Google erlaubt Glücksspiel Apps im Play Store

Kehrtwende bei Google: Ab 2. August 2017 werden kommerzielle Glücksspielapps in den Play Store aufgenommen. Das hat Google in einem Schreiben an führende Gamblingunternehmen angekündigt. Der Suchmaschinengigant hatte 2010 derartige Apps aus seinem Angebot entfernt.

Die Nutzungsbedingungen des Play Store weisen bislang explizit darauf hin, dass Apps keine Glücksspiele um Echtgeld enthalten dürfen. Von dieser Haltung rückt das Unternehmen nun ab. Die Neuerung betrifft zunächst lediglich die Stores für Großbritannien, Irland und Frankreich. Andere Jurisdiktionen sollen allerdings in Bälde folgen. Erlaubt werden ausschließlich Apps lizensierter Glücksspielfirmen, die Konzessionen müssen Google zur Überprüfung vorgelegt werden. Weiterhin stellt das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View besondere Anforderungen an das Design der Software. So müssen Hinweise zur Spielsucht prominent dargestellt werden, sowie strikte Überprüfungen des Alters der Nutzer durchgeführt werden. Dadurch will das Unternehmen den mit Glücksspiel verbundenen Risiken Rechnung tragen.

Für Industrie und Kunden stellt die neue Politik Googles eine einschneidende Veränderung dar. Das von Google entwickelte Android ist das meistgenutzte Betriebssystem auf mobilen Endgeräten. Der Play Store stellt die zentrale Bezugsquelle für zusätzliche Programme dar. Zwar ist es, anders als etwa bei Apple und ihrem iTunes, möglich, Software außerhalb des offiziellen „Ladens“ zu beziehen. Doch die meisten Nutzer durchsuchen nur diese Quelle nach Apps. Entsprechend schwierig war bislang der Vertrieb von Glücksspielapps. Die Unternehmen mussten ihre Anwendungen auf der eigenen Webseite anbieten und den Nutzern eine Installationsanleitung bereitstellen. Hinzu kamen aufwendigere Updateverfahren, da die übliche Synchronisierung mit dem Play Store entfiel.

Besonders für die Kunden war die bisherige Situation einigermaßen verwirrend. Zwar konnte man Apps der großen Gamblingunternehmen im Play Store finden. Allerdings handelte es sich hierbei nicht um Echtgeldspiele, sondern zumeist um Nachbildungen mit virtueller Währung. Zum Teil handelte es sich auch um plumpe Fälschungen dubioser App-Entwickler, die etwa das Design bekannter Spielautomaten nachahmten. Die Suche und Installation der originalen Anwendungen wurde dadurch deutlich verkompliziert.

Woher der Sinneswandel?

In Zukunft dürfte es also deutlich einfacher sein, seine bevorzugte App aus sicherer Quelle zu beziehen. Zumindest in den Märkten, die Google zunächst bedienen wird. Wann der deutsche Store entsprechende Apps enthalten wird, lässt sich derzeit nicht beantworten. Google wird vermutlich kommende Regulierungsvorstöße abwarten, bevor sie hierzulande aktiv werden.

Über die Gründe für die Lockerung der Regeln im Play Store gibt das Schreiben von Google keine Auskunft. Möglicherweise möchte man die Entstehung alternativer App-Marktplätze verhindern. Ende 2015 wurde mit Betcade eine Sammelstelle für Glücksspielapps für Android gegründet. Das Angebot enthielt sogar ein eigenes Zahlungssystem und sollte sich durch Provisionen für die Akquise von Neukunden finanzieren. Im Januar 2017 stellten die Betreiber ihre Geschäfte zwar ein, neue Investoren ermöglichten im April allerdings die Neueröffnung. Womöglich hat diese Rückkehr Google zur Wiederaufnahme von Glücksspielapps bewogen – das Geschäftsmodell von Betcade dürfte jedenfalls akut gefährdet sein.

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