dafür jedoch unter vollkommener Transparenz verwalten lassen. Fachläute sprechen bei den Datenbänken unter anderem von „einem virtuellen Kassenbuch“ – sobald es zwischen einem Absender und einem Empfänger zur Transaktion von Daten, Geld- oder Kryptowährungen kommt, wird dies im „Kassenbuch“ vermerkt und auf allen vernetzten Computern aktualisiert.

Unter dem Strich handelt es also um ein dezentrales Buchführungssystem. Da hierbei jede neue Zeile, sprich Transaktion, unveränderlich erhalten bleibt und von hunderten, wenn nicht gar tausenden Computern gleichzeitig erkannt und authentifiziert werden muss, gilt das System als fälschungssicher. Jeder Geldtransfer wird somit quasi für alle beteiligten Nutzer öffentlich gemacht, wobei die jeweiligen Geschäftspartner, sofern nicht anders erwünscht, anonym bleiben können. Externe Finanzverwalter und Kontrolleure, zum Beispiel Banken, benötigt das System nicht.

Die bekannteste und bisher größte öffentliche Blockchain ist die Bitcoin-Blockchain. Immer mehr Experten betrachten Blockchains als zukunftsweisend, weshalb inzwischen auch die Glücksspielindustrie versucht, sich die neue Technologie anzueignen. Eines der ersten Unternehmen, das bereits im März 2018 ein Blockchain-Gambling-Projekt ins Leben gerufen hatte, ist im Übrigen der bulgarische Online Casino-Provider SBTech.

Strenge Auflagen für Teilnehmer

Die technologischen Grundlagen sind im Glücksspielsektor jedoch immer noch unsicher, weshalb die lizenzierten Anbieter eine ganze Reihe an Kriterien erfüllen müssen, um an einem der besagten ITAs teilzunehmen. Der MGA geht es an dieser Stelle vor allem darum, sicherzustellen, dass die Betreiber innerhalb der Testphase alle regulatorischen Anforderungen einhalten.

Zu diesem Zweck müssen sich die Betreiber zunächst einem Audit unterziehen, dieses wird wiederum von einem bei der Malta Digital Innovation Authority (MDIA) registrierten Auditor durchgeführt. Nach der Unterzeichnung eines Dokuments, welches die Kenntnisnahme aller Richtlinien bestätigt, wird die Testphase eingeleitet. Innerhalb der Testphasen, die bis Ende 2021 laufen sollen, werden die beteiligten Unternehmen weitere Rückmeldungen und Aktualisierungen erhalten. Mit Blick auf die hohen Sicherheitsbedingungen erklärte MGA-Geschäftsführer Heathcliff Farrugia:

“Die strategische Mission der MGA besteht darin, Innovationen zu fördern, aber auch bei der Regulierung von Glücksspielen an vorderster Front zu stehen. Unser Programm paart sich mit einem rasant gestiegenen Interesse der Spielanbieter, Blockchains und Kryptowährungen in ihre Betriebe zu integrieren. Dies waren die Hauptgründe für den proaktiven Ansatz der Behörde, ein Sandbox Framework-Projekt für den Einsatz dieser Technologien in einem kontrollierten regulatorischen Umfeld zu entwickeln.”

Immer höhere Nachfrage

Darüber hinaus betonte der Geschäftsführer, dass die MGA inzwischen ihr Licensee Relationship Management System (LRMS) aktualisiert hat, so dass sowohl bestehende als auch potenzielle Lizenznehmer die Genehmigung zur Integration von ITAs beantragen können. Innerhalb des Systems müssen die Teilnehmer auch sämtliche Ausgaben der Spieler mit etwaigen Kryptowährungen melden sowie fehlgeschlagene Transaktionen markieren, womit optimale Transparenz geschaffen werden soll.

Ein weiterer Grund für die Aktualisierung ist wie bereits angedeutet die erhöhte Nachfrage der Anbieter, diese sei nicht zuletzt auf die enorme Präsenz der neuen Technologie in den Medien zurückzuführen: „Der Medienhype um das Potenzial von Blockchains und digitalen Transaktionen ist gigantisch. Wir beabsichtigen die Spitze dieses Trends einzunehmen“, so Farrugia. Ob und wann die ersten Online Casinos auf der Basis von Kryptowährung etabliert werden, bleibt vorerst allerdings noch abzuwarten.

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