Was die Berichterstattung über die Glücksspiel-Survey 2025 oft auslässt

  • Die Glücksspiel-Survey 2025 belegt: 46,8 % aller Männer in Deutschland haben in den vergangenen 12 Monaten am Glücksspiel teilgenommen. Bei den Frauen waren es 32,4 %.
  • Diese Zahlen scheinen auf den ersten Blick beunruhigend und könnten einen falschen Eindruck vermitteln, denn die hohe Anzahl an Lottospielern lässt die Gesamtzahl breiter wirken.
  • Das trifft insbesondere dann zu, wenn in der medialen Berichterstattung einzelne Zahlen ohne Kontext wiedergegeben werden.
  • In diesem Artikel widmen wir uns den Ergebnissen der Glücksspiel-Survey 2025 und helfen euch dabei, diese besser einzuordnen.
Ein Mann möchte in einem Kiosk seinen Lottoschein abgeben. Dort sieht er eine Schlagzeile zur Glücksspielteilnahme in Deutschland und ist erschrocken.

Einzelne Schlagzeilen können Forschungsergebnisse in das falsche Licht rücken. © OnlineCasinosDeutschland.com/ChatGPT

Warum die mediale Berichterstattung zur Glücksspiel-Survey 2025 oft zu kurz greift

Im März dieses Jahres wurde die Glücksspiel-Survey 2025 veröffentlicht. Sie erfasst Daten zur Glücksspielteilnahme in Deutschland und bildet glücksspielbezogene Probleme in der Bevölkerung ab.

Damit liefert die Studie wichtige Erkenntnisse, die als Grundlage für den Spieler- und Jugendschutz dienen. Da die Glücksspiel-Survey alle zwei Jahre durchgeführt wird, bietet sie regelmäßig neue Einblicke.

Auch wir haben uns die Daten der Glücksspiel-Survey 2025 angeschaut. Vielleicht seid ihr auch darüber gestolpert, dass in Deutschland 36,4 % der Befragten in den vergangenen 12 Monaten an Glücksspielen teilgenommen haben. Bei den 46- bis 55-jährigen Männern steigt der Wert bis auf 46,8 % an. So war es kurz nach der Veröffentlichung in den deutschen Medien zu lesen.

Diese großen Zahlen können zunächst schockierend wirken und Besorgnis hervorrufen. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass dieser Wert Gelegenheitsspieler, Lottospieler und aktive Spieler zusammenfasst. Er bildet also nur die Menschen ab, die irgendetwas spielen. Diese wichtige Information fehlt bei der medialen Berichterstattung jedoch oft.

Genau deshalb lohnt sich der Blick in die weiteren Auswertungen des Berichts, die zwischen Spielformen und Risikoprofilen unterscheiden.

Ein zweiter Blick auf die Survey lohnt sich

Wenn wir uns die Ergebnisse der Glücksspiel-Survey 2025 anschauen, dann stoßen wir zunächst auf eine hohe Gesamtteilnahme in der deutschen Bevölkerung. Es lohnt sich jedoch, genauer hinzuschauen.

Denn auf den zweiten Blick erkennt ihr, dass die Werte ohne reine Lotteriespieler deutlich niedriger ausfallen. Die Survey bietet euch dafür differenzierte Zahlen. Genau dadurch entsteht eine Differenz, die von sehr großer Bedeutung ist, in den Medien aber gerne vergessen wird.

Warum Lotterie die Schlagzeile größer macht, als viele Spieler es erwarten würden

Schauen wir uns die konkreten Zahlen an, damit ihr sie besser einordnen könnt. Die Glücksspiel-Survey 2025 bildet ab, wie viel Prozent der Befragten in den letzten 12 Monaten am Glücksspiel teilgenommen haben. Das sind die genauen Ergebnisse nach Geschlecht und Altersklasse:

Statistik zur Teilnahme an Glücksspielen in den letzten 12 Monaten nach Altersgruppen und Geschlecht differenziert.

Insbesondere bei Männern im mittleren Alter sind die Werte ziemlich hoch. Fast jeder zweite Mann hat demnach im letzten Jahr an Glücksspielen teilgenommen. Bei genauerer Betrachtung ist das ein wirklich hoher Wert.

Die Glücksspiel-Survey bildet auch ab, an welchen Glücksspielformen Männer und Frauen in den letzten 12 Monaten am häufigsten teilgenommen haben. Und da wird es interessant:

Statistik zur Teilnahme nach Glücksspielform nach Geschlecht differenziert.Statistik zur Teilnahme nach Glücksspielform nach Geschlecht differenziert.

Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen sind Lotterien mit Abstand am beliebtesten. Wie ihr seht, werden Lotto 6aus49, der Eurojackpot, Zusatzlotterien und Co. in Deutschland am meisten gespielt. Und eben nicht Slots, Poker oder Sportwetten. Sie werden aber alle in der großen Statistik zusammengefasst.

Das beliebteste Glücksspiel, das keine Lotterie ist, sind Sportwetten mit festen Quoten. Diese wurden in den vergangenen 12 Monaten aber nur von 2,6 % der Befragten abgegeben. Bei den Männern waren es 4,6 % und bei den Frauen nur 0,6 %.

Warum Spieler dadurch leicht ein schiefes Bild bekommen

Deutschland scheint ein Land der Lotterien zu sein. Die Glücksspiel-Survey 2025 bildet klar ab, wie beliebt Eurojackpot, Aktion Mensch und Co. sind. Dass 36,4 % der Befragten in den letzten 12 Monaten an Glücksspielen teilgenommen haben, rückt durch diese Information in ein völlig neues Licht.

Die großen Zahlen könnten einen homogenen Markt vermuten lassen, aber das ist in Deutschland nicht der Fall. Hinter den Zahlen verbergen sich sehr unterschiedliche Nutzungsrealitäten.

Für viele Lottospieler gehören feste Routinen dazu. Sie spielen schon seit Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, Lotto. Jede Woche geben sie ihren Schein ab und freuen sich, wenn sie etwas gewinnen. Hin und wieder kaufen sie noch ein Rubbellos oder nehmen an einer Silvesterlotterie in ihrem Bundesland teil.

Eine ältere Dame kauft an einem Kiosk einen Lottoschein. Sie kennt den Verkäufer seit Jahren.

Sie tauchen in derselben Statistik auf wie Personen, die Sportwetten abgeben oder online Slots spielen. Dabei handelt es sich oft um eine andere Nutzungspraxis.

Lotto ist meist mit geringen Einsätzen, festen Ziehungszeiten und einer eher inaktiven Nutzung verbunden. Sportwetten und andere aktivere Formate funktionieren dagegen oft über häufigere Ereignisse, schnellere Entscheidungen und direkteres Reagieren auf Spielverläufe. Schon deshalb steckt hinter derselben Gesamtzahl nicht dieselbe Nutzungspraxis.

Wie ihr seht, gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Glücksspielformen. Diese in einer großen Statistik abzubilden, zeigt uns, wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich an Glücksspiel teilnehmen. Wichtig ist jedoch, anschließend über den Tellerrand zu schauen und die Zahlen korrekt einzuordnen. Vor allem in der medialen Berichterstattung ist das meist nicht der Fall.

Fehlwahrnehmung durch Schlagzeilen

Wenn ihr regelmäßig an Glücksspiel teilnehmt, dann möchtet ihr den Markt sicherlich verstehen. Ihr schaut euch die Ergebnisse der Glücksspiel-Survey 2025 an und beschäftigt euch damit, wie der Glücksspielmarkt in Deutschland wirklich funktioniert.

Vielleicht stolpert ihr dabei auch hin und wieder über reißerische Schlagzeilen. Als die Glücksspiel-Survey 2025 im März veröffentlicht wurde, haben viele Nachrichtenportale die Zahlen aufgegriffen. Dabei wurden wie so oft die Daten herausgepickt, die sich am besten als Schlagzeile eignen.

So schrieb das Deutsche Ärzteblatt:

Aufnahme eines Artikels des Deutschen Ärzteblattes zur Glücksspiel-Survey 2025.

www.aerzteblatt.de/news/mehr-als-jeder-dritte-in-deutschland-spielt-gelegentlich-um-geld-c0975499-ec46-4176-b13e-3d28dcb451b1

Die Bild fokussierte sich hingegen auf die Zahlen zur Spielsucht bei Männern:

Aufnahme eines Artikels der Bild zum Thema Spielsucht bei Männern.

www.bild.de/leben-wissen/gluecksspiel-maenner-werden-dreimal-haeufiger-spielsuechtig-69b1673b096b88cb83626b77

Und auch der Tagesspiegel berichtete, dass Männer anfälliger für eine Spielsucht sind:

Aufnahme eines Artikels des Tagesspiegel zum Thema Spielsucht bei Männern.

www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/glucksspiel-survey-2025-studie-manner-bleiben-anfalliger-fur-glucksspielsucht-15342399.html

All diese Schlagzeilen sind richtig und geben die Ergebnisse der Glücksspiel-Survey 2025 korrekt wieder. Und natürlich greifen sie die höchsten Zahlen auf, um die Aufmerksamkeit der Leser zu erhalten. Das haben Schlagzeilen so an sich.

Was jedoch fehlt, ist eine genauere Einordnung der Zahlen. Die fehlende Trennung zwischen verschiedenen Gruppen verhindert eine korrekte Einordnung der Ergebnisse – obwohl die Glücksspiel-Survey 2025 diese Zahlen liefert.

Große Marktzahlen erklären selten, wie nah sie wirklich an der Spielerrealität sind

Wann immer ihr auf große Prozentwerte stoßt, erhaltet ihr sehr allgemeine Informationen. Sie sagen oftmals nichts darüber aus, welche Glücksspielformen für Spieler wirklich relevant sind. Wenn ihr nur die Schlagzeile lest, wisst ihr nicht, wie viele Prozent der Spieler an Lotto, Online Casinos, Sportwetten und Co. teilnehmen.

Das ist in Deutschland jedoch ein entscheidender Punkt, denn die gesellschaftliche Breite weicht teilweise massiv von den Spielgewohnheiten einzelner Spielertypen ab. Für viele Spieler ist jedoch genau das wichtig: Antworten auf konkrete Fragen.

Vielleicht fragt ihr euch:

  • Was spielen die Menschen in Deutschland genau?
  • Wie regelmäßig spielen sie?
  • Welche Glücksspielformen dominieren?
  • Wie viele Menschen sind Gelegenheitsspieler und wie viele wirklich aktive Nutzer?

Deshalb lohnt es sich für euch, nicht nur auf die Schlagzeile zu schauen, sondern direkt einen Blick in die Studie zu werfen. In den kleineren Teilzahlen verbergen sich die Informationen, die ihr wirklich sucht. Denn diese Zahlen verraten euch, was wirklich wichtig ist.

Die Glücksspiel-Survey 2025 gibt darüber detaillierte Auskunft. Der Tabelle entnehmt ihr, an welchen Glücksspielformen die Befragten der Studie in den letzten 12 Monaten teilgenommen haben:

Tabelle mit der Nutzung verschiedener Glücksspielformen in den letzten 12 Monaten.

Wie ihr seht, gehen die Zahlen ziemlich weit auseinander. Während Lotterien teilweise von bis zu 22,2 % der Befragten genutzt werden, sind die Zahlen bei Poker, Roulette, Sportwetten und Co. deutlich niedriger.

Interview: Warum sich nicht jeder Spieler in großen Glücksspielzahlen wiederfindet

Die Zahlen der Glücksspiel-Survey 2025 sind vor allem für Behörden, Experten und Forscher wichtig. Es sind aber auch viele Spieler, die sich die Zahlen anschauen und sich damit beschäftigen.

Sogar Menschen, die überhaupt nicht am Glücksspiel teilnehmen, kommen in den Medien mit den Zahlen in Berührung. Dementsprechend wichtig ist es, wie die Menschen die Zahlen aufnehmen und welche Schlüsse sie überhaupt daraus ziehen können.

Ein Lottospieler liest eine Schlagzeile zur Glücksspielteilnahme in Deutschland und regt sich darüber auf.

Viele Leser finden sich in den großen Gesamtzahlen nur teilweise wieder. Besonders deutlich wird das bei Menschen, die regelmäßig Lotto spielen, aber keine anderen Glücksspielangebote nutzen. Genau diese Perspektive macht sichtbar, warum die große Sammelzahl zwar formal korrekt, aus Spielersicht aber oft zu grob ist und von den Medien differenzierter wiedergegeben werden sollte.

Wir haben deshalb ein Interview mit einem Spieler geführt. Wie er zu den Zahlen steht, erfahrt ihr hier.

Zum Schutz unserer Quelle geben wir die Antworten anonymisiert wieder.

1. Seit wann spielst du regelmäßig Lotto? Wie oft spielst du Lotto ungefähr?

„Ich spiele regelmäßig Lotto. Ich habe mir über die App einfach einen Dauertipp eingerichtet. Der läuft dann immer einfach weiter.“

2. Spielst du ausschließlich Lotto oder nutzt du auch andere Formen von Glücksspiel?

„Ich war in meinem Leben einmal im Casino. Ich spiele Lotto, Eurojackpot, Der Dicke aus Spanien, Rubbellose, Spiel 77, Super 6, Glücksspirale, Aktion Sorgenkind Jahreslos, Süd- und Norddeutsche Klassenlotterie. Aber ich habe noch nie gewettet oder online im Casino gespielt.“

3. Würdest du dich selbst überhaupt als „Glücksspieler“ bezeichnen? Warum ja oder warum eher nicht?

„Nein, weil ich nur Lotto spiele. Zu bestimmten Gelegenheiten mache ich dann nochmal einen Extra-Schein, aber das macht mich nicht zum Glücksspieler, finde ich. Glücksspiel ist für mich vor allem Casino. Also wenn jemand ins Casino geht und da Blackjack oder Roulette spielt oder an Automaten sitzt.“

4. Denkst du bei deinem eigenen Spielverhalten an etwas anderes als bei Casino, Online-Slots oder Sportwetten?

„Ja, auf jeden Fall. Ich denke an Lotto und Eurojackpot. Ich finde, dass man in Lotto auch irgendwie reinwächst. Vielleicht ist Lottospielen auch einfach typisch Deutsch. Ich finde, dass es auch die einzige Form von Glücksspiel ist, die gesellschaftlich akzeptiert ist.

Außerdem muss man nichts machen. Ich mache zum Beispiel Quicktipp. Ich wähle also nicht mal die Zahlen selbst aus. Aber wenn ich zum Beispiel wette, dann muss ich ja schon wissen, was ich tue.

So ist es auch im Casino, da muss ich mich ja auch mit den Spielen beschäftigen und aktiv daran teilnehmen. Das hat man beim Lotto nicht, finde ich.“

5. Wo liegt für dich persönlich der größte Unterschied zwischen Lotto und anderen Glücksspielangeboten?

„Lotto bietet einen gewissen Abstand. Vor allem wenn man online spielt und nicht am Kiosk um die Ecke. Geldspielautomaten bieten das nicht und sind mit mehr Action verbunden. Man muss dort hinfahren, sich für einen Automaten entscheiden und dann aktiv daran spielen. Dadurch ist man mitten drin im Glücksspiel.“

6. Wenn du liest, dass ein großer Teil der Menschen in den vergangenen Monaten oder im vergangenen Jahr an Glücksspiel teilgenommen hat, was denkst du dabei zuerst?

„Jeder hätte gerne mal Glück. Da darf jeder drauf hoffen und sein Glück versuchen. Ich hoffe auch jede Woche, dass ich mal was Großes im Lotto gewinne. Außerdem ist es im Falle eines Gewinns auch der Gewinn eines neuen Lebens.

Aber irgendwie finde ich es auch erschreckend, dass so viele Menschen spielen. Da frage ich mich, was spielen die denn alle. Sind das vor allem Lottospieler oder sind andere Glücksspiele auch so stark vertreten?“

7. Fühlst du dich von so einer großen Glücksspielzahl korrekt beschrieben, obwohl du nur Lotto spielst?

„Nein, weil ich ja nur Lotto spiele. Und Lotto ist für mich nicht wirklich Glücksspiel. Wichtig finde ich auch, dass Lotto ja staatlich überwacht wird. Es gibt Kontrollen. Das ist ja auch nochmal was anderes als bei privaten Anbietern.“

8. Hast du das Gefühl, dass solche Zahlen eher Klarheit schaffen oder eher verschiedene Gruppen zu stark in einen Topf werfen?

„Ich finde, dass damit Dinge in einen Topf geworfen werden, die eigentlich nur ganz wenig miteinander zu tun haben. Das wird alles vermischt.“

Wie ihr große Glücksspielzahlen künftig besser lesen könnt

Für euch als Spieler wird die Glücksspiel-Survey 2025 vor allem dann wertvoll, wenn ihr große Zahlen nicht isoliert betrachtet. Wer genauer hinschaut, erkennt schnell, dass die spannendsten Erkenntnisse oft in den differenzierten Auswertungen stecken.

Diese Fragen solltet ihr euch bei großen Glücksspielzahlen sofort stellen

Wenn ihr das nächste Mal eine Headline lest und damit auf große Glücksspielzahlen trefft, könnt ihr sie hoffentlich besser einordnen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Am besten hinterfragt ihr die Zahlen:

  • Was wird in der Statistik zusammengefasst?
  • Sind Lotterien in den Zahlen enthalten?
  • Geht es um die einfache Teilnahme oder um die aktive Nutzung?
  • Welche Teilzahlen sind verfügbar?
  • Beschreiben die Zahlen wirklich den Markt, den ich vor Augen habe?

Die richtigen Fragen helfen euch, die Zahlen korrekt aufzufassen. Dadurch werden falsche Erkenntnisse und Missverständnisse vermieden. Verlasst euch nicht nur auf die Schlagzeile, sondern schaut genauer hin.

Warum ein differenzierter Blick Spielern mehr bringt als die größte Schlagzeile

Die nächste Statistik, die ihr seht, solltet ihr euch genauer anschauen. Wenn möglich, solltet ihr euch auch die Teilzahlen anschauen, um einen differenzierten Blick zu erhalten. Das ist wichtig, weil:

  • Schlagzeilen dadurch enttarnt werden
  • Ihr näher an der Spielerrealität seid
  • Ihr verschiedene Spielertypen besser einschätzen könnt
  • Der Markt dadurch verständlicher wird

Was Spieler selbst an Glücksspielauswertungen verwirrend finden

Wir haben uns gefragt, wie die breite Masse zu Glücksspielauswertungen und insbesondere zur Berichterstattung darüber steht. Findet sie es verwirrend, wenn die Nutzungszahlen durch Lottospieler stark geprägt werden? Welche Änderungen würden sie sich wünschen?

Wir haben auf Reddit gezielt gefragt, ob sich Lottospieler von breiten Glücksspielstatistiken korrekt beschrieben fühlen. Die Antworten sind nicht repräsentativ, zeigen aber wiederkehrende Wahrnehmungen und Kritikpunkte.

Mehrere Nutzer betonen, dass Lottospieler und Casino-Spieler beziehungsweise Wettende nicht in einen Topf geworfen werden sollten:

Comment by u/MiriamLovesSport94 from discussion in gambling

Übersetzung: Lotto ist etwas ganz anderes als an einem Casinotisch zu sitzen oder auf Sportwetten zu setzen – bei dem einen gibt man ein paar Dollar für einen Tagtraum aus, beim anderen versucht man aktiv, Verluste wieder hereinzuholen.

Sie betonen vor allem die unterschiedlichen Verhaltensweisen. Wer hin und wieder einen Lottoschein kauft, hat mit einem aktiven Casino-Spieler wenig gemeinsam. Sie kritisieren besonders, dass gelegentliches Spielen und exzessives Spielen in einer Statistik vermischt werden.

Darüber hinaus machen sie darauf aufmerksam, dass auch die Motivation und das Risikoverhalten bei Lottospielern ganz anders sind.

Anscheinend ist vielen Spielern auch gar nicht klar, dass differenzierte Zahlen vorliegen. Woher sollen sie auch davon wissen, wenn die Medien nur einen kleinen Teil der Zahlen wiedergeben?

Es gibt jedoch auch Stimmen, die es gut finden, die Gesamtzahl an Spielern in einer großen Statistik zusammenzufassen. Ein Nutzer schildert uns, dass er auch Lotto für gefährlich halte und es nicht unterschätzt werden sollte:

Comment by u/MiriamLovesSport94 from discussion in Lottery

Übersetzung: Ich halte das für richtig. In den Nachrichten sieht man ja, wie süchtig Sportwetten über Apps machen und wie jung die Teilnehmer sind, zum Beispiel viele Studenten. Ich glaube, Lottospieler sind eher älter. Im Supermarkt sehe ich zwei Senioren, die Dutzende von Spielscheinen ausfüllen und Hunderte von Dollar ausgeben. Der eine hat gestern 480 Dollar ausgegeben. Ich würde gerne wissen, wie viel diese beiden gewinnen. Sie sehen aus, als könnten sie es sich leisten zu spielen, aber oft sind es gerade Senioren, die sich als Erste beschweren: „Ich lebe von einem festen Einkommen“, haben aber Geld für Lotto.

Die Antworten deuten darauf hin, dass ein Großteil der befragten Spieler der Meinung ist, dass große Glücksspielzahlen verwirrend sind. Es werden unterschiedliche Spielertypen zusammengefasst, was für viele die Realität nicht treffend widerspiegelt.

Und genau hier stoßen wir auf den Kern des Problems. Wer sich nicht genau mit den Ergebnissen von Studien und Umfragen beschäftigt und nur die Headline liest, erhält ein verzerrtes Bild. Solange die Medien nur einen ausgewählten Teil der Ergebnisse wiedergeben, entsteht leicht ein falsches Bild.

Interview mit dem Institut für Glücksspiel und Gesellschaft

Wir haben euch in diesem Artikel bereits verschiedene Positionen und Blickwinkel präsentiert. Aus Spielersicht wirken große Zahlen oft zu grob. Wir wollen aber auch einen Blick auf die andere Seite werfen: Was sagen Forschende dazu, die mit genau diesen Datensätzen arbeiten?

Dafür haben wir uns an das Institut für Glücksspiel und Gesellschaft gewandt. Das Forschungsinstitut beschäftigt sich mit juristischen, gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Aspekten des Glücksspiels. Lucas Ferl ist an dem Forschungsinstitut tätig und hat sich die Zeit genommen, einige Fragen für euch zu beantworten.

Wir möchten euch aber nicht nur die reinen Antworten von Herrn Ferl wiedergeben. Er hat uns als Einleitung ein interessantes Statement zukommen lassen, das ihr euch ebenfalls anschauen solltet:

Ferl:Vielen Dank für Ihre Anfrage. Zunächst ist mir wichtig festzuhalten, dass große Gesamtzahlen zur Glücksspielteilnahme zwar häufig mediale Aufmerksamkeit erhalten, aber keineswegs die einzige Perspektive des Glücksspiel-Survey 2025 darstellen.

Der Bericht differenziert an vielen Stellen ausdrücklich zwischen einzelnen Glücksspielformen, Zugangswegen und Risikoprofilen. So werden beispielsweise Lotterien, Sportwetten, Automatenspiele, Kasinospiele und Online-Angebote getrennt ausgewiesen und hinsichtlich ihrer Nutzung sowie ihres Gefährdungspotenzials analysiert.

Zugleich muss ein bevölkerungsrepräsentativer Bericht immer einen Ausgleich zwischen Differenzierung und Lesbarkeit finden. Bei insgesamt 28 erfassten Glücksspielformen wäre es weder analytisch sinnvoll noch praktisch handhabbar, jede Tabelle und jede Auswertung für sämtliche Spielformen separat darzustellen.

Wissenschaftliche Berichte, die jede denkbare Differenzierung vollständig abbilden, laufen nicht selten Gefahr, durch ihren Umfang und ihre Komplexität an Verständlichkeit und Rezeption einzubüßen.

Gleichzeitig erfüllen aggregierte Kennzahlen eine wichtige Funktion. Sie beschreiben zunächst, wie verbreitet Glücksspiel insgesamt in der Bevölkerung ist. Für die Einordnung glücksspielbezogener Risiken, Motive oder Problemprävalenzen reichen solche Gesamtzahlen allein jedoch nicht aus. Deshalb werden sie im Survey durch detaillierte Auswertungen ergänzt.

Aus wissenschaftlicher Sicht sollte die Gesamtzahl der Glücksspielteilnehmenden daher weder überinterpretiert noch als Ausdruck einer homogenen Gruppe verstanden werden. Hinter ihr stehen sehr unterschiedliche Formen des Spielens: von Personen, die gelegentlich einen Lottoschein abgeben, bis hin zu Nutzenden hochfrequenter und risikoreicher Spielformen.

Der Glücksspiel-Survey trägt diesem Umstand bereits Rechnung, indem er die verschiedenen Spielformen nicht nur erfasst, sondern auch hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Risikopotenziale betrachtet, etwa in Abbildung 12 ‚Glücksspielstörung (DSM-5: 4 bis 9 Kriterien erfüllt) nach Spielform‘ (S. 34) oder Tabelle 11 ‚Kognitive Verzerrungen* nach Spielform‘ (S. 41).

Abbildung 12 aus der Glücksspiel-Survey 2025: Glücksspielstörung nach Spielform.

1. Warum wird Lotto von vielen Menschen anders wahrgenommen als andere Formen des Glücksspiels wie Online-Casinos, Spielautomaten oder Sportwetten?

Ferl: „Die hohe Verbreitung von Lotto lässt sich aus mehreren Gründen erklären. Erstens verbindet die klassische Lotterie ein außergewöhnlich hohes Gewinnversprechen mit vergleichsweise geringen Einsatzkosten. Aus soziologischer Sicht erwerben Menschen mit einem Lottoschein nicht nur eine Gewinnchance, sondern auch die Möglichkeit, von einem sozialen Aufstieg zu träumen.

Studien zeigen, dass Hoffnung, Vorfreude und positive Zukunftsvorstellungen einen wesentlichen Teil der Attraktivität von Lotterien ausmachen (unter anderen Beckert & Lutter 2012, Kocher et al. 2013, Guo et al. 2022). Die Teilnahme ermöglicht es vielen Menschen, sich zumindest vorübergehend mit der Vorstellung eines großen Gewinns auseinanderzusetzen.

Zweitens ist die hohe gesellschaftliche Akzeptanz von Lotto historisch gewachsen. Anders als viele andere Glücksspielformen wurde Lotto über Jahrzehnte als staatlich reguliertes Angebot wahrgenommen. Während viele andere Glücksspielangebote für die breite Öffentlichkeit lange Zeit kaum sichtbar waren, war Lotto über Jahrzehnte durch Werbung, die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehen und seine Präsenz im öffentlichen Raum fest im gesellschaftlichen Alltag verankert.

Die staatliche Trägerschaft vermittelte vielen Bürger*innen Seriosität und Vertrauen. Zwar liegen nach meiner Kenntnis keine repräsentativen Daten dazu vor, wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich wissen, dass Teile der Lottoeinnahmen gemeinnützigen Zwecken zugutekommen, allerdings gehört dieser Verwendungszweck seit Jahrzehnten zur öffentlichen Darstellung staatlicher Lotterien.

Die Förderung von Sport, Kultur, sozialen Projekten oder Denkmalschutz ist institutionell fest verankert und wird von den Lotteriegesellschaften regelmäßig kommuniziert (Gemeinwohl – LOTTO in Deutschland, n.d.). Es erscheint daher plausibel, dass dieses Wissen zumindest bei einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung zu einer besonderen Legitimität und Akzeptanz von Lotto beiträgt.

Diese institutionelle Einbettung unterscheidet Lotto bis heute von vielen anderen Glücksspielformen und dürfte wesentlich zu seiner hohen gesellschaftlichen Akzeptanz beitragen.

Drittens unterscheiden sich klassische Lotterien in wichtigen strukturellen Merkmalen von vielen anderen Glücksspielformen. Ein zentraler Faktor ist das vergleichsweise langsame Spieltempo. Zwischen Spieleinsatz und Ziehung liegen oftmals mehrere Tage, und die Zahl der Spielereignisse ist begrenzt.

Die Glücksspielforschung zeigt seit langem, dass insbesondere die Ereignisfrequenz und Spielgeschwindigkeit wichtige Einflussfaktoren für die Entwicklung problematischen Spielverhaltens sind (Auer & Griffiths 2023). Schnell ablaufende Spielformen mit unmittelbarer Rückmeldung, etwa Automatenspiele oder Online-Casinospiele, weisen deshalb in der Regel ein höheres Gefährdungspotenzial auf als klassische Lotterien.

Entsprechend werden Lotterien in der Forschung und auch in der Regulierung häufig als Glücksspielformen mit vergleichsweise geringem Suchtrisiko eingeordnet, wenngleich auch hier problematisches Spielverhalten auftreten kann.

Die hohe Verbreitung von Lotto bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass die Bevölkerung in großem Umfang riskante Glücksspielformen nutzt. Vielmehr handelt es sich um eine Spielform, die ein hohes Gewinnversprechen, gesellschaftliche Akzeptanz und ein vergleichsweise geringes Gefährdungspotenzial miteinander verbindet.“

Beckert, J., Lutter, M. (2012). Why the Poor Play the Lottery: Sociological Approaches to Explaining Class-based Lottery Play. Sociology, 47 (6), 1152–1170. https://doi.org/10.1177/0038038512457854

Gemeinwohl – LOTTO in Deutschland. (n.d.). LOTTO in Deutschland. https://www.lottoindeutschland.de/gemeinwohl

Guo, H. F., Tao, R., Zhao, N., Chen, H. P., Zheng, R., & LI, S. (2022). What we bet on is not only tangible money, but also good mood. Cognition and Emotion, 36(7), 1404–1419. https://doi.org/10.1080/02699931.2022.2128064

Kocher, G. K., Krawczyk M., Winden F. v. (2012). ‘Let me dream on!’ Anticipatory emotions and preference for timing in lotteries. Journal of Economic Behavior & Organization, 98, 29–40. https://doi.org/10.1016/j.jebo.2013.12.006

Auer, M. & Griffiths, M.D. (2023). The relationship between structural characteristics and gambling behaviour: An online gambling player tracking study. Journal of Gambling Studies, 39, 265–279. https://doi.org/10.1007/s10899-022-10115-9

2. Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Lottospielern und Nutzern anderer Glücksspielformen, wenn es um Motivation, Gewohnheiten und Selbstbild geht?

Ferl: „Mir ist keine Studie im deutschen Kontext bekannt, die systematisch Motivationen, Gewohnheiten und Selbstbilder von Lotto-Spielenden und Nutzenden anderer Glücksspielformate vergleicht.

Vielmehr zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zu den motivatorischen Aspekten des Lotteriespiels von Weidner (2024), dass auch innerhalb der Population der Lotto-Spielenden Motivationen wie Unterhaltungswert, Netzwerkeinfluss, Aberglaube, Risikoneigung und Gewohnheit durchaus unterschiedlich ausgeprägt sind.

Diese können wiederum sowohl die Spielfrequenz als auch die wöchentlichen Ausgaben beeinflussen. Insofern können nur schwerlich verallgemeinerbare Unterschiede zwischen sehr unterschiedlichen Lotto-Spielenden und Nutzenden anderer Glücksspielformate gezogen werden.

Gleichwohl gibt es theoretische und empirische Hinweise darauf, dass die strukturellen Eigenschaften verschiedener Glücksspielformen mit unterschiedlichen Nutzungsmustern und Wahrnehmungen einhergehen können.

Während das klassische Lottospiel durch geringe Einsatzhöhen, lange Zeitabstände zwischen Spieleinsatz und Ziehung sowie die Aussicht auf sehr hohe Gewinne gekennzeichnet ist, ermöglichen andere Glücksspielformen wie Sportwetten, Automatenspiele oder Online-Casinospiele häufig eine höhere Ereignisfrequenz und ein unmittelbares Feedback auf Gewinne und Verluste (Auer & Griffiths 2023).

Die Glücksspielforschung geht davon aus, dass solche strukturellen Unterschiede die Motive und Gewohnheiten der Spielenden zumindest mitprägen können.

Aus wissenschaftlicher Sicht erscheint es deshalb sinnvoller, von unterschiedlichen Nutzungsprofilen und Spielmotiven auszugehen als von klar voneinander abgrenzbaren Gruppen von ‚Lotto-Spielern‘ und ‚Nutzern anderer Glücksspielformen‘.“

Auer, M. & Griffiths, M.D. (2023). The relationship between structural characteristics and gambling behaviour: An online gambling player tracking study. Journal of Gambling Studies, 39, 265–279. https://doi.org/10.1007/s10899-022-10115-9

Weidner, L. (2024). Motivations for intensified lotto participation among German Lotto 6/49 and Eurojackpot players [Preprint]. CC BY 4.0. 10.31219/osf.io/geykw

3. Was geht aus Ihrer Sicht verloren, wenn Lotto-Spieler und Nutzer anderer Glücksspielformen in großen Teilnahmezahlen einfach zusammengefasst werden?

Ferl: „Zunächst würde ich für einen Perspektivwechsel plädieren: Bevölkerungsrepräsentative Surveys stehen grundsätzlich vor der Herausforderung, komplexe Realitäten so abzubilden, dass zentrale Befunde erkennbar bleiben. Aggregierte Kennzahlen erfüllen dabei eine wichtige Funktion, weil sie zunächst zeigen, wie verbreitet Glücksspiel insgesamt in der Bevölkerung ist und wie sich die Teilnahme im Zeitverlauf entwickelt.

Aus Sicht der Wissenschaftskommunikation besteht die Herausforderung daher nicht darin, jede Glücksspielform in jeder Tabelle gesondert auszuweisen, sondern die richtige Balance zwischen Übersichtlichkeit und Differenzierung zu finden.

Genau diesen Ansatz verfolgt der Glücksspiel-Survey 2025. Neben aggregierten Kennzahlen werden an zahlreichen Stellen Unterschiede zwischen einzelnen Spielformen, Zugangswegen und Risikoprofilen ausgewiesen. So werden beispielsweise Glücksspielstörungen, kognitive Verzerrungen oder weitere risikorelevante Merkmale ausdrücklich nach Spielformen differenziert dargestellt.

Natürlich bilden aggregierte Gesamtzahlen keine homogenen Gruppen von Glücksspielteilnehmenden ab. Hinter ihnen stehen sehr unterschiedliche Verhaltensweisen, von Personen, die gelegentlich einen Lottoschein ausfüllen, bis hin zu Nutzenden hochfrequenter und risikoreicher Angebote.

Deshalb sollten aggregierte Teilnahmequoten nicht isoliert interpretiert werden. Sie sind vielmehr ein Ausgangspunkt, der durch die im Bericht enthaltenen Differenzierungen ergänzt und eingeordnet werden muss.

So zeigen die Ergebnisse des Glücksspiel-Surveys 2025 auch, dass Lotto-Spielende häufig zusätzlich andere, risikoreichere Glücksspielformen nutzen. Die entscheidende Frage ist daher weniger, ob aggregiert werden darf, sondern ob relevante Unterschiede zwischen den Spielformen an den Stellen sichtbar gemacht werden, an denen sie wissenschaftlich bedeutsam sind.

Aus meiner Sicht gelingt dies im Glücksspiel-Survey 2025, da die unterschiedlichen Risikopotenziale der einzelnen Glücksspielformen an zahlreichen Stellen ausdrücklich berücksichtigt werden.“

Tabelle aus der Glücksspiel-Survey 2025 zur „Multiple Teilnahme am Glücksspiel“.

4. Warum fühlen sich viele Menschen, die regelmäßig Lotto spielen, von dem allgemeinen Begriff „Glücksspieler“ oft nur bedingt beschrieben?

Ferl: „Menschen, die regelmäßig Lotto spielen, könnten sich durch den Begriff ‚Glücksspieler‘ nur bedingt beschrieben fühlen, weil sie ihre eigene Teilnahme anders wahrnehmen als es der Begriff nahelegt. Im Alltagsverständnis wird ‚Glücksspiel‘ häufig mit risikoreichen Angeboten, hohen Einsätzen oder problematischem Spielverhalten verbunden. Das klassische Lottospiel wird dagegen von vielen Menschen als gesellschaftlich akzeptierte Alltagsroutine verstanden.

Qualitative Studien zeigen, dass Lotto-Spielende ihre Teilnahme häufig als gelegentliche Gewohnheit oder als kleine Hoffnung auf einen außergewöhnlichen Gewinn beschreiben, nicht jedoch als identitätsstiftende Freizeitaktivität (Reith 1999).

Hinzu kommt, dass sich Lottospielende bewusst von anderen Glücksspielformen abgrenzen, die als risikoreicher wahrgenommen werden, etwa Automatenspiele oder Online-Casinospiele. In diesem Sinne kann eine Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen oder rechtlichen Definitionen, nach denen Lotto selbstverständlich eine Form des Glücksspiels ist, und dem Selbstverständnis von Lottospielenden entstehen.

Diese Wahrnehmung könnte erklären, warum sich manche Menschen von allgemeinen Angaben zur Zahl der ‚Glücksspieler‘ möglicherweise nicht angesprochen fühlen. Sie verstehen ihre eigene Teilnahme eher als gelegentlichen Lottokauf und weniger als Zugehörigkeit zu einer amorphen Gruppe von Glücksspielern.“

Reith, G. (1999). The Age of Chance: Gambling in Western Culture (1st ed.). Routledge. https://doi.org/10.4324/9780203978306

5. Welche Einordnung würden Sie Lesern mitgeben, damit sie große Glücksspielzahlen wie in der Glücksspiel-Survey 2025 besser verstehen können?

Ferl: „Mein wichtigster Hinweis wäre, große Kennzahlen zur Glücksspielteilnahme immer im Zusammenhang mit den dahinterstehenden Spielformen zu betrachten. Aggregierte Zahlen erfüllen eine wichtige Funktion, weil sie zeigen, wie verbreitet Glücksspiel insgesamt in der Bevölkerung ist. Sie sagen für sich genommen jedoch noch wenig darüber aus, welche Glücksspiele genutzt werden und mit welchen Risiken diese verbunden sind.

Gerade deshalb bietet der Glücksspiel-Survey 2025 zahlreiche Möglichkeiten zur Differenzierung. Der Bericht unterscheidet zwischen verschiedenen Glücksspielformen, Zugangswegen und Risikoprofilen und zeigt an vielen Stellen, dass sich die Nutzung und die damit verbundenen Risiken erheblich unterscheiden können. Wer lediglich eine Gesamtzahl herausgreift, läuft Gefahr, sehr unterschiedliche Formen des Glücksspiels miteinander gleichzusetzen.

Vor diesem Hintergrund kommt auch den Medien eine wichtige Verantwortung zu. Aggregierte Kennzahlen eignen sich zwar für prägnante Überschriften, sollten jedoch nicht losgelöst von den weiterführenden Ergebnissen des Berichts interpretiert werden.

Eine sachgerechte Berichterstattung kann dazu beitragen, die Unterschiede zwischen gelegentlichem Lottospiel, Sportwetten, Automatenspielen oder Online-Casinospielen sichtbar zu machen, anstatt alle Nutzenden unter einer einzigen Sammelkategorie zusammenzufassen.

Leser*innen würde ich daher ermutigen, nicht nur Schlagzeilen oder einzelne Kennzahlen zu betrachten, sondern auch einen Blick in den frei verfügbaren Bericht selbst zu werfen. Der Glücksspiel-Survey 2025 enthält eine Vielzahl differenzierter Auswertungen, die ein deutlich nuancierteres Bild vermitteln, als es einzelne Gesamtzahlen leisten können.

Wer sich mit den Ergebnissen näher beschäftigt, erkennt schnell, dass sich hinter dem Begriff ‚Glücksspielteilnahme‘ sehr unterschiedliche Verhaltensweisen, Motive und Risikoprofile verbergen.“

Fazit: Nicht die Survey ist das Problem, sondern die verkürzte Schlagzeile

Was ziehen wir nun aus diesem Artikel? Große Gesamtzahlen sind natürlich richtig und geben Daten korrekt wieder. Die wichtigste Erkenntnis liegt nicht in der größten Zahl, sondern in der Differenz zwischen Lotterie-Alltag und aktivem Glücksspielmarkt. Das Marktverständnis kann darunter leiden.

Die Glücksspiel-Survey 2025 ist dann nützlich, wenn ihr hinter die große Gesamtzahl an Glücksspielern schaut. Wenn ihr euch die Teilzahlen anschaut und die unterschiedlichen Spielformen getrennt betrachtet.

Eure Erkenntnisse zieht ihr also vor allem aus einem differenzierten Blick und nicht aus der großen Zahl.

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