Britische Fußballfans durch Wettsponsoren verunsichert?

Die britische Spielerschutz-Initiative GambleAware hat eine Umfrage zum Thema Wettsponsoren im Fußball durchgeführt. Die am Freitag (13.09.) veröffentliche Auswertung zeigt, dass viele Fußballfans durch die vermehrten Kooperationen zwischen Vereinen und Buchmachern verunsichert sind. Das Thema gerät in Großbritannien zurzeit immer häufiger in die Schlagzeilen. Verschiedene Umfragen liefern zudem unterschiedliche Ergebnisse. Hier ein Überblick zur Entwicklung.

Der englische Fußballstar Wayne Rooney.

Der Fußballstar Wayne Rooney steht zurzeit wegen individueller Sponsoring-Aktionen in der Kritik. (©flickr)

Befürwortung nur bei 13 Prozent

Vergangene Woche veröffentliche die britische Spielerschutz-Initiative GambleAware die Ergebnisse einer Fan-Umfrage mit dem Schwerpunkt Wettsponsoren im Profifußball. Die Umfrage wurde in Kooperation mit dem Interessenverband FSA (Football Supporters Association) durchgeführt und ist Teil der sogenannten „Bet Regret-Kampagne“. Die Aktion startete bereits im letzten Februar und soll über die gesamte Saison 2019/20 laufen. Hiermit soll sowohl über die potenziell negativen Folgen des boomenden Wettsponsorings im Sport aufgeklärt als auch für ein kontrolliertes Spielverhalten geworben werden. Die Partnerschaft mit der FSA ist GambleAware zu diesem Zweck erst kürzlich eingegangen.

Die jüngst per Facebook veröffentlichen Ergebnisse der Umfrage sprechen eine deutliche Sprache: Von insgesamt 1.257 befragten Teilnehmern haben nur 13 Prozent angegeben, Partnerschaften zwischen Vereinen und Sportwettanbietern zu befürworten. Zudem finden nur 10 Prozent der Teilnehmer, dass die Vereine genügend Maßnahmen treffen, um über mögliche negative Folgen von Sportwetten zu informieren und die Fans zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Sportwetten zu animieren. Vor allem im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes werden vermehrt Bedenken in Bezug auf Stadionbanner und Trikotwerbung geäußert. FSA-Chef Kevin Miles betont diesbezüglich im Rahmen einer Pressemitteilung:

“Fußballvereine sind nicht wie jedes andere Geschäft, sie sind ein fester Bestandteil des Lebens vieler Fans und haben daher eine Sorgfaltspflicht. Es ist klar, dass die Fans wollen, dass ihre Klubs mehr tun, um ihre Anhänger über die Risiken von Sportwetten aufzuklären. Zusammen mit GambleAware werden wir die Clubs, insbesondere die mit prominenten Wettsponsoren, dazu bringen, es in Zukunft besser zu machen.”

Unterstützung erfährt Miles an dieser Stelle vonseiten des GambleAware-Geschäftsführers Marc Etches. Dieser erklärte, dass das Umfrageergebnis die Befürchtungen in Bezug auf unsichere Wetten für Kinder und Jugendliche bestätige – man könne an dieser Stelle mehr tun, so das Kredo. Fortführend heißt es im Zitat:

“Unsere neue Partnerschaft mit der FSA basiert auf einer gemeinsamen Agenda, um ein sicheres Wettumfeld im Fußball zu schaffen. Dies bedeutet auch, dass die Stimmen der Fans gehört werden müssen. Wir werden daher mit den Fans in Communities zusammenarbeiten, um ein moderates Wettverhalten zu fördern und um auf die Risiken für Jugendliche aufmerksam zu machen.”

Individuelles Sponsoring wird abgelehnt

Auch das Thema Individuelle Sportwett-Botschafter kam innerhalb der GambleAware-Umfrage zum Tragen und wird von 84 Prozent der Teilnehmer abgelehnt. Den Profispielern des Vereinigten Königreichs ist es zwar nicht gestattet, innerhalb von Fußballspielen personalisierte Werbelogos auf ihren Trikots zu tragen, dennoch haben die Buchmacher die Regeln laut GambleAware in der Vergangenheit immer wieder zum eigenen Vorteil ausgenutzt, weshalb das Thema mit in die Umfrage aufgenommen wurde.

Zum Verständnis: Insbesondere der Fall um den früheren Manchester United-Star Wayne Rooney (33) ist für die Debatte ausschlaggebend. Der 120-fache englische Nationalspieler soll ab Januar 2020 als Spieler-Trainer beim englischen Zweitligisten Derby County tätig werden. Unlängst wurde Rooney dort bereits im Trikot des Vereins mit der Rückennummer 32 präsentiert. Brisant ist daran jedoch, dass ausgerechnet der Buchmacher 32Red (Kindred Group) der offizielle Hauptsponsor des Klubs ist. Folglich diskutieren britische Medien, der Fußballdachverband FA (Football Association) und Branchenkenner darüber, ob dies als Doppeldarstellung der Zahl 32 zu verstehen ist, dies würde gegen die Werberichtlinien der FA verstoßen.

In der Londoner Tageszeitung The Telegraph wird der Spieler aktuell scharf für die Aktion kritisiert. Demnach habe sich inzwischen sogar Rooneys Ehefrau Coleen Rooney öffentlich gegen die Aktion ausgesprochen. Die weiteren Entwicklungen bleiben in dieser Sache abzuwarten.

Wettsponsoren im medialen Fokus

Wettsponsoren im Fußball geraten in UK zurzeit immer mehr in den Fokus von Medien und Öffentlichkeit. Aufgrund des Verdachts auf Richtlinienverstöße hat die örtliche Glücksspielkommission (UK Gambling Commission, kurz: UKGC) in diesem Zusammenhang erst Ende August eine erneute Überprüfung der FSB-Lizenz angeordnet. Der White Lable-Anbieter kooperiert unter anderem mit dem Wettanbieter 1xBet, der erst kürzlich als Sponsor der Vereine Tottenham Hotspur, Chelsea FC und Liverpool FC in der Premier League aktiv wurde. Auf Grund der Untersuchung und des medialen Drucks haben sich alle Vereine inzwischen wieder von dem Betreiber distanziert.

Die Meinungen zu Wettsponsoren bleiben unter dem Strich jedoch höchst unterschiedlich. Die englische EFL (English Football League) veröffentlichte erst Mitte Juli die Ergebnisse einer Umfrage unter EFL-Fans, von 28.000 befragten Teilnehmern gaben hier satte 71 Prozent an, Glücksspiel-Sponsoring im Fußball zu akzeptieren. Allerdings betonten 62 Prozent der Teilnehmer auch, die Partnerschaften nur zu befürworten, sofern die Vereine und Unternehmen gleichzeitig Initiativen zum Kinder- und Jugendschutz ergreifen.

Seitdem eine BBC-Untersuchung im September 2018 zeigte, dass sich Sportwettreklamen auf den Juniorwebseiten von über 15 britischen Profiklubs befinden, ist das Thema Kinder- und Jugendschutz in Großbritannien omnipräsent. Auch in kommender Zeit kann daher mit weiteren Debatten und Initiativen gerechnet werden.

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