Disput zwischen UKGC und Politik

Eine Gruppe von Abgeordneten hat heftige Kritik an der britischen Glücksspielregulierungsbehörde UKGC (UK Gambling Commission) geübt. Der Behörde wird vorgeworfen für ihre Aufgabe „nicht geeignet“ zu sein. Im Fokus steht der digitale Spielerschutz. Die UKGC kontert indessen mit Plänen zur Einführung neuer Verbraucherschutzregeln. Wie sehen diese aus und was genau steckt hinter dem Disput?

Ein Blick auf das Londoner Bankenzentrum.

Infolge des Disputs kam es an der Londoner Börse zu Gewinneinbrüchen unter den Wettanbietern. (©RobertBye/Unsplash)

Forderung nach strengeren Vorschriften

In Großbritannien steht derweil ein Disput zwischen der Glücksspielbehörde UKGC und einer Gruppe von politischen Abgeordneten im Raum. Ausschlaggebend für die Auseinandersetzung ist ein kürzlich veröffentlichter Glücksspielbericht des parteiübergreifenden Gremiums „Gambling Related Harm All-Party Parliamentary Group (APPG)“, hierin wird die Kommission als „nicht zweckmäßig“ und „nicht geeignet“ bezeichnet. Die Vorschriften für den Online Glücksspiel-Sektor würden demnach nicht ausreichen, um problematische Spieler und insbesondere Kinder und Jugendliche vor möglichen Glücksspielschäden zu schützen.

In der Vergangenheit sei es der UKGC in diesem Zusammenhang häufig nicht möglich gewesen, gefährdete Spieler vom Spielen auszuschließen. Folglich ist die Rede von „Besorgnis über das Fehlen von Maßnahmen der Regierung und der Glücksspielkommission, um verursachte Schäden wirksam anzugehen“. Die Meinung wird zurzeit sowohl von Troy- als auch von Labour-Abgeordneten geteilt.

Um den Spielerschutz zu verbessern, hatte die APPG laut eigenen Aussagen mehrfach verlangt, die geltenden Vorschriften für den boomenden Onlinesektor zu verschärfen, die Regularien bezogen sich insbesondere auf Einsatz- und Gewinnlimits. Hier wird vonseiten der APPG eine Gleichstellung von Online und landbasiertem Glücksspiel gefordert, ein „analoges Gesetz“ sei demnach für das digitale Zeitalter von Bedeutung. In diesem Kontext ging es außerdem um ein Verbot von Kreditkarten bei Glücksspieltransaktionen. Die Vorschläge der Politiker seien von der UKGC jedoch bis heute nicht berücksichtigt worden.

UKGC weist Anschuldigungen zurück

Aktuell wehrt sich die UKGC gegen die Vorwürfe, demzufolge habe man innerhalb der letzten Jahre bereits eine ganze Reihe an Maßnahmen für den Spielerschutz umgesetzt. Die Kommission verweist an dieser Stelle auf eine kürzlich gehaltene Rede des UKGC-Vorsitzenden Neil McArthur, in dieser sei man eindeutig auf die Forderungen der APPG eingegangen, im Fokus standen Einsatzlimits, Zahlungstechnologien sowie ein einheitliches und transparentes Kundenregister. Die Rede fand bei einem CEO-Breakfast Briefing in London statt, hier erklärte McArthur im Wortlaut:

“Wir werden Daten über das Online Glücksspiel sammeln und diskutieren, was das für die Limits der Einsätze bedeutet. Wir wissen bereits, dass den Verbraucher Schäden zugefügt werden können und dass eine effektive Nutzung kontenbasierter Spieldaten zum Schutz der Spieler beitragen sollte. Daher prüfen wir derzeitig die Einführung eines weiterführenden Verbraucherschutzes im Internet, dazu gehört auch die Einführung von Limits, um das Risiko zu verringern.”

Fortführend kritisierte die UKGC die Untersuchungsmethoden der APPG, die in der Vergangenheit vermehrt Zwischenberichte veröffentlicht haben soll, ohne stichhaltige Beweise und ohne Rücksprache mit der Regulierungsbehörde zu liefern. In Zukunft wolle man der APPG daher genauere Einblicke in die Arbeitsweisen der Behörde vermitteln. Gegenüber dem Nachrichtenportal iGamingBusiness hieß es in diesem Sinne:

“Wir sind enttäuscht, dass dieser Bericht veröffentlicht wurde, bevor wir die Möglichkeit hatten, vor der APPG eine Aussage zu machen. Der Bericht spiegelt nicht unsere vielen Maßnahmen und Fortschritte in den dargelegten Problembereichen wider, wir würden uns über eine Möglichkeit freuen, diese Arbeit der APPG vorzustellen.”

Kinder und Jugendschutz im Fokus

„Der Schutz von Kindern und gefährdeten Menschen steht im Mittelpunkt unserer Arbeit“, so das abschließende Kredo eines UKGC-Sprechers in Bezug auf die Vorwürfe. Die Behörde sei demnach „ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, unseren Regulierungsansatz effektiver zu gestalten“. Ein besonderes Augenmerkt läge dabei vor allem auf den Veränderungen der Technologie und des Verbraucherverhaltens, in Zukunft wolle man „zweckmäßig und effektiv auf neue Probleme reagieren“. Des Weiteren werde man „harte Durchsetzungsmaßnahmen gegen jeden, der sich nicht an die Regeln hält“ ergreifen.

Die Ambitionen der Behörden kommen nicht von ungefähr, denn das Thema Spielerschutz – und besonders das Thema Kinder- und Jugendschutz im Kontext von Sportwetten, werden in Großbritannien zurzeit hitzig diskutiert. Ins Rollen kam die Debatte unter anderem im September 2018: Ein BBC-Bericht rückte eine Reihe von Sportwettangeboten auf den Juniorenwebseiten britischer Fußballklubs ins Licht der Öffentlichkeit. Zuletzt sorgte eine von der britischen Spielerschutzorganisation veröffentlichte Studie über die Verunsicherung britischer Fußballfans durch Wettsponsoren für Aufsehen.

Fallende Börsenkurse durch APPG

Nicht nur die UKGC, auch der Finanzmarkt reagierte auf den drastischen APPG-Bericht. Vor allem waren größere Wettkonzerne von Verlusten betroffen. Die Aktien des Ladbrokes-Inhabers GVC Holdings fielen zum Beispiel um rund 10,5 Prozent, der Marktwert ist infolge um etwa 540 Mio. Pfund gesunken. Auch Konkurrent William Hill büßte 12,66 Prozent ein, die 888 Holdings-Aktien fielen sogar um 13,6 Prozent. Die abfallenden Kurse verdeutlichen die Nervosität der Anleger in Bezug auf die angekündigten neuen Regularien. Ob es tatsächlich zur Umsetzung kommt, bleibt vorerst abzuwarten.

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